Der Angeklagte David K. versteht nicht, warum er immer an Frauen gerate, die nicht treu sind. Diese Frauen haben ihm zwei Töchter geschenkt. Die Mädchen sind inzwischen sieben und acht Jahre alt, und sie sollen während der Verhandlung vorm Cottbuser Landgericht möglichst geschont werden. Am 8. Januar 2010, als David K. sie auf dem Weg vom Kinderzimmer ins Bad nackt fotografierte und filmte, waren sie vier und fünf Jahre. Und die ebenfalls vierjährige Tochter seiner damaligen Lebensgefährtin lief mit im "Gänsemarsch".

Seit Sommer 2012 war der Verhandlungsbeginn immer wieder verschoben worden. Und der vorsitzende Richter, der diese Verhandlung der dritten Strafkammer zuerst leiten sollte und den Angeklagten bereits vernommen habe, ist erkrankt. Die Besetzung sei somit vorschriftswidrig, der Angeklagte sehe sich nicht seinen gesetzlichen Richtern gegenüber, klagt der Anwalt von David K. und fordert mindestens eine Rüge. Doch der vorsitzende Richter Christian Eicke kann das als unbegründet zurückweisen. Er sei der gesetzliche Vertreter.

David K. ist sehr gut vorbereitet. Er will zum Vorwurf des schweren sexuellen Missbrauchs an Kindern aussagen. Mithilfe alter gespeicherter Handy-Nachrichten kann er sich nicht nur gut erinnern, was zu welcher Uhrzeit am 8. und 9. Januar geschah. Auch die Vorgeschichte erzählt er den Richtern, der Staatsanwaltschaft, den Schöffen, emotional bewegten Verwandten und Bekannten der Kinder und Frauen ausführlich. Er vermutet einen Komplott seiner drei Ex-Partnerinnen gegen ihn. "Ich muss mich einer Tat beschuldigen lassen, die ich nicht begangen habe", erklärt er.

Der Mutter seiner ersten Tochter wollte er 2004 lange nicht glauben, dass er der Erzeuger des Mädchens sein soll. "Von Bekannten hatte ich erfahren, dass sie nicht die Treuste sei", sagt K. Noch vor der Geburt trennten sich die beiden. Ein Test bestätigte später die Vaterschaft. Daraufhin versuchte er, eine Verbindung zu dem Kind aufzubauen und sah es nun regelmäßig. Das Mädchen sei "mutterfixiert" und habe an den Wochenenden bei ihm immer wieder nach dem Hasen geweint, den es zu Hause vergessen hatte. David K. bestreitet, dass das Mädchen erst ab Januar 2010 nicht mehr bei ihm schlafen wollte. "Das war schon immer so", sagt er.

Mit der Mutter seiner zweiten Tochter war er verheiratet, aber auch sie habe ihn betrogen. Als sie einem neuen Partner nach Westdeutschland folgte, wuchs seine zweite Tochter ab 2007 bei ihm auf. Im Kindergarten lernte David K. dann Ende 2009 die Mutter der Freundin seiner Tochter kennen. Dieser Frau erzählte er auf einem Spaziergang, dass er als Kind sexuell missbraucht worden sei. Weihnachten 2009 verlief dann sehr familiär - mit seinen beiden Töchtern, seiner neuen Freundin, ihrer Tochter und ihren Eltern. Im Februar bekamen sie die Schlüssel für ein gemeinsames Haus. Doch ein Blumenstrauß ein paar Tage zuvor habe ihn wieder misstrauisch werden lassen. Und dann die Nachrichten auf ihrem Handy. Die junge Frau zog im April mit ihrer Tochter wieder aus dem Haus aus. Im August 2010 wurde David K. wegen Verdachts des Kindesmissbrauchs verhaftet.

Zu den Beweismitteln gehören Fotos und ein Video, die David K. mit der neuen Kamera seiner Lebenspartnerin von den Mädchen am 8. Januar 2010 gemacht hatte. Während die Freundin das Abendessen zubereitete, sollten die drei Kinder schnell baden. Als er sie nackt an der Heizung "wie die Orgelpfeifen" stehen sah, so schildert er, habe er die Kamera geholt, mehrere Fotos geschossen und ein Video gedreht, als sie vom Kinderzimmer ins Bad liefen. "Sie lachen sogar auf den Bildern", sagt David K. Weder seiner Freundin, noch seiner Mutter, der er die Bilder am nächsten Tag zeigte, gefiel das. Löschen wollte er sie nicht, das seien doch nur Familienfotos.

Seit der Verhaftung halte er sich an den Rat, keinen persönlichen. Kontakt zu den Mädchen zu suchen. Nur ihnen Geschenke zu schicken, lasse er sich nicht nehmen. Er sei unschuldig. Der Staat und die Ex-Frauen hätten nicht nur sein Leben, sondern auch das Leben seiner Töchter verbaut und sie den Großeltern genommen. Am nächsten Verhandlungstag, 25. Januar, stehen die aufgezeichneten Vernehmungen der Kinder im Mittelpunkt.