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Cottbusverkehr setzt auf Langläufer

Cottbus. Cottbusverkehr braucht neue Straßenbahnen. Weil das Fördergeld aus Potsdam ausbleibt, legt das städtische Unternehmen nun selbst Hand an. In den Schmellwitzer Werkstätten wird derzeit die erste Bahn komplett zerlegt und runderneuert. Im Frühjahr soll der erste Langläufer auf die Schiene gehen. Von Peggy Kompalla

Der Name ist Programm: Denn die Langläufer sollen noch mindestens 16 Jahre durchhalten – also zwei Hauptinspektionen überstehen. Das ist eine Art TÜV für Bahnen, der alle acht Jahre ansteht. Durch die Super-Restauration wird die Lebensdauer der Fahrzeuge also deutlich verlängert. Nach bisherigen Plänen soll es insgesamt 15 Langläufer geben.

Dabei greift Cottbusverkehr Geschäftsführer Jörg Reincke zufolge auf Erfahrungen anderer Verkehrsbetriebe zurück. „Gebrauchtfahrzeuge bergen die Gefahr, dass der höhere Instandhaltungsaufwand die geringeren Anschaffungskosten auffrisst.“ Deshalb setzt Cottbusverkehr auf die Komplett-Umrüstung der eigenen Fahrzeuge. Davon haben auch die Kunden etwas, versichert Reincke.

Das bedeutet aber nicht, dass das Unternehmen auf Neuanschaffungen verzichten kann. „Wenn die Förderung ausbleibt – wie es derzeit aussieht – werden wir in diesem Jahrzehnt nur einen Teil der Flotte ersetzen“, erklärt er. Ohne Förderung kämen demnach bis Ende 2020 fünf neue Straßenbahnen nach Cottbus, mit Förderung würde sich die Zahl verdoppeln.

Die Rundum-Erneuerung kostet rund 25 000 Euro mehr pro Bahn als eine normale Instandhaltung. „Aber durch die längere Laufzeit wird das wieder aufgewogen. Und letztendlich durch die verlängerte Abschreibung sogar Geld eingespart“, erklärt der Geschäftsführer.

Der erste Langläufer ist gerade ein weißes Skelett. Von der Bahn wird sprichwörtlich jede Schraube ausgebaut, gesäubert, aufgearbeitet oder ausgetauscht. Auf diese Weise wird mit jedem Einzelteil verfahren. Es geht aber noch viel weiter: So ist das Gehäuse bereits komplett mit einem Sandstrahler von alter Farbe befreit worden und erhält innen wie außen eine neue Lackierung. Darüber hinaus wird das Fahrzeug modernisiert: Alte Stolperfallen im Boden verschwinden, haltbarere Materialen kommen zum Einsatz, durch einfachen Umbau wird mehr Platz und modernes Ambiente geschaffen.

Die Langläufer werden den Passagieren auffallen. Denn es gibt ein komplett neues Design, verrät Jörg Reincke. Kristall-blau werden Boden und Sitzkästen, die Sitze selbst rot. Außen bleibt die Bahn dezent. „Das alte Rot ist in puncto Werbung eher hinderlich“, erklärt der Geschäftsführer. „Deshalb haben wir uns für weiß entschieden.“

Alle Langläufer werden in diesem Design und mit diesem Aufwand umgerüstet.

Zum Thema:

Cottbusverkehr hat derzeit eigenen Angaben zufolge 21 Straßenbahnen im Bestand. Im Durchschnitt ist die Flotte 24,5 Jahre alt. Nach bisherigen Plänen sollen in den nächsten Jahren 15 Bahnen zu Langläufern umgerüstet werden. Damit wird ihre Lebensdauer um 16 Jahre verlängert.Eine neue Straßenbahn kostet rund 2,5 Millionen Euro pro Stück.

Nachher: Lehrling Peter Seewald beim Verlegen der neuen Kabel. Darüber kommt die neue, ganz glatte Fußbodenplatte.
Nachher: Lehrling Peter Seewald beim Verlegen der neuen Kabel. Darüber kommt die neue, ganz glatte Fußbodenplatte. FOTO: Cottbusverkehr
Ein Kollege vom Verkehrsunternehmen in Gera leistet in Cottbus Amtshilfe beim Sandstrahlen. Künftig wollen die Cottbuser das selbst machen und schaffen dafür auch neue Technik an.
Ein Kollege vom Verkehrsunternehmen in Gera leistet in Cottbus Amtshilfe beim Sandstrahlen. Künftig wollen die Cottbuser das selbst machen und schaffen dafür auch neue Technik an. FOTO: Cottbusverkehr
Straßenbahn-Skelett: Das frisch sandgestrahlte Gehäuse vor der neuen Lackierung.
Straßenbahn-Skelett: Das frisch sandgestrahlte Gehäuse vor der neuen Lackierung. FOTO: Kompalla