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| 19:16 Uhr

Cottbus
Stadtmuseum beim Ostseefest

Kurator Tim Köhler (l) und Stadtmuseumschef Steffen Krestin werden am Sonntag beim Ostseefest sein. Ihr Stand wird an dem Plakat zu erkennen sein, das den ersten Entwurf einer Landmarke zeigt, an der die 15 Stationen eines Audio-Stadtführers zu erkennen sein werden. Er endet am Ostsee.
Kurator Tim Köhler (l) und Stadtmuseumschef Steffen Krestin werden am Sonntag beim Ostseefest sein. Ihr Stand wird an dem Plakat zu erkennen sein, das den ersten Entwurf einer Landmarke zeigt, an der die 15 Stationen eines Audio-Stadtführers zu erkennen sein werden. Er endet am Ostsee. FOTO: Michael Helbig
Cottbus. Historiker suchen Stimmen und Erinnerungen für die neue Ausstellung. Von Peggy Kompalla

Für die neue Ostsee-Ausstellung gehen die Mitarbeiter des Stadtmuseums ungewohnte Wege. Sie forschen nicht im Archiv zwischen vergilbtem Papier, sondern in den Erinnerungen der Cottbuser. Dafür besuchen sie am Sonntag das Ostseefest.

Dort werden Kurator Tim Köhler und Museumschef Steffen Krestin am Merzdorfer Aussichtsturm einen eigenen Stand aufbauen und die Besucher ermuntern, ihre Erlebnisse und Gedanken rund um den Ostsee mit ihnen zu teilen. „Das ist eine neue Form der Sammlung, die zunehmend an Bedeutung gewinnen wird“, sagt der Historiker Krestin. „Die immateriellen Sammlungen werden immer wichtiger. Denn in unserer globalisierten Welt sieht ein Kühlschrank in Deutschland genauso aus wie in Amerika, nur das Stromkabel unterscheidet sich.“ Soll heißen: Die Objektwelt – also die Gegenstände des Alltags – erzählen immer weniger über einen Ort. Umso wichtiger werden die Erinnerungen und Gedanken des Einzelnen.

Die wollen die Museumsleute am Sonntag einsammeln. Dazu werden sie Interviews führen und aufzeichnen. Tim Köhler sagt: „Das ist natürlich auch ein Experiment für uns.“ Die Mitarbeiter wollen sich auf den Turm stellen und die Leute direkt ansprechen. Mit dem künftigen Ostsee und einstigen Tagebau vor Augen werden die Erinnerungen sicherlich schnell geweckt. Die können sich um Arbeit drehen, aber auch um verlorene Heimat oder verwandelte Landschaft. Den Fokus legen die Interviewten selbst fest.

Die Erzählungen können darüber hinaus Eingang in den Audio-Führer finden. Den erarbeitet das Museum im Zusammenhang mit der Ausstellung „Sportlich auf dem Weg zum Cottbuser Ostsee“, die im nächsten Jahr eröffnet werden soll. Der Audio-Führer soll über 15 Stationen durch die ganze Stadt leiten und natürlich am Ostsee enden. Die Stationen werden an einer Landmarke zu erkennen sein. Einen ersten Entwurf, wie die aussehen könnte, präsentiert das Stadtmuseum am Sonntag auf dem Fest.

Für Steffen Krestin ist die neue Ausstellung auch insofern spannend, weil die Historiker dafür die Blickrichtung ändern. Vorwärts. Normalerweise blicken sie in der Geschichte zurück. „Nicht umsonst hängt in unserem Museum ein Bild vom Ostsee als Vision. Wir können den Bogen von der Vergangenheit in die Zukunft spannen“, betont der Historiker. „Was passiert mit dem Loch, das einst Lohn, Brot und Licht bedeutet hat?“ Kurator Köhler ergänzt: „Wir wollen dazu die Vielfalt der Meinungen abbilden.“