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| 18:45 Uhr

Unileben
Das bunte Viertel der BTU

Volles Haus in der BTU-Mensa auf dem Zentralcampus in Cottbus. Die Uni hat am Donnerstag ihre neuen internationalen Studierenden begrüßt. Jeder Kontinent der Erde ist vertreten, insgesamt 76 Nationen.
Volles Haus in der BTU-Mensa auf dem Zentralcampus in Cottbus. Die Uni hat am Donnerstag ihre neuen internationalen Studierenden begrüßt. Jeder Kontinent der Erde ist vertreten, insgesamt 76 Nationen. FOTO: LR / Daniel Schauff
Cottbus/Senftenberg. Rund 25 Prozent der BTU-Studierenden kommt nicht aus Deutschland. Im Ausland bleibt die Popularität der Hochschule konstant, trotz des schlechten Rufs, Cottbus sei keine tolerante Stadt. Von Daniel Schauff

Rund 650 sind es in diesem Semester. Die ganz genaue Zahl liegt dem BTU-Vizepräsidenten Matthias Koziol noch nicht vor, als er am Donnerstagabend ans Rednerpult tritt. Das macht aber auch nichts – 650 sind eine ganze Menge, das sieht und hört man an diesem Abend in der Mensa auf dem Zentralcampus. „Wir sind nicht sehr groß, aber sehr international“, sagt Koziol. Rund ein Viertel der BTU-Studenten kommen aus dem Ausland – „und wir freuen uns darüber“, so der Vizepräsident. Rund 2000 Studierende, die nicht aus Deutschland kommen, lernen an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg.

Traditionell begrüßt die BTU ihre Neuankömmlinge aus aller Herren Länder in einer eigenen Veranstaltung, der Welcome Reception for International Students. Einen Großteil des Abends wird auf der Bühne Englisch gesprochen, die Sprachvielfalt in den Sitzreihen ist derweil eine fast unüberschaubare – 76 Nationen sind an der BTU in Cottbus und Senftenberg vertreten, von jedem Kontinent der Welt hat es Erstsemester in diesem Herbst nach Cottbus getrieben, angelockt zu großen Teilen auch von den Studienfächern, die in englischer Sprache unterrichtet werden. Zwölf englischsprachige Studienprogramme gibt es an der BTU, sagt Koziol. Rund ein Drittel der Studierenden, die diese Programme durchlaufen, kommen nicht aus Deutschland.

Johannes Meijer ist einer von ihnen. Er kommt aus Alabama in den USA, wollte nach Europa, hat sich nach Studiengängen in Englisch in den Umweltwissenschaften umgesehen und Environmental and Ressource Management (Umwelt- und Ressourcenmanagement) zu seinem Studienfach gemacht. „Das gibt es sonst nirgends auf Englisch“, sagt er. Was er von Cottbus weiß? Noch nicht viel. Vor zwei Wochen sei er angekommen, die Stadt sei schön. Ja, von den fremdenfeindlichen Demonstrationen von Zukunft Heimat und den teils gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Deutschen und Ausländern vor allem zu Jahresbeginn habe er gehört – allerdings erst, als er sich schon eingeschrieben hatte. Ein Grund, sich gegen Cottbus zu entscheiden, wäre das aber ohnehin nicht gewesen, sagt Johannes Meijer. „So schlimm kann’s nicht sein“, sagt er.

Valentin Tesser ist vor zwei Wochen aus Bulgarien nach Cottbus gekommen, um das gleiche Fach wie Johannes Meijer zu studieren. Sein Vater arbeitet in der IT-Branche in Bautzen, sagt er. Schlechtes über Cottbus habe er noch nicht gehört. Der erste Eindruck: eine nette kleine Stadt. Saimun Seum aus Bangladesch stimmt zu. Ein schlechtes Gefühl habe er nicht – seit einem Monat ist er schon in Cottbus und hat bis jetzt nur gute Erfahrungen mit den Cottbusern gemacht, sagt er.

Erfahrungen, die der ehemalige internationale BTU-Student und heutige Integrationsbeauftragte der Stadt, Henry Crescini, offenbar teilt. Crescini gibt erste Überlebenstipps für Studierende – die Friedrich-Ebert-Straße mit ihren gastronomischen Angeboten, den Altmarkt, Schmelztiegel, an dem sich Krawattenträger und Bauarbeiter, Blogger und Manager träfen. Crescini rechnet vor: 8,4 Prozent der Cottbuser sind nicht deutsch, 3,5 Prozent haben einen Fluchthintergrund. Ab 2015 ist letztere Zahl in Cottbus rasant gestiegen mit Beginn der weltweiten Flüchtlingskrise. Crescini: „Aber Migration ist nichts Neues, Migration hat es schon immer gegeben.“ Der gebürtige Venezolaner erklärt den Integrationsbeirat, dem die Stadtverordneten in ihrer nächsten Sitzung das grüne Licht zur Konstituierung geben können. Der Beirat ist neu und er sei auch für die ausländischen Studierenden da, um ihnen eine politische Stimme in der Stadt zu geben. Crescini hofft, dass sich auch die neuen BTUler ins Stadtleben einbringen. Einen guten Start hätten sie schon erwischt, sagt der Integrationsbeauftragte. So warm und sonnig wie dieser Herbst sei in Cottbus noch keiner gewesen, keiner zumindest in der Zeit, in der Crescini in Cottbus lebt. „Aber glaubt mir – es wird noch bitter kalt“, schiebt er hinterher.

Die Internationalität der BTU ist in den vergangenen Monaten oft zum Thema geworden – Ex-BTU-Präsident Jörg Steinbach hatte sich in die Debatte um Fremdenfeindlichkeit in Cottbus eingemischt, immer wieder betont: Die internationalen Studenten sind der BTU besonders wichtig – so wichtig, dass die Uni ohne sie kaum existieren könnte und auf ein Viertel ihrer Studierenden verzichten müsste. Ausländerfeindliche Demonstrationen und eine vor allem gegen Flüchtlinge aufgeheizte Stimmung in der Stadt könne auch der Uni schaden – weil schlichtweg keine Ausländer mehr nach Cottbus kommen wollen könnten. Der Semesterstart in diesem Jahr zeigt: Die Attraktivität im Ausland ist bei der BTU offenbar ungebrochen.