ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 17:05 Uhr

Festtage bei subtropischen Temperaturen
Weihnachten bei 35 Grad im Schatten

Die Wollmütze muss Lisa Becker erst im Februar wieder auspacken. Dann geht es zurück in den Cottbuser Winter.
Die Wollmütze muss Lisa Becker erst im Februar wieder auspacken. Dann geht es zurück in den Cottbuser Winter. FOTO: zvg
Cottbus. Die Cottbuser Schauspielerin Lisa Becker begeht das Fest auf dem Kreuzfahrtschiff im Orient.

Viele haben sie noch von der TheaterNative-C-Bühne in guter Erinnerung. Lisa Becker begeisterte als  Jane in „Rache ist  süß“ und als Helene in „Mordssonntag“.  Seit Oktober arbeitet die junge Schauspielerin auf „Mein Schiff 5“ für Tui Cruises und befindet sich nach einer Suez-Kanal-Passage im Orient. Aus dem Hafen von Abu Dhabi hat sich die Cottbuserin in der RUNDSCHAU-Redaktion gemeldet.

„Bei 35 Grad im Schatten kann eigentlich keine richtige Weihnachtsstimmung aufkommen“, gesteht Lisa Becker. Dennoch ist das nahende Fest auf dem Schiff präsent. „Alles ist weihnachtlich geschmückt, und wir proben gerade Weihnachtsshows“, sagt die Cottbuserin, die sich schon darauf freut, zu Weihnachten den „Kleinen Prinzen“ lesen zu dürfen. Weihnachten in der Ferne zu feiern, ist wohl für niemanden leicht. „Aber hier an Bord habe ich wunderbare Menschen kennengelernt“, schwärmt Lisa Becker. Traurig mache sie jedoch, dass sie die Feiertage nicht mit ihrer Mutter verbringen kann. „Aber wir haben regen Kontakt und schicken Bilder hin und her. Dadurch sind wir doch beieinander.“

Langeweile kann bei den Unterhaltungskünstlern an Bord nicht aufkommen. An besonders stressigen Tagen wirkt die junge Schauspielerin in der abendlichen großen  Show mit und hat zusätzlich ein Solo auf der kleineren Studio-Bühne zu absolvieren. Hinzu kommen Meetings und Proben. Dennoch bleibt an den Hafentagen Zeit, von Bord zu gehen und Land und Leute kennenzulernen. „Das ist ein riesiges Privileg“, schwärmt die Cottbuserin. Sie genieße es sehr,  auf einer Bühne zu stehen, „die mit dem neuesten Schrei der Technik ausgestattet ist und sich in alle möglichen Richtungen heben und bewegen kann“ – vor 1000 Zuschauerplätzen. Am meisten ist Lisa Becker jedoch auf der kleinen Studio-Bühne präsent – mit ihrem Solo „Nachtschattengewächs“ oder verschiedenen Lesungen.

Hat das Leben  auf einem Kreuzfahrtschiff  auch Schattenseiten? Lisa Becker fallen keine ein. Zwar befürchtete sie anfangs, seekrank zu werden oder Platzangst zu kriegen. Aber das hat sich rasch als unbegründet erwiesen. Auch der Respekt vor dem Riesenschiff hat sich inzwischen relativiert. „Als wir in Palma mit dem Bus um die Ecke bogen und da stand plötzlich dieser übergroße Dampfer, ist nicht nur mir das Herz in die Hose gerutscht“, erinnert sich die Cottbuserin. Ihre Kollegin Anna habe ihr zugeflüstert: „Lisa, machen wir das wirklich?“ Worauf Lisa Becker entgegnet hat: „Ich glaube, jetzt müssen wir.“ Und das bedeutete, einzutauchen in eine andere Welt. Mit Trainingsstunden, Proben, dem Kümmern um die Uniform und der verzweifelten Frage: „Wo war jetzt nochmal meine Kabine?“ Oder:  „Wo kann ich essen?“

Vor der somalischen Küste bestand beispielsweise eine erhöhte Gefahr durch Piraten. „Es gab für mehrere Tage kein Licht auf den Außendecks und ständig zugezogene Gardinen“, erinnert sich die Cottbuserin. „Wir wurden aber bestmöglich darauf vorbereitet und hatten auch eine Spezialeinheit aus England an Bord, die im Ernstfall Schutz geboten hätte. Der Kapitän hat aber ordentlich Gas gegeben, und so sind wir auch aus dieser Gefahrenzone ohne Schaden herausgekommen.“

Lisa Becker hatte nach eigenem Bekunden von der Welt vorher nicht viel gesehen. Jetzt ist sie „unfassbar dankbar“, all das erleben zu dürfen. Aber, so bekennt sie: „Es gehört ein Stück Mut dazu, allein in die Welt hinauszugehen. Und ich habe wirklich vor allem Möglichen Angst gehabt. Aber ich merke, wie ich diese Ängste hier Stück für Stück verliere. Ich tue manches, was ich vorher aus Angst niemals getan hätte. Ich wachse und blühe auf. Ich sehe und erlebe Dinge, die unheimlich wertvoll sind, schaffe Erinnerungen, die mir keiner mehr nehmen kann, von denen mir für immer  eine Ernte verbleibt. Die letzten zwei Monate waren die bisher besten meines Lebens. Und es gibt einen Moment an Bord, der besonders ist und auch nach zwei  Monaten nicht an Bedeutung verloren hat: das Auslaufen, begleitet von der Hymne „Oh große Freiheit, ich hab mich nach dir gesehnt, du hast dich in mein Herz geträumt, es ist schön dich wiederzusehen.“

((ue))