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| 14:29 Uhr

Cottbus früher und heute
Von einer Wehr- zur Grünanlage

Diese Ansichtskarte stammt aus dem Jahr 1958 und zeigt die Cottbuser Stadtmauer mit der Bastei. Im Vordergrund ist eine kleine Grünanlage mit dem Krebsbrunnen von Joachim Scherzer zu sehen.
Diese Ansichtskarte stammt aus dem Jahr 1958 und zeigt die Cottbuser Stadtmauer mit der Bastei. Im Vordergrund ist eine kleine Grünanlage mit dem Krebsbrunnen von Joachim Scherzer zu sehen. FOTO: Liersch Dora und Heinrich / Hans Krause
Cottbus. Dora Liersch erzählt die Geschichte der Bastei in der Stadtmauer anhand einer Postkarte aus der Sammlung von Hans Krause. Von Dora Liersch

Diese Ansichtskarte stammt aus dem Jahr 1958 und wurde bei Rother, Werkstätten für Fototechnik in Bestensee bei Berlin, mit dem Vermerk „Echtes Foto Handabzug 3619“ hergestellt. Es zeigt ein Stück der alten Stadtmauer mit einer gut gepflegten öffentlichen Grünanlage sowie einen Brunnen mit Wasserspiel, das ich zugleich als Mittel- und Ruhepunkt erweist. Die Stadtmauer mit dem überdachten Basteiturm gibt es noch heute, allerdings sind Grünanlage und Brunnen verschwunden.

Doch zunächst zur Stadtmauer. Sie war im Laufe der Jahrhunderte sehr bröcklig geworden. Wenig sentimental hatten die Cottbuser nach 1865 die Mauer an mehreren Stellen zur Ziegelgewinnung abgetragen. Das Baumaterial wurde für den Hausbau verkauft. So entstanden einige Wiekhäuser. Dabei handelt es sich um eine Sonderform von Verteidigungsbauten.

Interessant ist, dass gerade in den 1930er-Jahren einerseits unter dem Motto „Stürzt das Alte“ aufgerufen wurde, Altbauten zu beseitigen. In Cottbus so geschehen in der Sandower Straße am Fuße des Schlossberges und auch an der früheren Gabelung der Pücklerstraße / Kaiser-Wilhelm-Platz – heute Franz-Mehring-Straße / Brandenburger Platz. Andererseits wurde aber die Stadtmauer zu großen Teilen völlig neu aufgebaut oder ausgebessert und teilsaniert. Das ist an dieser Stelle geschehen.

Mit dem Bau der neuen Polizeiwache, des Polizeigefängnisses, dem Polizeirevier und der Unfallhilfsstelle des Deutschen Roten Kreuzes in der Mauerstraße Mitte der 1930er-Jahre wurde die Stadtmauer auf diesem Teilstück restauriert. In dem Zuge erhielten die Basteien neue Bedachungen, wie auf der Postkarte zu sehen ist. Eine Bastei erhielt sogar einen spitzen Turm, der eigentlich nicht typisch für die Cottbuser Stadtmauer war.

Große Veränderungen folgten in den Jahren 1949 und 1950. Hier sei nochmals auf den Beitrag der Serie unter der Überschrift „Promenade am Spremberger Tor“ vom 15. Mai 2017 hingeweisen. In den Jahren wurde der Spremberger Wall eingeebnet. Nicht mehr verwendbarer Ziegelschutt von den Brandruinen aus der Spremberger Straße und der Sand des abgetragenen Walls wurde in den ehemaligen inneren Wallgraben und Richtung Berliner Platz verteilt. Die neu entstandenen Flächen wurden begrünt. Wohl wurde alter Baumbestand erhalten, aber es wurden in diesen Jahren auch viele Bäume und Sträucher neu gepflanzt, Flächen für Sommerblumenbepflanzung geschaffen und Gehwege angelegt.

In dem Zuge entstand auch der kleine Springbrunnen. Auf seinem Rand saßen ursprünglich vier Krebse. Damit erklärt sich auch der Name: Krebsbrunnen. Der Gartenbauingenieur Joachim Scherzer (1915 bis 1997) hatte die Anlage geplant, die den Namen Stalinpromenade erhielt. Später wurde sie in Stadtpromenade umbenannt. Oft legte er auch selbst mit Hand an, denn er war leidenschaftlicher Gärtner. Er hatte auch den Brunnen entworfen.

Das Wasserbecken war eigentlich ein Grundmodell, das mit verschiedenartigen Figuren und Wassereinläufen variiert werden konnte. Einige dieser Brunnen stehen heute noch auf dem Südfriedhof in Cottbus. Der Krebsbrunnen und die gesamten Schmuckelemente sind nicht mehr vorhanden. Alles musste in den 1960er-Jahren der Neugestaltung des Cottbuser Stadtzentrums weichen.

Der Grünbereich entlang der westlichen Stadtmauer wurde ebenfalls neu gestaltet. Anfang Oktober 1969 spazierten die Cottbuser durch die neu geschaffene Grünanlage zu den ersten fertigen Bauten des sozialistischen Stadtzentrums. Die Bastei ist heute zwischen den großen Bäumen kaum noch zu sehen.

Im Zuge des Neubaus der Stadtpromenade als sozialistisches Vorzeigequartier verschwand der Krebsbrunnen. Die Stadtmauer ist auch heute eine beliebte Spazierstrecke der Cottbuser.
Im Zuge des Neubaus der Stadtpromenade als sozialistisches Vorzeigequartier verschwand der Krebsbrunnen. Die Stadtmauer ist auch heute eine beliebte Spazierstrecke der Cottbuser. FOTO: Liersch Dora und Heinrich / Dora und Heinrich Liersch