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| 01:04 Uhr

Cottbuser zeigt Stadt wegen Körperverletzung an

Wegen des Verdachts der fahrlässigen Körperverletzung hat ein Cottbuser Strafanzeige gegen die Stadtverwaltung erstattet. Eckhard Kaleschke aus Sachsendorf erklärt, sein einjähriger Sohn sei gegen eine defekte Bank gelaufen und habe sich daraufhin im Gesicht verletzt. „An der Bank fehlte eine Leiste, woraufhin der Junge auf das frei stehende Winkeleisen fiel. Nun leidet er nachts unter Schreikrämpfen.“ Von René Wappler

Zwei Monate liegt der Vorfall an der Gelsenkirchener Allee zurück. Doch wenn Eckhard Kaleschke darüber spricht, zeigt er sich so wütend, als wäre es eben erst passiert. Als sei sein Sohn eben erst gegen die Bank gestolpert, als hätte ihn der Vater vor wenigen Minuten ins Krankenhaus gebracht, als sei die Wunde neben dem Auge noch frisch. „Seit drei oder vier Jahren stand die Bank so kaputt in der Gegend herum. Nie kam jemand auf die Idee, sie wegzuräumen. Aber kurz nach dem Unfall war sie einfach verschwunden – so schnell, dass selbst der ermittelnde Polizeibeamte keine Spuren mehr sichern konnte. Zum Glück habe ich die Bank rechtzeitig noch selbst fotografiert, ebenso wie die Verletzungen meines Kindes.“ Tatsächlich bestätigt der Pressesprecher der Cottbuser Polizei, Berndt Fleischer: „Unser Kollege fand die Bank nicht mehr, nachdem der Mann die Anzeige erstattet hatte. Das Grünflächenamt der Stadtverwaltung teilte uns daraufhin mit, es habe die Bank vorsorglich entfernt.“ Eine zuständige Mitarbeiterin des Grünflächenamtes werde in den nächsten Tagen von der Polizei vorgeladen.
Zurückhaltend äußert sich derzeit der Pressesprecher der Cottbuser Stadtverwaltung, Peter Lewandrowski. „Zur Schuldfrage ermitteln im Moment Polizei und Staatsanwaltschaft. Ich weiß zumindest von einem Schreiben der Polizei an unsere Behörde, das mitteilt, die fehlende Banklatte könnte zur Verletzung des Kindes beigetragen haben.“ Die Kommune habe einer Firma den Auftrag erteilt, sich der kaputten Bänke in der Stadt anzunehmen. „Diese Firma überprüft, wo solche Schäden vorliegen.“ Nach Informationen des Grünflächenamtes begann die Kontrolle der Bänke vor zwei Monaten, etwa zur gleichen Zeit, als sich der Unfall an der Gelsenkirchener Allee ereignete.
Nur ein zufälliges Zusammentreffen beider Termine? Eckhard Kaleschke schüttelt den Kopf. „Mich stinkt an, dass die Kommune erklärt, sie hätte die Bankreparaturen von sich aus eingeleitet. Dabei ist das blanker Aktionismus. Ohne den Unfall unseres Sohnes würden die ganzen defekten Bänke auch in Zukunft noch in der Stadt herumstehen.“ Kaleschke hat inzwischen einen Rechtsanwalt eingeschaltet, der sich um den Fall kümmern soll. „Wie es aussieht, hat unser Kind nach dem Unfall und einem dreitägigen Krankenhausaufenthalt psychologische Behandlung nötig. Das belastet doch die ganze Familie.“