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Cottbuser Tram droht das Aus

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Cottbus. Der Cottbuser Straßenbahn droht das Aus: Ein Gutachten weist in vier Szenarien nach, dass die Stadt Millionen Euro einsparen könnte, würde sie die Trams durch Busse ersetzen. „Und das bei einer gleichbleibenden oder sogar verbesserten Taktung“, sagt Gutachter Lutz Richter von der Dresdner Firma PTV Planen, Transport, Verkehr. Von Jürgen Becker



In diesem Jahr wird die Stadt voraussichtlich 6,4 Millionen Euro in den öffentlichen Nahverkehr pumpen müssen. Immer weniger Bürger steigen in Bus oder Bahn: Cottbusverkehr hat in den vergangenen vier Jahren einen Fahrgastrückgang um 17 Prozent verkraften müssen (die RUNDSCHAU berichtete).

Bis zum Jahr 2020 werden es den Prognosen der Stadt zufolge weitere 16 Prozent weniger sein. Der Grund: Trotz aller Bemühungen, den Trend aufzuhalten oder sogar umzukehren, wird sich nach Experten-Schätzungen bis dato die Anzahl der Cottbuser auf rund 87 000 Einwohner verringert haben. „Ändern wir nichts, hätte das zur Folge, dass wir bei Cottbusverkehr im Jahr 2020 sogar 8,2 Millionen Euro zuschießen müssten“, sagt Oberbürgermeister Frank Szymanski (SPD). „Wir können aber diesem Unternehmen nicht weiter wie bisher scheibchenweise aufgrund der Haushaltssituation die Mittel kürzen und zugleich erwarten, dass die Qualität dieselbe bleibt.“ Weitere Einsparungen könne Cottbusverkehr nicht aufffangen. „Also haben wir ein Gutachten in Auftrag gegeben, das Wege aufzeigt, wie wir mit weniger Geld ein qualitativ zumindest gleichbleibendes Nahverkehrsangebot aufrechterhalten können.“ Das Ergebnis der Studie: Die Trams auszurangieren und durch Busse zu ersetzen, kommt für die Stadt am günstigsten. Selbst wenn sie bis zum Jahr 2020 eine Tram-Linie durch Busse ersetzen würde. käme sie das nach PTV-Berechnungen eine Million Euro teurer als bisher. Beim Austausch zweier Straßenbahnlinien durch Busse würde sie indes eine halbe Million Euro sparen. Nach Einschätzung des Gutachters wäre bei diesem Szenario der öffentliche Nahverkehr in Cottbus zwar weiterhin gut. „Bei vollständigem Ersatz aller Tram-Linien durch Busse wäre sie aber sehr gut“, so Gutachter Lutz Richter. „Weil Busse Spielräume bei der Taktung eröffnen.“ Zugleich senke die Stadt im Vergleich zu heute den Zuschussbedarf sogar um 2,23 Millionen Euro im Jahr. Am Dienstagabend haben die Stadtverordneten den Oberbürgermeister legitimiert, auszuloten, ob das Land auf Fördergeldrückzahlungen verzichten würde, wenn die Straßenbahn abgeschafft würde. „Das ist keine vorweggenommene Entscheidung, sondern das sind nur Vorgespräche", sagt Szymanski.