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Cottbuser Sprachfreunde zeichnen kreative Firmennamen ohne Anglizismen aus

16. Altstadtnacht für Nachtschwärmer: 18 Bands in 18 Kneipen sorgten am Samstagabend in der Cottbuser Innenstadt für Partystimmung Im Bild: Stimmung in der "Kartoffelkiste" mit "Die Bartlosen". Foto: Michael Helbig/mih1
16. Altstadtnacht für Nachtschwärmer: 18 Bands in 18 Kneipen sorgten am Samstagabend in der Cottbuser Innenstadt für Partystimmung Im Bild: Stimmung in der "Kartoffelkiste" mit "Die Bartlosen". Foto: Michael Helbig/mih1 FOTO: Michael Helbig/mih1
Cottbus. Die Sprachfreunde Cottbus ärgern sich über unnötige Anglizismen. Doch es gibt Hoffnung. Sie loben Unternehmer in der Stadt, die bewusst aufs Deutsche setzen. Peggy Kompalla

Für Enrico Groth ist es ein Schlüsselerlebnis. In einer Bäckerei steht eine ältere Dame vor ihm und sagt angesichts von Muffins, Brownies und Cookies: "Ich setze einen Fuß vor die Haustür und schon bin ich im Ausland." Das bestätigt den Cottbuser in seiner Einstellung. "Die Menschen müssen sofort verstehen, worum es bei einer Sache geht - besonders dann, wenn man etwas verkaufen will." Der Cottbuser will seine Dienstleistungen verkaufen. Deshalb heißt seine Firma Lack-Klinik. Für die Sprachfreunde Cottbus - eine Regionalgruppe des Vereins Deutsche Sprache - ist der Unternehmer damit ein Sprachvorbild. Deshalb gab es zu dessen Überraschung eine Anerkennungsurkunde.

Annemarie Grimmler ist eine Sprachfreundin. "Wir wollen mit der Aktion Denkanstöße geben und mit guten Beispielen beweisen, wie aussagekräftig, poetisch und vielseitig unsere Muttersprache ist." Deutsch habe eine enorme und oft verkannte Ausdruckskraft. Sie weiß das, hat sie doch Deutsch und Englisch studiert und beide Sprachen jahrzehntelang unterrichtet. Gerade auch deshalb ärgert sie der achtlose Umgang mit dem Englischen und die Vermischung mit dem Deutschen. "Den Computer will doch keiner abschaffen." Aber Gedankenlosigkeiten wie ein Backshop ärgern sie. "Das ist ein rückwärtig gelegenes Geschäft", übersetzt sie.

Deshalb verwundert es nicht, dass die Cottbuser Sprachfreunde auf ihre Lobesliste auch die Biobäckerei Schmidt gesetzt haben. Es gibt noch viel mehr kreative Firmennamen in Cottbus. Dazu gehören unter anderem die Blumenbinderei "Blütenwerk", das Café "Heim(e)lich", der Herrenfriseur "Der Barbier von Cottbus", das Restaurant "Kartoffelkiste" oder der Meisterbetrieb für Augenoptik und Hörakustik "Sehen und Verstehen". Sie alle haben eine Anerkennungsurkunde erhalten. Die Sprachfreunde würden gern mehr geben - wie die Rostocker. In der Hansestadt wird der mit 1000 Euro dotierte Förderpreis "Gutes Deutsch" regelmäßig vergeben. "So etwas wünschen wir uns auch für Cottbus." Schließlich bekäme das Anliegen der Sprachfreunde damit mehr Aufmerksamkeit. Manchmal hilft aber auch Ausdauer, um etwas zu ändern. So sagen die Busse von Cottbusverkehr neuerdings "Entschuldigung" statt "Sorry" in ihren Anzeigen, wenn sie nicht im Linienverkehr unterwegs sind.

Enrico Groth versteht die Aktion der Sprachfreunde, in ihm regt sich aber auch Zweifel: "Durch die Globalisierung wird die Vermischung weitergehen. Ich glaube nicht, dass das aufzuhalten ist." Sprachwissenschaftler der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung und der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften sind in ihrem "Bericht zur Lage der deutschen Sprache" weniger pessimistisch. Demnach beherrschen die Deutschen heute 1,6 Millionen Wörter mehr als vor 100 Jahren. Sie gingen kreativ mit Grammatik um und schafften neue Ausdrucksformen. Fremdsprachliche Neuzugänge würden wohlwollend integriert. Allerdings schwinde die grammatikalische Komplexität. Für die Sprachfreunde ist das kein Grund, in ihren Anstrengungen nachzugeben. Denn, das ist auch ein Kritikpunkt am Bericht der Sprachwissenschaftler. Sie analysierten "Standarddeutsch", das gedruckt vorliegt. Die Alltagssprache ist etwas anderes.