ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 02:34 Uhr

Cottbuser Wappentier kommt vors Stadthaus

Horst Ring mit einem Foto des Entwurfs der Krebs-Plastik.
Horst Ring mit einem Foto des Entwurfs der Krebs-Plastik. FOTO: Elsner
Cottbus. Der Cottbuser Künstler Horst Ring setzt Zeichen in der Stadt. In den nächsten Wochen soll vor dem neuen Stadthaus in der Bahnhofstraße die neueste Plastik des 73-Jährigen aufgestellt werden. Ulrike Elsner

Eine repräsentativere Stelle für den 3,50 Meter hohen Krebs aus Edelstahl ist kaum vorstellbar. Für den gebürtigen Salzwedler, der sich nach dem Studium an der Dresdner Hochschule für bildende Künste im Jahr 1968 in Cottbus niedergelassen hat, dürfte das eine späte Genugtuung sein. Denn nach der Wende sind zahlreiche seiner Werke, die bis dahin identitätsstiftend für die Cottbuser waren, der Abrissbirne zum Opfer gefallen. Neben dem Spinnenbrunnen in der Stadtpromenade, einem Hauptwerk, sind allein vier große Wandbilder von Horst Ring auf diese Weise verschwunden, darunter ein Krebs-Mosaik am Stadtring.

"Die Gestaltung der Stadt war in den 70er- und 80er-Jahren eine der Hauptaufgaben der Cottbuser Künstler", sagt Ring. "Wenn dann der Bagger darüber fährt, schmerzt das."

Das Cottbuser Wappentier hat den Künstler immer wieder beschäftigt. "Mein Krebs ist der einzige, der Beine hat", sagt Ring und spielt damit auf die beinlosen Schalentiere an, die im Cottbuser Jubiläumsjahr gesichtet wurden. Außerdem laufen Krebse entgegen mancher Vorurteile vorwärts und manchmal seitwärts, aber nie rückwärts. Bei der neuen Plastik handelt es sich um eine größere Version des Wappentiers, das ursprünglich in vierfacher Ausfertigung den Stadtbrunnen zieren sollte. Doch diese Arbeit wurde nie ausgeführt.

Neben Plastiken entstehen in Rings Atelier vor allem Malerei und Grafik. "Wenn jemand sagt ,ich male auch', antworte ich: Ich male immer", erzählt er schmunzelnd. Das Resultat sind drei Zeichnungen pro Tag. Köpfe und Gesichter kehren als Motiv immer wieder - stets im quadratischen Format und häufig in geometrischer Abstraktion.

Aber auch Landschaften inspirieren den Cottbuser, der immer wieder große Reisen unternimmt. In diesem Sommer war er zwischen San Francisco und Las Vegas unterwegs. "Was mich daran vor allem gereizt hat, sind nicht die Städte, sondern die Landschaften", sagt Ring. "Mein Kopf ist voll davon, und ich male eifrig daran."