„Rundfunkmechaniker war wirklich mein Traumberuf“, sagt Dieter Merz (78), der ursprünglich aus Thüringen stammt. Die Liebe hatte ihn nach Cottbus verschlagen. Hier hat er zuerst als Techniker bei einem Rundfunkreparaturbetrieb gearbeitet.

„Ich hatte damals schon den Wunsch, mich selbstständig zu machen“, sagt Dieter Merz. Doch das war zu DDR-Zeiten gar nicht so einfach. Unter anderem brauchte er die Genehmigung seines Betriebes.

Erste eigene Werkstatt von Fernseh-Merz in Groß Gaglow

Diese erhielt er schließlich und eröffnete 1979 auf seinem Wohngrundstück in Groß Gaglow eine Werkstatt. Die Meisterausbildung holte er in Staßfurt nach. „Wir waren eine tolle Truppe und treffen uns auch heute noch jedes Jahr bei einem anderen Kollegen und freuen uns jedes Mal wie verrückt auf ein Wiedersehen“, erzählt er.

Wenn seine ehemaligen Berufskollegen nach Cottbus kommen, steht meist eine Spreewaldkahnfahrt auf dem Programm.

1970 absolvierte Dieter Merz den ersten „Farblehrgang“. Color 20 hieß der erste Farbfernseher, den die DDR auf den Markt brachte. „Er war technisch gar nicht mal so schlecht“, sagt Dieter Merz rückblickend. Da „Buntfernseher“ teuer und Mangelware waren und auch nicht alle Techniker über die nötige Qualifikation verfügten, war Dieter Merz im gesamten Bezirk Cottbus unterwegs, um Geräte zu reparieren. „Damals waren die Geräte viel reparaturfreundlicher und mussten ja auch viel länger halten“, weiß der Fernsehtechniker.

Merz richtet Antennen für den Westempfang aus

Seine Kenntnisse waren nicht nur bei der Reparatur gefragt, sondern auch bei der genauen Ausrichtung der Fernsehantennen auf dem Dach. „Es war gar nicht so einfach, den richtigen Westempfang hinzubekommen. Aber selbst überzeugte Genossen in Uniform wollten Westsender empfangen“, erinnert sich Dieter Merz.

Dabei war es am Anfang nicht möglich, das Westprogramm in Farbe zu sehen. Der Osten hatte sich für das SECAM-System entschieden, der Westen nutzte das PAL-System. „Es gab die Möglichkeit zu tricksen, dazu brauchte man einen PAL-Decoder“, sagt der Fachmann. Arbeit gab es damals mehr als genug für ihn.

Der Fernseher war für die meisten Familien eine Art Heiligtum. Und so ist Dieter Merz auch  nach Feierabend oder sogar am Heiligabend zu seinen Kunden gefahren, um Fernsehgeräte zu reparieren. Die waren ihm dafür sehr dankbar.

Warteschlangen vor dem Geschäft nach der Wende

Die Zeit kurz nach der Wende bezeichnet er als den „blanken Wahnsinn“. Da er schon immer geschäftstüchtig war und schnell Kontakte zu Berufskollegen im Westen geknüpft hat, konnte er sofort anfangen, auch Fernseher zu verkaufen. „Die Menschen standen in Dreier-Reihen hundert Meter lang vor meinem Geschäft“, erinnert er sich. Schon kurz darauf eröffnete er ein größeres Geschäft in dem Hochhaus in der Thiemstraße, dann im Lausitz Park, in der Zuschka und schließlich in der Stadtpromenade. Dort befand sich schon früher das einzige Rundfunk- und Fernsehgeschäft in Cottbus.

Nach und nach hat  Dieter Merz die Geschäfte abgegeben. In der Werkstatt in den hinteren Räumen des Ladens an der Stadtpromenade, in dem sich jetzt ein Stoffgeschäft befindet, hat er seit 2004 immer noch Fernsehgeräte repariert. „Wir waren es gewohnt, die Fehler zu suchen. Heute bekommt man kaum noch Einzelteile, sodass ganze Module ausgewechselt werden müssen. Dadurch wird eine Reparatur sehr teuer und lohnt sich oft gar nicht mehr“, bedauert Dieter Merz.

Merz fällt der Abschied nach 58 Jahren schwer

Ende des vorigen Jahres hat er die Werkstatttür für immer abgeschlossen. „Das ist mir sehr, sehr schwer gefallen“, gesteht der 78-Jährige, der immer noch aktiv sein möchte. Als langjähriger Fußball-Fan hat er nicht nur alle Höhen und Tiefen von Energie Cottbus mitgemacht, sondern auch die technische Einrichtung der Fernsehanlage des Vereins vorgenommen und sie regelmäßig gewartet. Seine Geräte auf der Pressetribüne tun auch nach knapp 20 Jahren noch ihren Dienst.

Die Wartung der Anlage und der Geräte will er auch noch weiterhin übernehmen. „Vermutlich würde sich damit auch kein anderer zurechtfinden“, sagt er schmunzelnd.

Für sein Engagement und seine langjährige Tätigkeit im Handwerk durfte sich Dieter Merz im vorigen Jahr in die Ehrenchronik der Stadt Cottbus eintragen. „Diese Anerkennung hat mich sehr stolz gemacht“, sagt er.

Jetzt will Dieter Merz den Alltag etwas ruhiger angehen. Er ist glücklich, dass er nach dem Tod seiner Frau vor acht Jahren noch einmal ein neues Glück mit seiner Lebenspartnerin Bärbel Seide gefunden hat. „Wir gehen durch dick und dünn“, sagt er strahlend. Der schönste Start in den Tag ist für ihn ein ausgiebiges Frühstück mit seiner Partnerin.

Von der Welt hat er schon einiges gesehen, sodass große Auslandsreisen nicht auf seiner Vorhabenliste stehen. „Es gibt in Deutschland viele schöne Ecken, und ich habe auch manchmal Sehnsucht nach meiner Heimat Thüringen“, sagt Dieter Merz.

Außerdem fühlt er sich auf seinem Grundstück in Groß Gaglow sehr wohl. Um fit zu bleiben, ist er jede Woche auf dem Tennisplatz anzutreffen. Langweilig wird es ihm auf jeden Fall nicht werden.