Ein ganz besonderer Auftrag, freute sich Joachim Jarick, der die anspruchsvolle Arbeit gemeinsam mit Sohn Lars (27) ausgeführt hat. "Zu einem wirklichen Freundschaftspreis", wie Matthias Zickora, Verwaltungsdirektor der Stiftung Park und Schloss Branitz, versichert. Die Holzkonstruktion war zuvor von Holzbildhauer Wilfried Galler angefertigt worden. Eine erstklassige Schnitzarbeit, bei der historische Fotos vom Schloss als Vorlage gedient hätten, sagt Zickora. Mit den Stühlen habe sich Wilfried Galler, jetzt im Ruhestand, ein Denkmal gesetzt. Auch der dazugehörige Tisch, die Kopien der Bänken im Foyer und der Spiegel in der Bibliothek seien erstklassiges Kunsthandwerk. An handwerklicher Qualität steht die Polsterarbeit der Tischlerei in nichts nach. Er habe ausschließlich traditionelle Techniken angewendet, erklärt Joachim Jarick, "alles genagelt, nichts geschossen". Hinzu kommt die Verwendung erstklassiger Werkstoffe. Entstanden ist ein Festpolster mit Nesselbezug und Rosshaarpikierung. Genauso sei um 1850 gepolstert worden, als die Möbel für Pücklers Speisezimmer von einem Gubener Tischler angefertigt wurden. Im Stil des frühen Barocks, wie Willy Thiel, Leiter der Restaurierungswerkstatt der Stiftung Park und Schloss Branitz, erklärt. Hinweise auf den Bezugsstoff habe die goldgelbe Wandbespannung gegeben. Verwendet haben die Dahlitzer Handwerker ein edles Mohair-Schurwolle-Velour. Was besonders auffällt, sind die großen Ziernägel. Die habe ein Berliner Großhändler eigens für den Auftrag in Paris geordert, erzählt Lars Jarick nicht ohne Stolz. Doch so repräsentativ die Stühle auch aussehen, "besonders bequem sind sie nicht", fügt der junge Polsterer verschmitzt hinzu. Auch die Original-Stühle seien alles andere als bequem gewesen. "Das war auch nicht beabsichtigt", weiß Jarick aus der Beschäftigung mit Pückler und diesem Auftrag. Schließlich habe der Fürst nicht gewollt, dass die Gäste allzu lange blieben. Über die Gäste, die mit Hermann Fürst zu Pückler-Muskau zu Tische saßen, hat dessen Privatsekretär Billy Masser in fünf Tafelbüchern akribisch Buch geführt. "Dabei waren nie weniger Gäste als drei, die Zahl der Grazien, und bis auf seltene Ausnahmen nie mehr als neun, die Zahl der Musen, anwesend", ist von Fremdenführerin Helga Tschuschke zu erfahren. "War man im Branitzer Schloss Gast des Fürsten, galt nur eine Verpflichtung: Man musste zum Diner im Speisezimmer erscheinen. Allerdings nicht vor 21 Uhr, dann erst rief der große Gong seine Gäste". Etliche Gäste kamen übrigens auch aus Cottbus. Dazu zählten zum Beispiel Dr. Heinrich Bolze, Lehrer am Friedrich-Wilhelm-Gymnasium, Heinrich Christian Ebeling, Superintendent und Pfarrer an der Cottbuser Oberkirche, und Professor Julius Gottheil, Maler und Grafiker, von dem mehrere Ansichten aus dem Branitzer Park stammen. Auch der Leibarzt des Fürsten, Sanitätsrat Dr. Ludwig Wilhelm Liersch, Cottbuser Arzt und Mitglied der Freimaurerloge "Zum Brunnen in der Wüste" verkehrte auch privat bei Pückler, ebenso wie der Kommerzienrat und Fabrikbesitzer Johann Gustav Krüger und eine ganze Reihe weiterer Cottbuser Zeitgenossen des Fürsten.