| 12:07 Uhr

Energiewende
Weg von der Kohle, hin zum Gas

Noch bringen die Kohlezüge Nachschub für das alte Heizkraftwerk
Noch bringen die Kohlezüge Nachschub für das alte Heizkraftwerk FOTO: Sven Hering
Cottbus. Das alte Heizkraftwerk ist unwirtschaftlich. Ein 75-Millionen-Projekt soll Abhilfe schaffen.

Vlatko Knezevic ist um seinen Job derzeit nicht zu beneiden. Der Geschäftsführer der Cottbuser Stadtwerke hat ein Heizkraftwerk am Hals, dass von Jahr zu Jahr unwirtschaftlicher wird.  50 Millionen Euro an Krediten haben die Stadtwerke aktuell laufen, zum Teil noch für den Bau eben dieses Kraftwerks. Als  Ausweg aus dieser Misere muss Knezevic ein Projekt plausibel machen, dass weitere 75 Millionen Euro kostet. So viel Geld braucht es, das alte, braunkohlegetriebene Heizkraftwerk HKW abzuschalten und durch ein modernes Erdgasblockheizkraftwerk zu ersetzen. Warum sich dieses Vorhaben betriebswirtschaftlich rechnet, was die Umwelt davon hat und welche möglichen Risiken für die Cottbuser Fernwärmekunden eingehen, darüber debattierten Vlatko Knezevic, der Cottbuser Finanzbeigeordnete Markus Niggemann (CDU) und die Landtagsabgeordnete der Grünen, Heide Schinowski, mit Cottbuser Einwohnern.

„Wenn die Fördermöglichkeiten andere wären, hätten wir uns möglicherweise ganz anders entschieden“, sagt der Stadtwerkechef. So aber sei eine Umstellung von Braunkohle auf Gas das Sinnvollste. Momentan hat Cottbus im Winter Bedarfsspitzen von 190 Megawatt, im Sommer werden nur 25 Megawatt Fernwärme benötigt. Den Bedarf decken die Stadtwerke mit ihrem eigenen HKW (212 MW), mit Fernwärme aus Jänschwalde (100 MW) und mit zwei Spitzenlast-Gaskesseln (je 120 MW).

Vlatko Knesevic: „Das alte HKW  hat nur eingeschränkte Steuerungsmöglichkeiten, kann bei dem aktuellen Strompreisverfall nicht wirtschaftlich betrieben werden.“ Das neue Projekt – Gaskraftwerk plus Wärmespeicher – soll 75 Millionen Euro kosten, die zunächst zu 100 Prozent über Kredite finanziert werden. Geht das Kraftwerk, intern P 25 genannt, ans Netz, fließen über die Jahre 57,4 Millionen Euro an Subventionen an die Stadtwerke zurück.

Die Stadtwerke rechnen in dem kommenden Jahren mit einem leicht sinkenden Fernwärmebedarf (bessere Dämmungen, höhere Geräte-Effizienz). In ihren Rechenmodellen steigen die Gaspreise in den nächsten Jahren leicht an. Die Preise für die Verbraucher würden in der Folge ebenfalls moderat ansteigen. „Dennoch bleibt der Umstieg für uns bei allen Rechenmodellen betriebswirtschaftlich die sinnvollste Lösung“, so Markus Niggemann.

Auch in puncto Versorgungssicherheit gibt es nach der Umstellung aus heutiger Sicht keine Risiken. Markus Niggemann: „Die Verhandlungen mit der Leag laufen, wir wollen bis 2032 weiter 100 MW aus Jänschwalde beziehen.“ Das wäre auch dann möglich, wenn dort einer oder mehrere Blöcke abgeschaltet werden müssen. Perspektivisch kann das neue Heizkraftwerk auch mit Solarenergie, Power-to-Heat-Anlagen und Wärmepumpen gekoppelt werden.

Einen Haken allerdings gibt es bei dem Projekt: Damit die Fördermillionen fließen, muss das HKW spätestens zum 31. Dezember 2022 ans Netz gehen. „Was passiert, wenn Sie das nicht schaffen“, fragt Hans-Joachim Weißflog (Grüne). Das werde nicht geschehen, beruhigt Stadtwerke-Chef Knesevic. „Wir haben genügend Puffer in der Planung.“

Die Grünenpolitikerin Heide Schinowski begrüßt das Projekt. „Die Lausitzmetropole macht damit einen wichtigen Schritt nach vorn.“ Mit Blick auf die Landesregierung schiebt sie nach: „Leider hält man in Potsdam aus ideologischen Gründen immer noch an der Braunkohle fest“.

(hil)
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