Flink verteilt die Kellnerin des Restaurants "Charlotte" - einst als Speise- und Bierrestaurant "Zur Molle" bekannt - Blumen auf den Terrassentischen. Ein netter Blickfang, wenn schon der Lärm vom Wegebau am neuen Stadthaus und der Bauzaun vorm 2. Bauabschnitt am Blechen-Carré die Besucher stören. Der Wegebau soll in einem Monat Geschichte sein. Aber wie lange der Bretterzaun noch den Blick verstellt, weiß keiner der Hochhaus-Bewohner und Geschäftsinhaber. Seit etwa vier Jahren steht er. Olaf und Anett Swirski ärgert der Zaun und die fehlende Beleuchtung. "Es wurde schon versucht, in unseren Laden einzubrechen", sagt Olaf Swirski.

Als sie 2011 den Mietvertrag für den Fashion- und Interior-Laden unterschrieben, wurden sie von der Gebäudewirtschaft Cottbus darauf hingewiesen, dass ab April 2012 vor der Ladenzeile gebaut werden soll. Für ein paar Monate eine Großbaustelle aushalten - und dann wird alles schön? Die Bauarbeiten begannen weder im Frühjahr, noch wird jetzt im Herbst losgelegt. Die Geschäftsleute vor Ort bezweifeln inzwischen sogar, dass der zweite Bauabschnitt jemals kommt.

Die Stadtverwaltung reagiert dagegen optimistisch. Christian Hollnick aus dem Fachbereich Stadtentwicklung: "Nach den Informationen, die uns vorliegen, gehen wir von einer Eröffnung des zweiten Abschnitts des Blechen-Carrés im Herbst 2014 aus. Die Bauarbeiten sollen im Frühjahr 2013 beginnen."

Dann, so Hollnick, werde auch der Gehweg saniert und die Beleuchtung errichtet. Der Bauherr des zweiten Bauabschnitts, die EKZ Stadtpromenade Cottbus GmbH, habe sich gegenüber der Stadt in einem Vertrag verpflichtet, die angrenzenden Flächen herzustellen und auszustatten. "Die Vereinbarung erstreckt sich auch auf den Abschnitt der Stadtpromenade. Die EKZ wird ihn in Abstimmung mit der Stadt gestalten und möblieren", so Christian Hollnick.

Dass der Weg wenigstens zur Hälfte in einem guten Zustand ist, dafür hatte die Gebäudewirtschaft (GWC) vor drei Jahren gesorgt. "Das passierte für den Umbau und die Erweiterung des Gewerbebereiches für die Drogeriekette Rossmann. Ohne diese Bauarbeiten wäre ein Wechsel der 42 Meter langen Schaufensteranlage für Rossmann nicht möglich gewesen. Die Kette hat damals ihre angemietete Fläche auf rund 600 Quadratmeter vergrößert und damit verdoppelt", erklärt Tom Schönherr, Pressesprecher der GWC. Aber tatsächlich endet das Eigentum der GWC an der Hauskante. Der Gehweg vor dem mit 333 Wohnungen größten Wohnhaus Brandenburgs und den Geschäften von insgesamt neun Gewerbetreibenden gehöre mit keinem Meter der GWC.

Es laufe hier einiges schief, vermutet Heinz Jermis, ein Rollstuhlfahrer aus dem Hochhaus. "Der Wegebau am Stadthaus ist uns nicht angekündigt worden. Die Absperrung kam von einem Tag auf den anderen. Wenn ich abends den Müll rausschaffe, ist das schon ein ganzes Stück Weg", sagt er. Aber schlimmer sei die eingezäunte Fläche für den Anbau am Blechen-Carré, auf der nichts passiert. "Als dort noch die Pavillons standen, haben wir die Ratten laufen sehen. Das ist zum Glück vorbei. Ich bin froh, dass ich im neunten Stock wohne. Da kann ich locker über die eingezäunte Fläche hinweggucken. So ein Schandfleck mitten in der Stadt ist ärgerlich", findet er.

Traurig, wenn aus dem zweiten Bauabschnitt nichts würde, scheint keiner in der Stadtpromenade. "Wir brauchen nicht noch mehr Boutiquen in Cottbus", sagt Frank Selka, der Inhaber der "Charlotte". "Es wäre besser, wenn meine Gäste auf eine große, schön gestaltete Grünfläche schauen könnten", sagt er. Wegen der schwierigen Situation vor seinem Restaurant hat die GWC ihm eine Mietminderung um 15 Prozent bewilligt. Die Swirskis möchten auch Grün. "Es ist schade, wenn zum Weihnachtsmarkt Parkplätze als Stellflächen für die Hütten und den Rummel gebraucht werden, hier wäre ein schöner Platz für einen Teil des Marktes. Die Parkplätze könnten Parkplätze bleiben", sagt Olaf Swirski.