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| 14:29 Uhr

Cottbuser Verbraucherschutz warnt vor Inseltour

Tropical Island
Tropical Island FOTO: PR (LAS)
Cottbus. Die Cottbuser Verbraucherzentrale warnt vor einer neuen Abzockmasche. Einfache Kaffeefahrten werden dabei als Ausflüge zu Attraktionen angepriesen. So soll am kommenden Dienstag eine Bustour zu Tropical Islands starten. „Bloß nicht einsteigen“, rät Wolfgang Baumgarten von der Beratungsstelle. Von Sven Hering

Das Einladungsschreiben flatterte dieser Tage ausgewählten Cottbusern in den Briefkasten. 100 Gäste seien ausgelost worden, um den neuen Tropical Islands Park zu besuchen, heißt es darin. Doch es gibt Hinweise, dass die Fahrt nach Krausnick nicht Hauptanliegen der Tour ist. So wird ein "leckeres Frühstück" im Infocenter angekündigt. Wo sich dieses Center befindet - keine Angaben. Ein Außendienstmitarbeiter werde in einer "kurzweiligen Promotionshow" den Tagesablauf vorstellen. Nach einem "reichhaltigen Mittagessen" begebe sich die Gesellschaft nach Brand. "Ich glaube, die Gruppe wird nie den Freizeitpark besichtigen - vielleicht von Außen", so Baumgarten.

Tropical Islands distanziert sich von diesem Angebot. "Wir prüfen, ob wir rechtlich gegen die Firma vorgehen können", sagt Unternehmenssprecher Patrick Kastner. Der Kaffeefahrtenanbieter verwendet das Logo des Freizeitparks. Für Wolfgang Baumgarten passt dieses Beispiel in einen aktuellen Trend: Die schnöden Kaffeefahrten werden neuerdings als Erlebnistouren verkauft, um damit mehr Leute anzulocken. "Leider fallen immer noch Menschen auf die Abzocke rein", sagt Wolfgang Baumgarten.

Erst kürzlich hatte er in seiner Sprechstunde einen besonders dramatischen Fall. Ein Ehepaar, beide 80 Jahre alt, hatte sich auf einer Kaffeefahrt Waren für 3000 Euro aufschwatzen lassen. Acht große Pakete wurden geliefert - randvoll mit wertlosem Krempel. "Darunter war ein kleiner LCD-Fernseher, der sah aus, als wäre er schon 17-mal ausgepackt worden", sagt Baumgarten. Außerdem hatten die Rentner Besteck, Nahrungsergänzungspillen oder Uhren geordert "Das ganze Zeug war vielleicht 300 Euro wert", sagt Wolfgang Baumgarten. Mit viel Glück sei es ihm gelungen, den Kauf rückgängig zu machen. Doch nicht immer kommen die Betroffenen so glimpflich aus der Kaffeefahrtfalle heraus. Wer sein 14-tägiges Widerrufsrecht verstreichen lässt, der hat keine Chance mehr auf Rückabwicklung, sagt Baumgarten. Und manch einer sei sogar unbelehrbar. So hatte Baumgarten zum Jahresbeginn einen Mann an seinem Tisch zu sitzen, der eine vierstellige Summe bei einer Kaffeefahrt ausgegeben hatte. Nur drei Monate später bat der Mann erneut um Unterstützung. Wieder war er auf die vollmundigen Versprechungen eines Verkäufers hereingefallen.

Wenn am kommenden Dienstag der Bus über Dahme, Luckau, Golßen, Schönwalde, Lübben, Kolkwitz und Cottbus die erwartungsvollen Reisegäste einsammelt, hofft Wolfgang Baumgarten auf viele freie Plätze. Allein ihm fehlt daran der Glaube. "Der Vergleich ist drastisch, aber zutreffend: Wieder werden wohl ein paar Schafe zur Schlachtbank geführt", sagt der Berater.