ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 18:40 Uhr

Neue Sonderausstellung
Theodor Fontane, der Apotheker

 Annette Schiffner, Dagmar Braun, Sabine Bernert und Yvonne Rinza (v.l.) vom Apothekenmuseum führen durch die Fontane-Ausstellung.
Annette Schiffner, Dagmar Braun, Sabine Bernert und Yvonne Rinza (v.l.) vom Apothekenmuseum führen durch die Fontane-Ausstellung. FOTO: LR / Julian Münz
Cottbus. Das Apothekenmuseum widmet sich dem frühen Schaffen des Schriftstellers. Von Julian Münz

Die Feierlichkeiten zum 200. Geburtstag des Schriftstellers Theodor Fontane beginnen nicht etwa in einem großen Literaturhaus, sondern im brandenburgischen Apothekenmuseum. Die Ausstellung „Der Apotheker im Wandel der Zeit“ gibt Aufschluss über den weniger bekannten ersten Beruf des jungen Theodor Fontane.

Die Sonderausstellung ist die erste Veranstaltung des Programms Fontane 200, einem Gemeinschaftsprojekt vom Kulturland Brandenburg und der Universität Potsdam. „Fontanes Werk ist untrennbar mit Brandenburg verbunden“, sagt Christian Müller-Lorenz vom Kulturland Brandenburg. „Hier suchte Fontane nach Spuren, hat aber auch Spuren hinterlassen.“ Das Thema Spuren sei deshalb auch eine Programmsäule von Fontane 200.

„Die Ausstellung ist sozusagen ein Frühstart“, erklärt der Projektkoordinator von Fontane 200, Hajo Cornel, mit Verweis darauf, dass die eigentliche Leitausstellung in Neuruppin erst Ende März eröffnet wird. „Das ist aber biografisch auch zu rechtfertigen, schließlich hat Fontane auch vor seiner Literaturkarriere als Apotheker gearbeitet.“

Tatsächlich stammte der 1819 in Neuruppin geborene Schriftsteller aus einer Apothekerfamilie. „Wahrscheinlich hat sein Vater ihm nahegelegt, Apotheker zu werden“, meint Museumsleiterin Annette Schiffner zu erzählen. Nachdem Fontane in Berlin seine Lehre absolviert, zieht es ihn für den Beruf unter anderem nach Burg bei Magdeburg, Leipzig, Dresden und Letschin, wo sich die elterliche Apotheke befindet. Erst im Dezember 1849 beschließt Fontane, sich von nun an ausschließlich dem Schreiben zu widmen.

„In der Ausstellung konzentrieren wir uns nur auf den Apotheker Fontane, weniger auf den Schriftsteller“, erklärt Museumsleiterin Annette Schiffner. Aber die Ausstellung zeigt auch die kleinen Verbindungen zwischen dem Apotheker Fontane und seiner späteren literarischen Arbeit auf: So ist im Museum eine Flasche „Coerulum Berolinensis“, auch „Berliner Blau“ genannt, zu sehen – ein tiefblaues, geruchloses Pulver, das unter anderem für den Tapetendruck genutzt wurde. In Fontanes Roman „Frau Jenny Treibel“ hat die Familie Treibel durch den Besitz von Produktionsfabriken von „Berliner Blau“ zu Reichtum gefunden. Und auch im berühmten Roman „Effi Briest“ findet sich mit dem Apotheker Dr. Alonzo Gieshübler ein Hinweis auf die berufliche Vergangenheit des Romanautors.

Auch die Mitarbeiter des Apothekenmuseums haben den Schriftsteller durch die Ausstellung von einer neuen Seite kennengelernt. „Dass Fontane vorher Apotheker gewesen war, hatte ich schon gewusst“, sagt Dagmar Braun, die zum Führungspersonal des Museums gehört. „In der Schule hat man außerdem von den Gedichten John Maynard und Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland gehört“, ergänzt ihre Kollegin Sabine Bernert.

Ab sofort ist die Sonderausstellung für Besucher zugänglich. „Es gibt auch schon Anmeldungen von Fontane-Freundeskreisen“, sagt Annette Schiffner. Und die Museumsleiterin hat gute Erfahrungen gemacht mit Ausstellungen, die eine Brücke zwischen Arzneiwesen und Literatur schaffen. So war die Ausstellung „Von Arsen bis Zyankali – die Geschichten der Agatha Christie“ im Jahr 2017 die bisher erfolgreichste des Apothekenmuseums gewesen. „Bei dieser Ausstellung waren wir auch überrascht, wie viele Agatha-Christie-Liebhaber die Ausstellung besucht haben. Vielleicht finden sich bei Fontane auch welche“, hofft Annette Schiffner.  Wie sich die Nachfrage insgesamt entwickle, werde man aber noch sehen.