An jedem ersten Donnerstag im Monat, 10 Uhr, treffen sie sich im Rathaus. "Wer möchte, liest sein frisch Geschriebenes vor und stellt es zur Diskussion", sagt Zeitzeugin Haide Wolfram. Neue Mitstreiter sind dabei immer willkommen. Denn die derzeit zwölf Mitglieder der Gruppe sind vor allem eines: aufgeschlossen für die Sorgen und Freuden der anderen.

"Die Erinnerung an Vieles, was wir erlebt haben, droht zu verschwinden", klagt Ursula Hübner (74). Dagegen will die Gruppe angehen. Deshalb liest sie auch in Seniorenbegegnungsstätten und vor Schulklassen oder veröffentlicht Texte in Broschüren.

Alljährlicher Höhepunkt ist die Lesung in der Seniorenwoche, die diesmal am 16. Juni, 18 Uhr, in der Cottbuser Buchhandlung Hugendubel stattfindet. "Unter dem Motto ,Der Mensch lebt nicht von Brot allein' lesen die Zeitzeugen gemeinsam mit den schreibenden Frauen der Gruppe Wortfenster und jungen Autoren der Literaturwerkstatt P12 in der Lila Villa, ist von der Leiterin der Arbeitsgemeinschaft Irina Lehmann zu erfahren. Sie ist mit 59 Jahren das derzeit jüngste Mitglied. Die Älteste, Hilda Wernicke, feiert in diesen Tagen ihren 90. Geburtstag. "Sehr gern lesen wir in den Schulen, um Geschichte erlebbar zu machen und die Resonanz auf unsere Erlebnisberichte zu spüren", sagt Haide Wolfram. Besonders intensiv ist die Zusammenarbeit mit dem Leichhardt- und Steenbeck-Gymnasium sowie mit der Fontane-Gesamtschule.

Landesweit gibt es nur noch eine weitere Schreibgruppe dieser Art in Potsdam. Die hat vor Kurzem eine Anthologie herausgebracht. So etwas hätten die Cottbuser Autoren auch gern. Was aber die Qualität der Texte angeht, müssen sie den Vergleich nicht scheuen. "Wir sind poetischer. Wir stellen die Situationen besser dar", stellt Erika Vogel fest, die über den Schreibwettbewerb "Querbeet" zu den Zeitzeugen gekommen ist.

Fiktives komme in den Texten nicht vor, betont Haide Wolfram. Es handle sich ausschließlich um "Erlebnisberichte, die den Zeitgeist widerspiegeln und aus dem sich die Jüngeren etwas für ihr Leben entnehmen können".

So sind es auch immer wieder die traumatischen Erlebnisse des Zweiten Weltkrieges, die sich die Senioren von der Seele schreiben. Wie Eseilenna Not, die am Mittwoch, 17. Februar, 14 Uhr, im Literaturcafé der Volkssolidarität aus ihrem Büchlein "Ein ostdeutsches Kriegskind erzählt" liest. Was solche Texte für andere so interessant macht? Erika Vogel: "Es handelt sich um das, was wir selber erlebt haben und deshalb ganz genau wissen. "