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| 20:30 Uhr

Bald keine Elefanten mehr im Cottbuser Tierpark?
Tierpark braucht Millionen

Nicht mehr zeitgemäß: Das Elefantenhaus im Cottbuser Tierpark (hier bei der Einweihung im Jahr 2002) braucht dringend eine Investition.
Nicht mehr zeitgemäß: Das Elefantenhaus im Cottbuser Tierpark (hier bei der Einweihung im Jahr 2002) braucht dringend eine Investition. FOTO: Jürgen Kaffka
Cottbus. Sanierungs- und Investitionsstau aus Jahrzehnten bedroht die Attraktivität der Einrichtung. Direktor Jens Kämmerling legt Zehn-Jahres-Plan vor. Von Peggy Kompalla

Der Cottbuser Tierpark ist beliebter denn je. Das belegen allein die Besucherzahlen. Im vergangenen Jahr kamen 156 000 Menschen in den Park. Das sind 26 000 mehr als vor 15 Jahren. Direktor Dr. Jens Kämmerling kann sich noch deutlich mehr vorstellen: „Es ist realistisch, dass wir in den nächsten zehn Jahren auf 250 000 Besucher im Jahr kommen.“ Doch das sei nicht ohne Investitionen möglich. Denn die beliebte Freizeit-Attraktion schiebt seit Jahrzehnten einen Sanierungs- und Investitionsstau vor sich her. Der Chef warnt: „Das betrifft relevante Bestandsanlagen und Infrastruktur. Wenn wir dafür keine Lösung finden, dann wird das zum strategischen Problem.“ Deshalb stellt der Direktor dem Bildungsausschuss seinen Zehn-Jahres-Plan vor. Er umfasst Projekte in einem Umfang von 14.3 Millionen Euro.

Echte Sorgen bereitet dem Tierpark die größte Attraktion überhaupt – die Elefanten. Das Haus ist für die beiden Damen „gerade noch geeignet“, wie es Kämmerling formuliert. „Die Haltungssituation ist im Winter schwierig. Es ist kein Platz für neue Tiere.“ Damit sei eine Eingewöhnung unmöglich. Denn die neue Halterverordnung schreibe für Elefanten einen Platz von mindestens 330 Quadratmetern pro Tier vor. Eine Erweiterung um 500 bis 600 Quadratmeter der Anlage würde mit rund 1,5 Millionen Euro zubuche schlagen. Auch in Anbetracht des Alters der Damen – sie sind mittlerweile 50 und 51 Jahre alt – sei in nächster Zeit eine Entscheidung nötig.

Entweder die Stadt investiert in das Elefantenhaus. Dann könnten dort neue Tiere einziehen. Oder die Anlage bleibt wie sie ist. Dann wird es nach dem Tod von Karla und Sundali im Cottbuser Tierpark definitiv keine Elefanten mehr geben. „Eine Option wäre die Haltung von Panzernashörnern“, sagt Jens Kämmerling. Er betont, dass der Tierpark eine Großtierart brauche, um mit der Konkurrenz mithalten zu können. Auch bei den Pinguinen steht mittlerweile die Frage: „Entweder wir investieren oder wir haben in nächster Zukunft keine Pinguine mehr in Cottbus.“

In anderen Bereichen sei die Lage zwar nicht so dramatisch, aber nichtsdestotrotz Modernisierungen bitter notwendig. Das betreffe etwa die Teich- und Vogelwelt. „Das ist ein zentraler Teil unseres zoologischen Profils“, betont der Chef. Das Stelzvogelhaus benötige eine Rekonstruktion, genauso wie mehrere Gebäude für die Aufzucht, die Volieren und das Sittichhaus. Die Teiche selbst müssten entschlammt und die Ufer saniert werden.

Die Investitionsliste ist lang und umfasst alle Teile des Tierparks – vom dritten Bauabschnitt für das Raubtierhaus, über die Kamelanlage hin zum Gibbonhaus oder Afrika-Anlage. Jens Kämmerling wünscht sich außerdem, künftig Wölfe zu zeigen.

Damit nicht genug: Für die Modernisierung der Infrastruktur – sprich: Wasser, Abwasser, Elektro, Wege – rechnet der Tierpark mit Ausgaben von rund 851 000 Euro. Für den Wirtschaftshof wären demnach nochmals 845 000 Euro nötig. Dort bedürfen Heizhaus, Werkstatt, Trockenfutterspeicher, Pumpenhaus, Quarantäne-Station und Wege einer dringenden Erneuerung. Das sind die reinen funktionalen Bereiche.

Zur Attraktivität eines Tierpark gehört aber noch mehr. Deshalb sind nach Ansicht von Direktor Kämmerling für die Besucher weitere rund 1,3 Millionen Euro nötig. Zu den Projekten für die nächsten zehn Jahre zählen demnach ein Erlebnisspielplatz, der Kinderzoo, eine neue Kasse, ein zweites Besucher-WC und eine Neuordnung des Parkplatzes.

„Wir verstehen uns als Teil der Pücklerschen Parklandschaft“, ergänzt der Chef. Mit Blick auf das unübersehbare Grün ergänzt er: „Wir brauchen kurzfristig einen Gärtner.“ Diese Arbeit sei mit dem Personalstamm kaum noch zu stemmen.

Angesichts der Fülle des Zehn-Jahres-Planes betont Kämmerling: „Wir sind noch ganz am Anfang der Diskussion.“ Er vergleiche seinen Tierpark gern mit dem in Schwerin. Beide Anlagen seien ähnlich, auch die Städte vergleichbar. „Schwerin stellt dem Zoo laut Perspektivplan in den nächsten acht Jahren 8,6 Millionen Euro zur Verfügung.“ Allerdings seien darin Tourismus- und Wirtschaftsfördergeld des Landes Mecklenburg-Vorpommern enthalten. „Wir können froh sein, dass Schwerin nicht 50 Kilometer von Cottbus entfernt liegt“, schiebt er nach.

Im Gegensatz zu Brandenburg habe das Bundesland im Norden erkannt, dass Tiergärten ein Wirtschaftsfaktor sind – sowohl für den Tourismus als auch die Lebensqualität. Kulturamtsleiter Bernd Warchold bestätigt: „Für den laufenden Betrieb haben sich die Ausgaben für den Tierpark stabil eingependelt. Die Crux in Cottbus ist allerdings, dass alle Investitionen an Fördergeld gebunden sind.“ Die seien für Tiergärten in Brandenburg rar gesät. „Es ist eine Dilemma: Im investiven Bereich werden wir als Stadt immer klamm bleiben, selbst bei einer Entschuldung.“ Aus seiner Sicht gibt es ein Projekt, das keine Aufschiebung erlaube – das Elefantenhaus. „Damit können wir nicht mehr warten. Wir müssen wenigstens mit der Planung beginnen, sonst bekommen wir mit der Haltung Probleme.“