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| 10:28 Uhr

Diesmal kam kein Retter
Cottbuserin (80) verliert ihre Ersparnisse an Telefonbetrüger

FOTO: dpa / Sebastian Gollnow
Cottbus. Die Enkeltrickbetrüger haben wieder zugeschlagen. Anders als vor wenigen Tagen kam diesmal kein Retter in letzter Minute. Eine Cottbuser Rentnerin hat all ihre Ersparnisse verloren. Von Bodo Baumert

Es geschah am selben Tag, in der selbsten Stadt: Einmal ging die Geschichte gut aus, einmal nicht. Telefonbetrüger haben Ende vergangener Woche mal wieder die Lausitz unsicher gemacht und reihenweise vermeintliche Rentner in Cottbus angerufen. Mindestens zwei Mal waren sie mit ihren Lügenmärchen erfolgreich. Doch während eines der Betrugsopfer auf dem Weg zur Bank an einen aufmerksamen Taxifahrer geriet, der ihr mit Hilfe der Polizei die Augen öffnete, erwischte es eine 80-Jährige böse. Ihr erschien kein rettender Helfer.

Angeblich war er der Mann der Enkeltochter

Die Rentnerin fiel auf einen Anrufer herein. „Der Unbekannte fragte sie nach allen Namen aus der Verwandtschaft aus und als man bei dem des Mannes ihrer Enkeltochter angelangt war, kannte man sich plötzlich“, schildert Polizeisprecher Torsten Wendt den Fall. Der vermeintliche Verwandte begann, sein Lügenmärchen zu entfalten. In Dresden sei er in einen Unfall verwickelt worden. Jetzt drohe er, seinen Führerschein zu verlieren, wenn er nicht umgehend die von einem Gutachter geforderte Summe bezahlen könne.

Die gutgläubige Rentnerin fiel darauf herein und wollte helfen. Sie fuhr zur Bank und hob einen hohen Geldbetrag ab. Der Anrufer hatte ihr vorher gesagt, sie solle bei Nachfragen in der Bank angeben, dass es für ein Geschenk an die Enkeltochter sei. Für die Geldübergabe nannte der Anrufer dann drei verschiedene Orte. Doch noch immer roch die 80-Jährige den Braten nicht.

Sie gab das Geld an einen Unbekannten, der kein Wort sprach

An einem der verabredeten Orte gab sie das Geld dann an einen ihr völlig unbekannten Mann, der kein Worte sagte, – und ging nach Hause.

Erst Tage später, als sie mit Verwandten sprach, ging der 80-Jährigen langsam auf, dass sie Opfer eines Betruges geworden war. Am späten Mittwochabend meldeten sie sich dann bei der Polizei. Ihre Ersparnisse sind erst einmal weg.

Polizei sucht unbekannten Geldboten

Die Polizei hat derweil die Ermittlungen aufgenommen. Gesucht wird unter anderem nach dem Mann von der Geldübergabe. Die 80-Jährige beschrieb den Geldboten als etwa 165 Zentimeter großen Mann mit südländischem Aussehen, der eine Schiebermütze trug.

Täter schlagen immer wieder zu

Wie so viele Opfer vor ihr, wäre die Dame damit der Trickbetrüger-Mafia auf den Leim gegangen, die immer wieder mit Anrufen in der Lausitz auf Opferfang geht. Mal geben sich die Betrüger als Enkel, als Polizisten oder Staatsanwälte aus. Ein andermal versprechen sie hohe Gewinne und drohen mit Strafen aufgrund nicht bezahlter Schulden. „Die Geschichten sind immer wieder neu, der Ablauf und die Absicht dahinter aber immer die gleiche“, erläutert Wolfgang Noatschk, Leiter des zuständigen Sachbereichs Betrug bei der Kriminalpolizei in Südbrandenburg.

Die Chance, solche Verbrechen aufzuklären sind gering. Die Täter wissen, wie sie ihre Telefonnummern verändenr können. Als Geldboten diesen oft Strohmänner oder andere Opfer der Betrüger.

Für die Abzocker ist das Geschäft lukrativ. Erst Ende Januar wurde in Hamburg ein Täter verurteilt, der als Kopf einer solchen Bande gilt. Der 30-Jährige hatte sich mit den Telefonanrufen ein Luxusleben in Polen finanziert – mit „Ferrari und Designerkleidung“, wie der Richter in der Urteilsverkündigung bemerkte.

Telefonbetrüger sind sehr geschickt

Meist sind die Angerufenen so clever, nicht auf diese Maschen hereinzufallen. Die Gangster sind aber so geschickt, dass sie immer wieder auch Erfolg haben. Dann braucht es Menschen, die die Opfer aus ihrer isolierten Lage, aus ihrer Angst befreien.

Mehr zum Thema Betrug und zu den Tricks der Täter lesen Sie online in unserem Special.

So verhalten Sie sich richtig am Telefon

Seien Sie misstrauisch, wenn sich jemand am Telefon nicht selbst mit Namen vorstellt.

Legen Sie einfach den Telefonhörer auf, sobald Ihr Gesprächspartner Geld fordert.

Vergewissern Sie sich, ob der Anrufer wirklich ein Verwandter ist.

Geben Sie keine Details preis zu Ihren familiären oder finanziellen Verhältnissen.


Übergeben Sie niemals Geld an unbekannte Personen.

Informieren Sie sofort die Polizei über den Notruf 110, wenn Ihnen ein Anruf verdächtig vorkommt.


Wenn Sie Opfer geworden sind: Wenden Sie sich an die Polizei und erstatten Sie Anzeige.