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| 10:47 Uhr

Kriminalität in Cottbus
Dieb verplappert sich am Handy

 Lisa Marie Erb mit ihrem wieder aufgefundenen Fahrrad, das ihr hier am Fahrradständer beim Sandower Bahnhof gestohlen wurde.
Lisa Marie Erb mit ihrem wieder aufgefundenen Fahrrad, das ihr hier am Fahrradständer beim Sandower Bahnhof gestohlen wurde. FOTO: LR / Nils Ohl
Cottbus. So viel Glück ist selten: Eine Studentin aus Cottbus bekommt ihr gestohlenes Fahrrad zurück. Geholfen hat dabei ein polnischer Zugbegleiter. Von Nils Ohl

Lisa Marie Erb zeigt auf den Fahrradstand am Bahnhof Sandow: „Genau hier wurde das Rad geklaut.“ Dass die Studentin ihr Zweirad wieder in den Händen halten kann, verdankt sie einem polnischen Zugbegleiter der Odeg.

Doch von vorn: Die junge Cottbuserin studiert in Berlin und fährt meist mit dem Zug dorthin. Vom Haus ihrer Eltern zum Bahnhof nimmt sie regelmäßig das Fahrrad. „Mein Rad ist schon echt alt, ein echtes ,Bahnhofsfahrrad’. Aber davon wurde der Sattel geklaut, der noch das Beste daran war“, sagt Lisa Marie Erb. Als sonntags wieder die Tour nach Berlin bevorstand, borgte sie sich daher das deutlich modernere Fahrrad ihrer Mutter, stellte es angeschlossen am Radständer des Bahnhofs ab und fuhr in die Hauptstadt.

Polizei wird informiert

Währenddessen weckte das Rad das Interesse eines Mannes aus Polen. Er stahl es und setze sich damit in den Odeg-Zug Richtung Forst. Er muss sich dabei sehr sicher gefühlt haben, denn er teilte noch im Zug einem Bekannten den Erfolg seines Raubzuges per Handy mit – in seiner polnischen Muttersprache. Pech für ihn, dass der Zugbegleiter der Odeg ebenfalls aus Polen stammte und das Telefonat mithörte. Dank der Initiative des Zugbegleiters wurde die Polizei informiert, die das Rad in Forst sicherstellte.

Nun stand diese allerdings vor dem Problem, den rechtmäßigen Besitzer herauszufinden. Kein Mitglied der Familie  Erb wusste ja zu diesem Zeitpunkt, dass das Rad gestohlen war. Folglich gab es keine Anzeige und keinen Vermerk im Fahndungssystem der Polizei. Zudem war das Fahrrad nicht codiert.

Aufkleber mit QR-Code half

Aber hier half ein Aufkleber, wonach das Rad bei Fahrrad-Schenker in Cottbus gekauft worden war. Über den QR-Code der Werkstatt konnte Katrin Erb, die Mutter der Studentin, als Käuferin des Fahrrads ermittelt werden. „Plötzlich hat sich die Polizei bei meinen Eltern gemeldet. Wir waren völlig überrascht, denn wir hatten von all dem noch gar nichts gewusst“, erinnert sich Liesa Marie Erb. Und spricht im Namen der ganzen Familie ein großes Dankeschön an den polnischen Zugbegleiter aus.

Dessen Namen kann die Odeg aus Datenschutzgründen nicht nennen. Doch Marketingleiterin Dietmute Graf erklärt, dass alle Service-Mitarbeiter der Odeg eine Grundausbildung erfahren, bei der sie auch im Umgang mit kritischen Situationen geschult werden.

Triebwagenführer entscheidet in kritischen Situationen

„Wenn dem Service-Mitarbeiter etwas auffällt, geht sofort eine Information an den Triebwagenführer“, so Graf. Der entscheidet dann, ob er im schlimmsten Fall die Fahrt abbricht oder andere Sicherheitsmaßnahmen ergreift. Zudem informiert der Triebwagenführer die Odeg-Leitstelle. „Dort wird alles erfasst, ob gefährliche Ereignisse oder Störungen am Fahrzeug, mit Zugnummer und Streckenabschnitt“, sagt die Marketingleiterin. Und bei Bedarf werde von da aus auch  die Polizei informiert.

Wie das mit der QR-Code funktioniert, beschreibt Patrick Münch,  Werkstattleiter bei Fahrrad-Schenker, so: „Das ist BiD, der spezielle Bicycle-ID-Code. Den stellt der ZEG, der Verbund der Fahrrad-Fachhändler, auf Nachfrage zur Verfügung. Wir kleben ihn auf alle verkauften Räder.“ Wobei der Code nicht vorrangig der Diebstahlsicherung dient, sondern zum Managen der Wartungs- und Servicedaten. Die Daten gehen nur bei berechtigter Nachfrage an die Polizei.

Besondere Merkmale wichtig

Wie Polizeisprecherin Ines Gnerlich sagt, sei es wichtig, bei der Anzeige eines Diebstahls besondere Merkmale des Fahrrads zu beschreiben, wie Kratzer oder abweichende Farben. „Wir kontrollieren zwar die Rahmennummern, aber die sind oft schon ausgeschliffen.“ Deshalb sei eine extra Fahrradcodierung auf jeden Fall zu empfehlen.