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Cottbuser Südfriedhof wird 100 Jahre

Eingang zum Südfriedhof, Totensonntag 1928.
Eingang zum Südfriedhof, Totensonntag 1928. FOTO: Foto: Sammlung Petzold
In loser Folge berichtet der Heimatforscher Heinz Petzold in der RUNDSCHAU aus der Cottbuser Stadtgeschichte. Foto: Sammlung Petzold

Wenn in diesen Novembertagen Cottbuser den Südfriedhof aufsuchen, um vor dem Beginn des neuen Kirchenjahres die Gräber ihrer Angehörigen zu schmücken, ist nur wenigen bewusst, einen „100-jährigen Totenacker“ zu betreten.
Cottbus, das durch seine industrielle Entfaltung ab 1890 jährlich um etwa 1000 Einwohner anwuchs und damit die 40 000-Einwohnergröße überschritt, veränderte die Spremberger Vorstadt mit ihrem eher dörflichen Charakter zu einem bevorzugten Ansiedlungsgebiet.
Dem unter Leitung des Regierungsbaumeisters Richard Bachsmann stehende Stadtbauamt war dieser Fakt Veranlassung, eine neue Begräbnisstätte für die Bewohner südlich des „Spremberger Tores“ im ersten Stadtbebauungsplan von 1896 vorzusehen. Als Standort wurde der „öde Kiefernwald“ an der südlichen Stadtgrenze ausgewiesen, den die Madlower Bauern zum Sammeln von Einstreu nutzten.
Kaufverhandlungen mit dem Kommerzienrat Hemprich vom „Ottilienhof“ führten zum Erwerb von zirka 25 Morgen durch die Stadt. Als im September 1903 das Interesse von Cottbus, den nächsten Brandenburgischen Städtetag 1904 auszurichten, Zustimmung fand, wurde die Umsetzung des Stadtbebauungsplanes forciert. Dazu gehörte auch die Anlage des Südfriedhofes. Schon im Oktober 1903 lud Bachsmann Honoratioren „vor Ort“ , um ihre Chancen der Mitfinanzierung „auszuloten“ . Wenig später lieferten Ziegelbetreiber Backsteine zum Mauerbau und erhielten als Entgelt mehrere Parzellen zugesprochen. Vermögende erwarben sie später für Familiengrüfte. An dieser Art von Manipulation beteiligten sich auch Gärtnerei- und Schlossereibetreiber. Zum Totensonntag 1903 waren die Hauptwege erkennbar und die Nordmauer begonnen. Das Haupteingangstor von 12 Meter Länge war abgesteckt und die baulichen Entwürfe von diesem und der Kapelle wurden bei Bachsmann beraten. Wie sich das moderne Cottbus zum Städtetag zeigen wollte, nahm Gestalt mit der Friedhofs-Inbetriebnahme im Juni 1904 an. Die Fläche des nordwestlichen Teiles war planiert und bepflanzt. In der Nacht vom 25. zum 26. Juni 1904 überführten Pferdefuhrwerke die sterblichen Überreste mehrerer angesehener Familien aus ihren Erbbegräbnissen vor dem Spremberger Tor nach hier. Die Exhumierten fanden in noch heute erkennbaren Massengräbern ihre letzte Ruhe. Noch im gleichen Monat erfolgten die ersten beiden kirchlichen Beisetzungen.
Die Städtetagsteilnehmer im September 1904 durften die weitsichtige Politik Oberbürgermeister Werners, einen Friedhof in bewaldeter Umgebung anzulegen, loben. Die Weihepredigt konnten die Cottbuser erst danach, am 20. November 1904 erleben.