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| 01:03 Uhr

Cottbuser Schüler versetzen Faust ins Genlabor

Mephisto wählt sich mit einer 0190er Nummer ins Internet ein und trifft sich mit Faust im Gen-Labor. Eine Schülergruppe des Niedersorbischen Gymnasiums ist mit „Future Faust“ bei den 10. Projekttagen „Darstellendes Spiel“ der 12. Klassen dabei. Nach den gestrigen Proben laufen heute die Aufführungen in der Kammerbühne des Staatstheaters. Von Ulrike Elsner

Wie bringen wir unser Stück auf die große Bühne„ Wie funktionieren am ungewohnten Ort Auf- und Abgänge, Szenenwechsel, Ton und Beleuchtung“ Fragen, die die jungen Laien-Darsteller, -Regisseure und -Bühnentechniker gestern vordringlich zu klären hatten. Denn sie mussten das, was sie in diesem Schuljahr im Wahlpflichtfach Darstellendes Spiel erarbeitet haben, an die Verhältnisse der Kammerbühne anpassen. Heute stellen sich dort Schülergruppen der Theodor-Fontane-Gesamtschule, des Ludwig-Leichhardt-Gymnasiums und des Niedersorbischen Gymnasiums unter dem Motto „Kontraste“ mit ihren Stücken oder Ausschnitten daraus der Öffentlichkeit vor.
Aus „Future Faust“ spricht zwar der alte Goethe mit seinem Streben nach Erkenntnis dessen, was die Welt im Innersten zusammenhält. Aber auch „blühende Landschaften“ kommen darin vor. Und Gretchen (Elisabeth Mattner) hat ihren Faust erstmals im Internet gesehen. „Ich geb was drum, wenn ich nur wüsst'“ , so ihr Monolog, „wer der Mann online ist.“
Auch spricht die Gentechnikerin (Christine Kluge) nicht ohne Grund mit amerikanischem Akzent. Und Faust (Oliver Riger) gerät beim Anblick des Computerhologramms eines perfekten weiblichen Wesens in Verzückung.
Die Schüler haben sich den Faust im modernen Gewand ausgesucht, weil er ihrer Meinung nach, sehr aktuelle Fragen aufwirft. Manche Szene hätten sie umgeschrieben, erzählt Nadja Bogacz. So sei es den Schülern darum gegangen, möglichst gebräuchliche moderne Redewendungen aufzunehmen.
„Schön war, dass alle sich bei der Arbeit so engagiert haben“ , meint die 18-Jährige. Die Theatergruppe verfüge über „so viele Charaktere“ und für jeden habe sich eine passende Rolle gefunden. „Wir haben viel gearbeitet“ , sagt Nadja. „Aber wir hatten auch viel Spaß bei der Arbeit.“ Auch die Eltern hätten geholfen, beim Entwerfen und Schneidern der Kostüme beispielsweise. Und jeder habe eine konkrete Aufgabe gehabt. Maria Heybutzki habe Passagen des Stücks umgeschrieben. Sie selbst, Nadja Bogacz, habe den Kursleiter Roland Langer bei der Regiearbeit unterstützt.
Außerdem gibt Nadja gemeinsam mit ihren Mitschülerinnen Katarina Rublak und Mandy Schimank einen hinreißenden Engelchor. Während Tim Pinder als Gott von der Leiter aus auf das Geschehen herabblickt und Kasia Kucharczyks (Mephisto) Lachen wunderbar böse klingt.
Seit der 11. Klasse beschäftigen sich die Schüler mit dem Darstellenden Spiel. In Klasse 12 hatten sie eine eigene Inszenierung zu erarbeiten. Das Interesse war so groß, dass bei drei Parallelklassen drei Theatergruppen gebildet werden mussten. Die Schüler hätten bei der Arbeit viel dazugelernt, so Roland Langer. „Die Truppe ist mit dem Stück gewachsen“ , so die Erfahrung des Lehrers.
Wer die vollständige Inszenierung von „Future Faust“ erleben möchte, ist für Montag, 13. Juni, 19.30 Uhr, in die Caféterria des Niedersorbischen Gymnasiums eingeladen. Am gleichen Ort ist dort am morgigen Donnerstag, 19.30 Uhr, ebenfalls in einer Schüleraufführung, „Der Drache“ von Jewgeni Schwarz zu erleben.

Service „Kontraste“
 Alle Aufführungen der Schülergruppen am heutigen Mittwoch in der Kammerbühne sind öffentlich. Folgende Stücke oder Ausschnitte aus Stücken stehen auf dem Programm:
8 Uhr „Lysistrata“ (Niedersorbisches Gymnasium)
9 Uhr „Die Gedanken sind frei - oder?“ (Ludwig-Leichhardt-Gymnasium)
10 Uhr „Pink Ville“ (Fontane-Gesamtschule)
11 Uhr „Future Faust“ (Niedersorbisches Gymnasium)
12 Uhr „Der Drache“ (Niedersorbisches Gymnasium)