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| 02:47 Uhr

Cottbuser war nah dran an Luther

Der Reprint von Briesmanns Sendschrift an die Cottbuser (oben im Bild) ist in der Ständigen Ausstellung des Stadtmuseums zu sehen.
Der Reprint von Briesmanns Sendschrift an die Cottbuser (oben im Bild) ist in der Ständigen Ausstellung des Stadtmuseums zu sehen. FOTO: Elsner
Cottbus. Das Stadtmuseum widmet dem gebürtigen Cottbuser, Reformator und ersten in Wittenberg promovierten Lausitzer Johannes Briesmann eine Sonderausstellung. Die Eröffnung ist für den 8. November geplant. Ulrike Elsner

Für den Chef des Cottbuser Stadtmuseums Steffen Krestin gehört der deutsch-sorbische evangelische Theologe Johannes Briesmann zu den "ganz wichtigen Persönlichkeiten, die für den gesellschaftlichen Wandel in der Zeit der Reformation stehen". 1488 in Cottbus geboren, wird er zunächst Franziskanermönch, verlässt das Kloster in Cottbus aber bald, um an der Universität Frankfurt (Oder) und später in Wittenberg zu studieren. "Im Jahr 1519 wohnt Briesmann der Disputation zwischen Martin Luther und dem katholischen Theologen Johannes Eck in Leipzig bei", berichtet Steffen Krestin. Im Jahr 1521 wird er als Dr. der Gottesgelahrtheit in Wittenberg aufgeführt. "Briesmann war der erste promovierte Lausitzer in Wittenberg", stellt der Cottbuser Museumschef fest.

1522 gehört Johannes Briesmann zum Lehrkörper der Wittenberger Universität, wird aber noch im gleichen Jahr ausgewiesen und kehrt daraufhin in seine Heimatstadt Cottbus zurück, um dort lutherisch zu predigen. Wie haben die Cottbuser auf diese Predigt reagiert? "Es gibt keinen Bericht darüber", sagt Steffen Krestin. Genauso wenig ist bekannt, ob das Abendmahl bereits in beiderlei Gestalt (Brot und Wein) ausgereicht wurde. Was aber überliefert wurde, ist Briesmanns Schrift "Unterricht und Ermahnung Doct. Johannis Briesmanns Barfüßer Ordens an die christliche Gemeinde zu Cottbus", das der Reformator 1522 in Wittenberg drucken ließ.

Der Nachdruck eines Reprints von 1939 aus dem Fundus der Kreisbibliothek Regensburg soll als Publikation des Cottbuser Stadtmuseums im Juni erscheinen und innerhalb des Bücherfrühlings vorgestellt werden. Außerdem plant das Stadtmuseum in Zusammenarbeit mit dem Wendischen Museum eine Sonderausstellung zur Reformation und ihren Auswirkungen auf die Stadt Cottbus und die Niederlausitz. Gefördert über das Kulturland Brandenburg, soll sie am 8. November in den Sonderausstellungsräumen des Museums eröffnet werden.

"Wir suchen dafür nach Objekten zur Religionsgeschichte, die vielleicht noch in Cottbuser Familien schlummern", sagt Steffen Krestin. Das können Bibeln sein oder andere kirchliche Literatur, aber auch Zeitdokumente, Fotos, Gemälde oder Beschreibungen historischer Ereignisse. Im Stadtarchiv ist zu Briesmanns Cottbuser Jahren kaum etwas vorhanden, weil das Kloster im Jahr 1537 aufgelöst wurde und damit vieles verloren gegangen ist.

Es war übrigens Martin Luther persönlich, der Johannes Briesmann im Jahr 1523 dem Hochmeister des Deutschen Ordens, Albrecht I. von Brandenburg-Ansbach, als Prediger am Dom in Königsberg empfohlen hat. Am 27. September 1523 hielt er dort seine erste Predigt und hat in den darauffolgenden Jahren entscheidend dazu beigetragen, der Reformation in Preußen zum Durchbruch zu verhelfen.

Die mit Luthers Thesenanschlag eingeleitete Reformation gehört zu den einschneidenden Ereignissen der europäischen Geschichte. Zwar hat es schon davor Auseinandersetzungen um die Rolle der Kirche gegeben. Dass gerade Luther und seine Anhänger so erfolgreich waren, macht der Historiker an den besonderen Umständen im Deutschland dieser Zeit fest: "Voraussetzung war die revolutionäre technische Erfindung des Buchdrucks", so Krestin. Hinzu kamen die Zerrissenheit des Landes, die Fremdbeherrschung durch den weit entfernten Kaiser und der Ablass, der Geld für Rom brachte, der wirtschaftlichen Entwicklung im Land aber fehlte. Und Luther hat die entscheidende Frage gestellt: Ist das richtig?