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| 18:05 Uhr

Cottbus
Zu gut für den Müll

Flagge gegen die Wegwerfkultur: Die Schüler der 10c des Humboldt-Gymnasiums haben bei Cottbuser und Peitzer Gastronomen, Bäckern und Imbissen für die App „Too Good To Go“ geworben. 16 von 30 seien interessiert gewesen, sagen sie.
Flagge gegen die Wegwerfkultur: Die Schüler der 10c des Humboldt-Gymnasiums haben bei Cottbuser und Peitzer Gastronomen, Bäckern und Imbissen für die App „Too Good To Go“ geworben. 16 von 30 seien interessiert gewesen, sagen sie. FOTO: Janine Raack / LR
Cottbus. Cottbuser Schüler fragen bei den Gastronomen der Stadt nach, wo die Reste am Abend landen – und bringen einen Vorschlag mit.

Irgendwann ging es im Unterricht um Abfall, erzählt Nina Milius. Die 16-Jährige ist eine von 28 Schülern in der 10c des Humboldt-Gymnasiums. Nina begann zu recherchieren, stieß auf eine App fürs Smartphone. „Too Good To Go“ (Zu gut zum Wegwerfen) heißt die und listet Gastronomen in ganz Deutschland, die nach Ladenschluss Reste für kleines Geld an Hungrige verkaufen, um möglichst wenige Lebensmittel in der Tonne landen zu lassen. Mittlerweile sind vor allem Großstadtrestaurants in der Liste vertreten. Nina präsentierte die App und das Projekt dahinter in der Klasse.

Mit Info- und Flugblättern ausgerüstet ging es durch die Stadt. Jetzt hoffen die Schüler auf Resonanz.
Mit Info- und Flugblättern ausgerüstet ging es durch die Stadt. Jetzt hoffen die Schüler auf Resonanz. FOTO: Humboldt-Gymnasium

Was mit einem Referat begann, wurde zum Großprojekt für die 28 Schüler. Gemeinsam mit Lehrerin Janine Raack wollten sie durch die Stadt ziehen und bei den Gastronomen anklopfen, in Erfahrung bringen, was in Cottbus mit Nichtbestelltem passiert. Ein Bäcker und ein Fischimbiss aus Cottbus, das wusste die 10c bereits, nehmen an dem „Too Good To Go“ teil. Ansonsten sieht’s in der Lausitzmetropole noch eher mager aus.

Janine Raack nahm Kontakt zu den Machern der App aus Berlin auf. „Ich wollte da auch rechtlich auf Nummer sicher gehen“, sagt die Geografie-Lehrerin. Die Ohren bei denjenigen hinter dem Projekt hätten nicht offener sein können, erzählt auch Nina Milius. Kurz darauf kamen Flug- und Infoblätter, die die Schüler mit auf ihre Gastro-Tour nehmen sollten – falls einer der Restaurantbetreiber Interesse zeigen sollte, mitzumachen. Mit im Gepäck hatten sie zudem einen Riesenbanner, auf dem der Name der App in bunten Buchstaben aufmerksam machen sollte.

Aus den erhoffen zwei oder drei Interessierten wurden 16, sagt Janine Raack. 16 Mal wurden die Schüler die Flugblätter los. Ein Besitzer eines italienischen Restaurants sei total begeistert gewesen, nicht nur von der Idee hinter der App, vor allem von den Schülern, die sich aus eigenem Antrieb für das Projekt einsetzten. Bei 30 Restaurants, Bäckern und Imbissen hatten sie angeklopft. Ein Anfang. Zumal, das gibt Nina Milius zu bedenken, nicht immer der Chef zu sprechen war, das Personal aber meist versprach, noch mit dem Entscheidungsträger im Laden reden zu wollen.

Die Regel war klar: Restaurants, die zum Beispiel mit der Tafel oder anderen wohltätigen Organisationen zusammenarbeiten, um Reste vor dem Müll zu bewahren, sollten nicht von der App überzeugt werden. Das hatten auch die App-Macher so vorgegeben.

„Viele haben gesagt, sie hätten keine Reste“, sagt Janine Raack. So richtig glauben kann sie das nicht. Andere hätten wiederum erzählt, sie arbeiteten zum Beispiel mit der Kirche zusammen, würden dort ihre Reste los und engagierten sich so für diejenigen, die sich keinen Restaurantbesuch leisten können.

Bei einer kurzen Kontrolle am Freitag, genau eine Woche nach der Tour der Schüler durch Neu-Schmellwitz, die Innenstadt und Peitz, gab es noch keine neuen Einträge für Cottbus in der App. „Das dauert sicher auch eine Weile“, sagt Janine Raack. Von heute auf morgen könne das Formelle sicher nicht geregelt werden. Hoffnung, dass die Liste der Cottbuser Teilnehmer an „Too Good To Go“ länger wird, haben die Schüler der 10c auf jeden Fall.

Verdient haben sich Janine Raack und ihre Schüler schon mal ein dickes Dankeschön der Berliner App-Betreiber. „Sie sind ab heute unsere größten Vorbilder“, ist auf der Facebook-Seite von „Too Good To Go“ Deutschland zu lesen. „Wir sind begeistert und gerührt in einem.“ Eine Aktion, die sich auch für andere Städte lohnen könnte, kommentieren andere Facebook-Nutzer den Eintrag über die Humboldt-Gymnasiasten, die eine Woche später Peelings im Unterricht selbst herstellen – ohne Kunststoffe, erneut, um Müll zu vermeiden.