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Cottbuser Stadthistorie mit Urkunde von 1156 in Farbe

Eine Menge Themen, Fragen und Antworten, die sich um das Jubiläum des 850-jährigen Cottbus ranken, bietet der Heimatkalender 2006. „Festjahr mit vielen Höhepunkten“, überschrieb Oberbürgermeisterin Karin Rätzel ihr Kalendervorwort. In der Tat sind viele dieser Ereignisse darin und im Kalendarium zu finden. Von Hans-Hermann Krönert

Auf zahlreiche Begebenheiten und Persönlichkeiten, die im Laufe der vergangenen sieben Jahrhunderte Geschichte schrieben, macht der vom Leiter der Städtischen Sammlungen Steffen Krestin zusammengestellte stadthistorische Kalender aufmerksam. Zwei absolute Neuigkeiten bietet das Heft allemal: erstmals seit 850 Jahren können die Cottbuser Leser die Urkunde von 1156 in Farbe (und mit dem Siegel des damaligen Herrschers der Lausitz Konrad von Wettin) sehen. Zweitens enthält der Kalender als Beilage die komplette Zusammenstellung aller seit 1954 in 23 Jahrgängen erschienenen Beiträge.
Werner Pastor, der sich wie kaum ein anderer mit der frühesten schriftlich niedergelegten Geschichte der Stadt anhand von vergleichenden Dokumenten anderer Regionen befasst, verfolgt in seinem Artikel "Der doppelte Heinricus" eine Spur ins Mecklenburgische - und siehe da: dort gab es einen "Heinricus castellanus de Godebuz" urkundlich um die gleiche Zeit wie den von unserer Stadtgeschichte benannten!
Prof. Dr. Walter Wenzel, ausgewiesener Kenner und Publizist slawischer Sprachgeschichte und Namenforschung, befasst sich in seinem Beitrag mit der Herkunft des Namens Cottbus und schreibt: "Der Ortsname Cottbus, niedersorbisch Chosebuz, darf auf Grund seiner Bildung und ursprünglichen Bedeutung ein sehr hohes Alter für sich beanspruchen. Er gehört ... zu jenen Namen, mit denen die einwandernden Vorfahren der heutigen Niedersorben in der Zeit der slawischen Landnahme ihre ersten Siedlungen in der Niederlausitz benannten".
Der Leiter des Wendischen Museums, Werner Meschkank, hat für den Kalender einen Artikel geschrieben, der sich der Herkunft und Bedeutung slawischer Familiennamen widmet. Dr. Peter Schurmann wendet sich in seinem Beitrag den wendischen Wurzeln der Cottbuser Klosterkirche zu.
Doch kommen im Kalender nicht nur solch zeitlich sehr ferne, sondern viele naheliegende Themen zur Sprache. Gleich drei weibliche Elemente sind in Artikeln von Dora Liersch, Ingrid Model und Dr. Peter Lewandrowski zu entdecken: An die erste Frau im Cottbuser Stadtparlament von 1919 wird erinnert, Dr. Charlotte Großmann, dann an die Frauenbewegung, die schließlich in der Lila Villa ihren Platz fand, und an eine außergewöhnliche Lehrerin Elisabeth Bartsch, die im Jahre 2006 ihren 100. Geburtstag feiern wird.
Wolfgang Ladusch verfolgt anhand von Medaillen die Carl-Blechen-Ehrungen in Cottbus, Harald Großstück beschreibt die Geschichte der Cottbuser Bahnhöfe, der Architekt Eberhard Kühn die der Cottbuser Bauschulen. Einen Einblick in die Entwicklung von den ersten Kinderbewahranstalten im 19. Jahrhundert bis zu den modernen Kitas von heute verschafft den Lesern Dr. Christian Lehm. Im Kalender ist auch eine vorläufige Dokumentation aller Kriegerdenkmäler im heutigen Stadtgebiet zu finden, die erkennbar macht, dass deutsche Kriegseinsätze immer zu Leid und Verderben auch in Cottbus führten.
Wie weiter mit dem Spreeauenpark? Darauf versucht der Gartenarchitekt Karl-Heinz Reiche Antworten zu geben. Der ehemalige Stadtförster Manfred Rescher hat sich diesmal dem Blauglockenbaum verschrieben. Sebastian Zachow-Vierrath erinnert an den langjährigen Leiter des Staatlichen Orchesters Cottbus, Gerhard Gregor, und Dr. Sigrid Robaschik widmet der Romanschriftstellerin Amalie Marby einen Beitrag. Dr. Hartmut Schatte war bei Hermann Graf von Pückler, einem Urneffen des Fürsten, und dessen Familie zu Gast, und Christian Friedrich erinnert an einen Orden für eine Schlacht von 1866, die der Fürst einst verschlief.
Natürlich gibt es noch manchen anderen kleinen Beitrag, so über das kurze Leben der "Gesellschaft für Heimatgeschichte", einen Cottbuser Librettisten namens Otto Kleinert und einen Cottbuser Karikaturisten namens Manfred Schemmel, außerdem Gedichte und Anekdoten, eine Mundartgeschichte, Rätselfragen zu Krebsdarstellungen und zu Redewendungen, beliebteste Cottbuser Vornamen - und schließlich eine kurze Vorstellung aller Beiratsmitglieder, die den Kalender Jahr für Jahr gestalten und mit Beiträgen füllen.

*Unser Autor Hans-Hermann Krönert ist verantwortlicher Redakteur des Heimatkalenders.

Service Präsentation bei Heron
  Am Donnerstag, 17. November, um 18 Uhr, wird der Kalender in der Heron-Buchhandlung erstmalig vorgestellt und verkauft.
Der Kalender ist für fünf Euro bei CottbusService, in allen Cottbuser Buchhandlungen und im Stadtmuseum erhältlich.