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| 02:33 Uhr

Als Cottbus seine Pauker noch selbst ausbildete
Königliches Lehrerseminar ist heute Niedersorbisches Gymnasium

FOTO: Heute: Nicole Nocon - Damals: Sammlung Hans Krause
Cottbus. Diese Ansichtskarte ist vom Verlag zweimal herausgegeben worden. Erstmals erschien sie Mitte der 1930er-Jahre. Die schön gestaltete Grünanlage mit den zum Teil neugepflanzten Bäumen, darunter auch der heute gestützte Trompetenbaum (Catalpa), wurde nach dem deutschen Reichstagspräsidenten Paul von Hindenburg (1847 – 1934) Hindenburgplatz benannt. red/nn

Das attraktive Schulgebäude im Hintergrund war zu jener Zeit die Hochschule für Lehrerbildung.

Die Wohngebäude auf der linken Seite der Karte (damals Hindenburgplatz 1 und 2)sowie um die Ecke (damals Löbensweg 1 und 2) und auch die Häuser an der Sielower Landstraße (damals mit den Häusnummern 91, 92 und 101) waren Neubauten der Wohnbau GmbH aus Berlin Dahlem. Die Häuser waren speziell für Dozenten und Lehrer der Hochschule, auch für Hauptmänner und anderes höheres Personal des Cottbuser Flugplatzes, errichtet worden. Links und rechts des Schulgebäudes standen ansehnliche Villen. In ihnen wohnten der Hochschuldirektor und der Hochschulinspektor. Die linke Villa, deren Dach und die Schornsteine auf der Karte zu sehen sind, ist im Jahr 1945 bei einem Angriff durch eine Bombe völlig zerstört worden.

Die Geschichte des Schulhauses ist interessant. Die aufstrebende Stadt Cottbus unter Oberbürgermeister Paul Werner wollte selber gerne Lehrer ausbilden, also eine Präparandenanstalt mit Lehrerseminar betreiben. Im Jahr 1907 war es soweit: Das Königliche Lehrerseminar wurde eröffnet. Allerdings gab es dafür noch kein eigenes Schulgebäude. Die Stadt verpflichtete sich jedoch, ein Schulgebäude, Direktorenvillen und Turnhalle erbauen zu lassen. Stadtbaumeister Arno Pasig lieferte den Entwurf und wurde auch mit der Bauleitung beauftragt. Am 6. April 1910 konnte das ganze Ensemble dem Provinzial-Schulkollegium übergeben werden und am 25. Juni 1910 fand die feierliche Einweihung des Königlichen Lehrerseminars statt. Dieses bestand bis 1919, dann gab es keinen Kaiser und keinen König mehr. Also wurde es zu einem Staatlichen Lehrerseminar. Diese Seminare mussten aber auf ministerielle Verfügung bis 1925 abgebaut werden. Danach wurden Kinder der Gemeindeschulen in dem Haus unterrichtet.

Nach Umbauten eröffnete im Jahr 1930 die Pädagogische Akademie ihre Pforten, der 1933 die Hochschule für Lehrerbildung folgte. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, der Freigabe und Wiederherstellung des Schulgebäudes zog dort für wenige Jahre das Pädagogische Institut, eine Ausbildungsstätte für Neulehrer, ein. Durch eine Neuregelung des Schulwesens im zweisprachigen Gebiet der DDR musste auch in Cottbus eine dementsprechende Schule eingerichtet werden. Zum 1. September 1952 nahm die Sorbische Oberschule mit 46 Schülern in drei Klassen ihre Arbeit in den Räumen des einstigen Königlichen Lehrerseminars auf. Die alte Ansichtskarte mit der aktuellen Beschriftung, soll diese Zeit darstelle. 1960 wurde daraus die Erweiterte Sorbische Oberschule und nach 1990 das Niedersorbische Gymnasium.