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| 15:46 Uhr

Kultureller Höhepunkt
Walzernacht: Gastwirteam Altmarkt bleiben skeptisch

Ganz in Weiß soll der Cottbuser Altmarkt zur Walzernacht am 29. Juni erleuchten. Im Vorfeld gibt es allerdings Misstöne.
Ganz in Weiß soll der Cottbuser Altmarkt zur Walzernacht am 29. Juni erleuchten. Im Vorfeld gibt es allerdings Misstöne. FOTO: Staatstheater / Staatstheater Cottbus
Cottbus. Um teilhaben zu können, müssen Restaurants und Bars zahlen. Nicht jeder will mitmachen. Von Daniel Schauff

„Ganz in Weiß“ sang einst Roy Black und brachte damit die Herzen seiner Fans zum Schmelzen. „Ganz in Weiß“ soll Ende Juni auch der Altmarkt in Cottbus die Herzen der Flanierenden zum Schmelzen bringen. Das Staatstheater bringt den Walzer mitten ins Herz der Altstadt, zum ersten Mal. Tänzer, Orchester, Sänger werden für einen hochkulturellen Rahmen sorgen, die Gastronomen, so die Idee, sollen mit für das Ambiente sorgen, ihre Tische, Stühle, Schirme für einen Abend komplett in Weiß gestalten.

Auf der Internationalen Tourismus-Börse (ITB) in Berlin sei das Potenzial des Walzernacht-Konzepts von Experten hoch eingeschätzt worden, sagt Bernd Seidel, Marketing-Leiter der Brandenburgischen Kulturstiftung Cottbus-Frankfurt (Oder), zu der das Staatstheater gehört. Es soll nicht bei der einen Nacht in diesem Jahr bleiben – langfristig, so Seidel, hoffe die Kulturstiftung auf einen echten Gewinn für alle Beteiligten, einschließlich der Gastronomen am Altmarkt.

Deren Herzen allerdings lässt die Walzernacht nur bedingt höher schlagen. Anja Braun, Chefin in der Labyrinth-Bierbar, wird am 29. Juni keine Tische und Stühle auf den Altmarkt stellen. Der Grund: das Geld. Zehn Euro kostet es für die Gastronomen pro Stuhl, wenn sie ihre Außengastronomie zur Walzernacht betreiben wollen. Dazu kommt das Geld, das für die Dekorationsvorgaben fällig wird. Weiße Tischdecken, weiße Stuhlhussen, weiße Kerzen, weiße Kleidung fürs Personal – all das müsste Anja Braun entweder kaufen oder leihen.

Deshalb war für sie ziemlich schnell klar: Das wird sich nicht lohnen. Die Walzernacht wäre ein Minusgeschäft für sie und ihre Bar. Stattdessen verzichtet sie auf die Einnahmen an einem Sommerabend am Freitag auf dem Altmarkt – einem Tag, sagt sie, an dem die Gastronomie am besten läuft.

Das Mosquito wird zur Walzernacht seine Außengastronomie betreiben – wird alles weiß halten, wie gewünscht. Mit einer Investition von mindestens 2500 Euro rechnet Mosquito-Chef Marco Doil. Das will refinanziert werden. Eine Platzreservierung im Mosquito kostet am 29. Juni 50 Euro, inbegriffen ist ein 25-Euro-Gutschein fürs Restaurant.

Marco Doil erklärt: An normalen Freitagabenden würden seine Tische zwei- oder dreimal neu besetzt. Damit kann das Mosquito-Team zwei- oder dreimal neu auftischen und entsprechend Umsatz machen. Zur Walzernacht, schätzt Doil, werden die Gäste einen ganzen Abend sitzen bleiben. „Es geht mir nicht um die Sache an sich“, sagt der Geschäftsführer. Die Idee der Walzernacht finde er gut. Ihn störe allerdings, dass die Altmarkt-Gastronomen sich nicht einbringen konnten.

Man hoffe selbstverständlich, dass die Gewerbetreibenden am Altmarkt an diesem Tag und Abend gute Geschäfte machen, sagt Bernd Seidel und erläutert: Für die Veranstaltung habe die Stiftung für den 29. Juni die Nutzung des Altmarkts zugesprochen bekommen – ähnlich wie beim Stadtfest oder beim Weihnachtsmarkt. Gleichzeitig habe man den Gastronomen die Möglichkeit geben wollen, trotzdem ihre Außengastronomie im gewohnten Umfang nutzen zu können und sich entschieden, dafür eine Gebühr von zehn Euro pro Stuhl zu erheben. Eine Nutzungsgebühr müssten auch die Fremdgastronomen auf dem Altmarkt am Walzernacht-Abend zahlen. Die sollen sich um die Flanierenden kümmern, sagt Seidel.

Der Skepsis der Gastronomen ist sich die Kulturstiftung bewusst, hofft trotzdem auf eine künftig gute Zusammenarbeit. „Mich würde es freuen, wenn nach der ersten – hoffentlich sehr erfolgreichen – Veranstaltung alle Skeptiker gewonnen wären“, sagt Bernd Seidel. Ziel der Veranstaltung sei es schließlich, regional und überregional auszustrahlen, die Attraktivität der ganzen Region zu erhöhen und mit einem kulturellen Höhepunkt neue Gäste für die Stadt zu gewinnen.