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| 19:14 Uhr

Damit sich der Einbruch nicht lohnt

In der Sicherung von Haus und Hof geht für Kati Prajs immer eine gute Mechanik vor elektronischen Anlagen. An diesem Schloss ist der Bügel so eng, das Einbrecher keine Zange ansetzen können.
In der Sicherung von Haus und Hof geht für Kati Prajs immer eine gute Mechanik vor elektronischen Anlagen. An diesem Schloss ist der Bügel so eng, das Einbrecher keine Zange ansetzen können. FOTO: Igel-Allzeit
Cottbus. Die wachsende Zahl der Wohnungseinbrüche beschäftigt die Prävention der Polizei seit Jahren. 294 Einbrüche wurden im Bereich der Polizeiinspektion Cottbus/Spree-Neiße 2013 registriert, 2014 kletterte die Zahl auf 355 Fälle. Jetzt soll ein Netzwerk "Zuhause sicher" helfen, Einbrecher abzuschrecken. Annett Igel-Allzeit

Sie durchwühlen die Wohnung, suchen in Handtaschen, Schubfächern, hinter Büchern Bargeld, greifen sich das Handy, den Laptop. Eine Münzsammlung wurde in diesem Jahr aus einer Wohnung in der Karl-Liebknecht-Straße in Cottbus gestohlen. Auch Schmuck lässt sich nach wie vor gut veräußern. In Cottbus und im Spree-Neiße-Kreis sind die Einbruchszahlen in den vergangenen Jahren gestiegen. In Spree-Neiße ging es von 147 im Jahr 2013 auf 186 im Vorjahr. Für das Cottbuser Stadtgebiet kletterten die Wohnungseinbrüche 2014 um 22 auf 169. Ein Drittel der Einbrecher sind tagsüber unterwegs, sagt Kati Prajs, denn Dieben wird es so leicht gemacht, dass sie nachts nicht mehr arbeiten müssen. Kati Prajs koordiniert die Prävention für die Polizeiinspektion Cottbus/Spree-Neiße. Regelmäßig berät sie Bürger, wie sie ihre Häuser und Wohnungen besser sichern können, fährt mit hinaus, wenn Kollegen einen besonders dreisten Einbruch untersuchen, und stolpert durchaus gern über Baustellen. "Am besten - auch für die Kosten - ist es immer, wenn schon beim Hausbau an den Schutz vor Einbrechern gedacht wird", erklärt Kati Prajs.

Seit Jahren versucht sie, Kräfte in der Prävention zu bündeln. "Wir haben uns umgeschaut, wie es andere Bundesländer schaffen, Wohnungseinbrüche zu verringern", sagt Kati Prajs. Die Plakette "Zuhause sicher" - zehnmal zehn Zentimeter groß, blau-weiß und stabil - hat sie schon auf dem Schreibtisch. Am 13. Oktober soll das Netzwerk "Zuhause sicher" in Kooperation mit der Stadtverwaltung in Cottbus gegründet werden. Es vereint Handwerksfirmen, Versicherungen, Polizei, Stadt und weitere Partner und will Bürger überzeugen, dass Einbruchsschutz und Brandschutz wichtig sind und auf dem Weg zum sicheren Zuhause begleiten. Bis zum Jahresende will Kati Prajs zudem Wohnungsunternehmen anschreiben. Wie zur Energieeffizienz und zum altersgerechten Umbau gibt es Fördermittel zum Einbruchschutz.

Im Jahr 2005 war die Initiative "Zuhause sicher" von der Polizei ins Leben gerufen worden. In mehreren Bundesländern hat sie einen gemeinnützigen Verein. Nun soll Brandenburg nachziehen. Um die Plakette "Zuhause sicher" am Haus befestigen zu können und damit Einbrechern zu signalisieren, dass sie hier so schnell nicht hereinkommt, sind ein paar Vorgaben zu erfüllen. "Leider ist der Neueinbau oder das Nachrüsten von Sicherheit immer auch mit Geld verbunden", sagt Kati Prajs. Doch wenn wie im Juli in Wohnungen in der Lessingstraße, in der Madlower Landstraße und in einem Einfamilienhaus in Sachsendorf Schäden von mehreren Tausend Euro entstehen, lohnt es sich.

Um nicht bei jedem Eigenheimbesitzer bei null anzufangen, geht Kati Prajs inzwischen auf Gemeinden und Ortsbeiräte zu und bietet Einwohnerversammlungen an. "Ich hatte Bürgermeister, die mir sofort erklärt haben, dass da in ihrem Ort kein Bedarf besteht. Aber ich bin mir sicher, dass das mancher Einwohner anders sieht." Überrascht hat sie jüngst ein Groß Gaglower. "Der Mann wollte die Beratung ursprünglich für sich, lud dann aber mehrere Nachbarn ein. So konnte ich an seinem Haus sämtliche Vorkehrungen gegen Einbrecher erklären."

Meist reist Kati Prajs mit einem Koffer an. Eins der kleinsten Werkzeuge darin ist der Glasstärkenmesser. In ihren heiligen Hallen am Bonnaskenplatz zeigt sie sichere Türschlösser bis zum Querriegel, abschließbare Fenstergriffe und sämtliche Nachrüstungen. Sie erklärt, wie Pilzkopfverriegelungen - die über den gesamten Fensterrahmen verteilt werden sollten - funktionieren und wie Rosetten Profilzylinder sicherer machen. Und sie weiß, welche Sicherheits-Zertifizierung im Baumarkt hält, was sie verspricht. Ihren Vortrag aber beginnt sie meist an der Regentonne unterm Fenster und anderen Einbruchshilfen.

Zum Thema:
Zur Gründung des Netzwerkes "Zuhause sicher" wird es im Cottbuser Stadthaus am Erich Kästner Platz am 13. Oktober von 15 bis 18 Uhr auch eine Reihe weiterer Informationen geben.Die Beratungsstelle der Polizeiinspektion Cottbus/Spree-Neiße befindet sich am Bonnaskenplatz 2 in Cottbus. Kati Prajs ist telefonisch unter der 0355 7891085 zu erreichen oder - da sie oft unterwegs ist - unter praevention.picbspn@polizei.brandenburg.de per E-Mail.