ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 14:41 Uhr

Cottbus früher & heute
Wo einst das alte Rathaus stand

Die seltene alte Postkarte zeigt das Rathaus nach den umfangreichen Umbauten 1849/50.
Die seltene alte Postkarte zeigt das Rathaus nach den umfangreichen Umbauten 1849/50. FOTO: Sammlung Krause
Cottbus. Dora Liersch erzählt die Geschichte vom alten Cottbuser Rathaus anhand einer Postkarte aus der Sammlung von Hans Krause. Von Dora Liersch

Cottbus wird 1156 erstmals urkundlich erwähnt, jedenfalls ein Burgwart von Cottbus. Etwa zwei Jahrzehnte später gab es eine alte Aufzeichnung, dass Cottbus ein Ort mit Markt und Kirche sei. Wenn wir heute von Altmarkt und altem Rathaus sprechen, so sind diese Bezeichnungen aus neuerer Zeit, als man Mitte der 1930er-Jahre ein neues Rathaus baute, weil das alte Gebäude, das mitten auf dem Marktplatz stand, für die Verwaltung nicht mehr ausreichte. So bekamen der Markt und das Rathaus die Bezeichnung „alt“ davor gesetzt. Den Altmarkt gibt es noch, nicht aber das alte Rathaus, das im April 1945, wenige Tage vor dem Einmarsch der Roten Armee in die Stadt, völlig ausbrannte. Die Ruine wurde 1947/48 beseitigt. Oft wird nun gefragt, ja, wo stand denn das alte Rathaus? Bei der Umgestaltung des Marktplatzes 1999/2000 bekamen Archäologen ausreichend zu tun. Sie legten die Fundamente des Rathauses frei. Da war der von Ost nach West ausgerichtete Langbau aus dem 14. oder 15. Jahrhundert, dem im 17. Jahrhundert an der Ostseite ein 44 Meter hoher Turm vorgesetzt wurde. Einige Stufen vom Turmaufgang wurden freigelegt. Im 18. Jahrhundert stürzte ein Teil der Ostfassade des Gebäudes ein und man entschloss sich, um mehr Räumlichkeiten zu bekommen, an der Ostseite nicht nur die Mauer der Fassade neu zu errichten, sondern auch ein komplettes neues Haus in Nord-Südrichtung davor zu setzen.

All das wurde nun wieder sichtbar. Da die Cottbuser sehr interessiert waren, gab es am 26. August 1999 sogar die Möglichkeit, sich die Grabungsfläche erklären zu lassen. Natürlich kam die Frage, ob man nicht das Haus wieder aufbauen könnte, ja es hatte sich sogar ein Verein gegründet, der sich für einen Wiederaufbau einsetzte. Das waren Träume in den ersten Jahren der Nachwendezeit. Aber ebenso gab es Ideen, die Fläche des alten Rathauses unter Glas für alle Menschen in Zukunft sichtbar zu erhalten, oder eine begehbare gläserne Pyramide darüber zu setzen. Das war aber im Gestaltungskonzept für den Altmarkt nicht vorgesehen. Und so fragt man also heute wieder, wo stand das alte Rathaus? Wer aus dem Rathausgässchen schnurgrade den Platz kreuzen will, der würde an der östlichen Außenseite des Rathausquerbaus entlang gehen.

Die Archäologen entdeckten aber noch eine Überraschung, denn das alte Rathaus hatte einen Vorgängerbau, von dem bisher keiner etwas wusste. Sie stießen auf ältere, sehr stabile Mauerreste außerhalb des bekannten Gebäudes, die auch tiefer lagen. An ausgesuchten Stellen gruben die Archäologen noch zwei Meter tiefer. Dieser Vorgängerbau muss für den Rathausneubau seinerzeit abgerissen worden sein. Heute führt die verlängerte Marktstraße über die Fläche. Die alten Gemäuer sind im Untergrund zugeschüttet und damit erhalten geblieben. Die seltene alte Postkarte zeigt das Rathaus nach den umfangreichen Umbauten 1849/50. Architekt und Baumeister war Friedrich Wilhelm Kahle, ein Schüler von K.F. Schinkel. So ist nicht verwunderlich, dass eine typisch neogotische Fassade das Rathaus zierte.

Auf der Karte ist ganz rechts noch ein Hausstreifen zu sehen, der zu einem westlich des Rathauses stehendem Wohnquartier gehört, das 1939 beseitigt wurde. Zwischem dem Wohnblock und dem Rathaus konnte man hindurch gehen, befand sich eine schmale Gasse. Es folgt der westliche Staffelgiebel des Langhauses. Auf dem Dach befindet sich der Anschluss für die Fernmeldeverbindungen. Nordseite, mittig des Langhauses, etwas vorgesetzt, war einst der Haupteingang zum Rathaus. In der Ecke wo Langhaus und barockes Quergebäude aneinander stoßen, war der Zugang zum Ratskeller, und dann ist der nördliche Teil des Querhauses zu sehen. Natürlich waren an dem Rathaus ursprünglich noch Anbauten, wie Bäcker- und Fleischscharren, also Verkaufsstände, oder gar -räume, aber die waren zum großen Teil schon 1849 abgerissen worden. Der Fotograf stand für diese Aufnahme etwa an der Ecke Wendenstraße mit Blick nach Osten und den östlichen Marktplatzhäusem.

So zeigt sich der Altmarkt heute.
So zeigt sich der Altmarkt heute. FOTO: Liersch Dora und Heinrich / Dora und Heinrich Liersch