ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 16:36 Uhr

Cottbus
Cottbusverkehr setzt auf Wasserstoff

In solch einer Druckelektrolyseanlage wird Wasserstoff hergestellt.
In solch einer Druckelektrolyseanlage wird Wasserstoff hergestellt. FOTO: Bernd Settnik
Cottbus. In Darmstadt, Köln und München sind sie schon unterwegs: Busse mit Wasserstoffantrieb. Darin sieht Ralf Thalmann auch die Zukunft für Cottbusverkehr. Der Geschäftsführer des städtischen Verkehrsbetriebs erklärt: „Für den Nutzfahrzeugsektor ist der Wasserstoffantrieb aus unserer Sicht viel praktikabler als der Elektro-Antrieb.“ Das liege insbesondere an den Batterien, die durch ihr schieres Gewicht die Effizienz der Nutzfahrzeuge deutlich schmälern. Cottbusverkehr hat im Jahr 2015 erstmals Testfahrten mit einem E-Bus unternommen. Eine Woche lang war ein reiner Elektrobus als Linienfahrzeug unterwegs. Die beiden Batterien des Bus-Modells brachten stattliche zwei Tonnen auf die Waage. Sie waren auf dem Dach des Fahrzeugs montiert. Von Peggy Kompalla

Nach den Erfahrungen der Testfahrten im Jahr 2015 und nochmals im Jahr 2016 richtet Cottbusverkehr deshalb seine Aufmerksamkeit nun auf den Wasserstoffantrieb. Mit der Brandenburgisch Technischen Universität Cottbus-Senftenberg hat der Verkehrsbetrieb zudem ein Ass im Ärmel. „Denn mit dem Wasserstoff-Forschungszentrum haben wir sogar einen Hersteller in Cottbus, der uns genügend Antriebsstoffe für die Busse liefern kann“, erklärt Ralf Thalmann. Das Forschungszentrum ist im Jahr 2012 eröffnet worden. Dort wird seither an der Optimierung der Wasserstoffherstellung mittels Windenergie geforscht.

Doch auch für solch eine ideale Zusammenarbeit von Forschung und Praxis vor Ort ist zusätzliches Geld nötig. Allein wegen der deutlich höheren Anschaffungskosten. Ein konventioneller Dieselbus kostet rund 260 000 Euro. Ein Brennstoffzellenbus schlägt dagegen mit mehr als einer Million Euro zu Buche. „Wir sind auf der Suche nach Fördermöglichkeiten“, sagt der Geschäftsführer. Von dem mit einer Milliarde Euro propper ausgestatteten Förderprogramm aus dem Dieselgipfel bekommt Cottbus leider keinen Cent ab. „Beim Studium der Förderrichtlinie stellte sich heraus, dass dahinter bereits 60 Städte hinterlegt sind“, erklärt Ralf Thalmann. „Cottbus gehört nicht dazu.“ Dagegen profitieren unter anderem Aachen, Dresden, Leipzig, Halle (Saale), Hannover und Stuttgart. Allesamt Städte, die mit erhöhten Stickoxid- und Feinstaubwerten kämpfen. Thalmann konstatiert: „Cottbus hat in der Beziehung seine Hausaufgaben gemacht. Und hat das Nachsehen.“

Luftverschmutzung, Lärm und Klimawandel erhöhen den Handlungsdruck auf den Verkehrssektor. Dem öffentlichen Nahverkehr kommt dabei eine Schlüsselfunktion zu. Das hat auch der Deutsche Städtetag in einem Positionspapier formuliert. Demnach sind die Städte bereit zur Umstellung ihrer Fahrzeugflotten auf schadstoffarme und klimafreundliche Antriebe, benötigen dafür aber finanzielle Unterstützung durch Umrüstungsprogramme.