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| 13:19 Uhr

Hohe Arbeitsbelastung im CTK
„Viele Mitarbeiter sind frustriert“

Überarbeitet und frustriert sind auch Krankenschwestern in Lausitzer Krankenhäusern. Foto: fotolia
Überarbeitet und frustriert sind auch Krankenschwestern in Lausitzer Krankenhäusern. Foto: fotolia FOTO: Syda Productions/Fotolia / Syda Productions/fotolia
Cottbus. Personalnot im Krankenhaus gefährdet die Patientenversorgung. Eine Pflegekraft spricht über die Situation im Carl-Thiem-Klinikum

Personalnot im Krankenhaus gefährdet die Patientenversorgung und sorgt bei Krankenschwestern und Pflegern immer wieder für Frustration. Das ist nach Einschätzung der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi deutschlandweit ein Problem. Auch im Carl-Thiem-Klinikum Cottbus haben kürzlich am Verdi-Aktionstag Klinikmitarbeiter gegen Arbeitsüberlastung protestiert. Die RUNDSCHAU hat mit einer Pflegekraft gesprochen, die ihren Namen aber nicht in der Zeitung lesen will.

Wie würden Sie die  derzeitige Situation in CTK schildern?

Viele Mitarbeiter sind frustriert. Das zieht sich durch das gesamte Krankenhaus.  Die Arbeitsmoral ist schlecht. Aber das liegt nicht am Personalmangel an sich, sondern an der knappen Planung. Die führt dazu, dass die Stellen geradeso besetzt sind. Schon wenn jemand in Urlaub geht oder krank wird, führt das zu Schwierigkeiten.

Wie hat sich das entwickelt?

Tendenziell hat sich die Lage verschlechtert. In meinem Bereich sind Stellen gekürzt worden. Das Arbeitspensum hat aber eher noch zugenommen. Dadurch bauen sich massiv Überstunden auf. Einige Mitarbeiter haben bis zu hundert Überstunden.

Wie muss man sich die Planung vorstellen?

Damit der Dienstplan freigegeben werden kann, genügt es, dass eine Vollkraft je Schicht für jede Station und damit für bis zu 33 meist schwerkranke Patienten zur Verfügung steht. Die ist sowohl für die medizinische Versorgung verantwortlich, also für Infusionen, Injektionen, Tablettengabe, Blutdruck- und Temperaturmessung sowie weitere Diagnostik, als auch für die Pflege, also fürs Waschen, Ankleiden, Essenreichen. Außerdem sollen Schwestern und Pfleger den Patienten Sicherheit geben und die Menschenwürde wahren.

Das kann nicht funktionieren?

Deswegen sind bei uns im Haus bereits mehrere Überlastungsanzeigen geschrieben worden. Im Gespräch hören die Mitarbeiter dann: Das wird beim nächsten Mal anders. Oder es war eine besondere Situation. Aber weiterreichende Konsequenzen sind kaum spürbar.

Das CTK hat gerade in jüngster Zeit mit Millionen-Investionen Schlagzeilen gemacht.

Es gibt neue Bauten, neue Wäscheautomaten und Umkleidekabinen. Gleichzeitig wird am Personal gespart. Die knappe Besetzung führt oftmals dazu, dass Pflegekräfte kurzfristig auf anderen Stationen einspringen müssen, wo sie die Patienten nicht kennen. Getauscht wird auch zwischen Normal- und Intensivbereich. Die Mitarbeiter fühlen sich von der Leitung nicht wirklich gehört und getragen. Es gibt immer mehr Dauerkranke, was auf zu hohen Arbeitsdruck schließen lässt.

Ist die Situation bei den Ärzten besser?

Nicht wirklich. Viele verlassen das Haus. Sogar Chefärzte kündigen. Der Personalmangel wird über Einzelverträge, die über eine kurze Zeit laufen, nur abgemildert.

Was hat eigentlich Ihre Entscheidung bestimmt, in die Krankenpflege zu gehen?

Bei mir war es vor allem ein großes Interesse an der Medizin. Dazu kam ein guter Schuss Nächstenliebe. Es fühlt sich gut an, wenn man Menschen helfen kann, gut durch den Klinikaufenthalt zu kommen. Aber leider muss ich dabei viel zu oft Abstriche machen. In meinen Augen ist die Versorgung der Patienten gefährdet.

Das Gespräch führte Ulrike Elsner