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| 19:06 Uhr

Stadtgeschichte
Zankapfel Ziegelbrennofen

Der Ziegelbrennofen soll unterirdisch konserviert werden. Viele Cottbuser wehren sich gegen diesen Plan.
Der Ziegelbrennofen soll unterirdisch konserviert werden. Viele Cottbuser wehren sich gegen diesen Plan. FOTO: Brandenburgisches Landesamt für
Cottbus. Zahlreiche Leser schimpfen über den Plan, den mittelalterlichen Fund zuzuschütten. Von Andrea Hilscher

Die Empörung ist groß. Kaum wurde bekannt, dass die Stadt und das Denkmalamt sich entschlossen haben, den mittelalterlichen Ziegelbrunnen in der Mühlenstraße mit Erde zu bedecken, um ihn so zu konservieren. Im Internet machten zahlreichen Cottbuser ihrer Empörung Luft und auch am RUNDSCHAU-Telefon meldeten sich zahlreiche Leser, die sich für den oberirdischen Erhalt des Denkmals einsetzen.

Heidemarie Konzack, frühere SPD-Landtagsabgeordnete, Stadtführerin und Mitbegründerin des Vereins „Fürst Pückler in Branitz“, ist entsetzt. „Es ist erschreckend, in welch kurzer Zeit hier Entscheidungen gefällt werden, die den Interessen vieler Cottbuser zuwiderlaufen. Viele Städte haben gute Erfahrungen mit Denkmälern unter Glas gemacht, auch in der Oberkirche ist eine solche Glasplatte eingesetzt worden, um eine historische Treppe zu schützen. Der deutschlandweit einmalige Ziegelbrennofen wäre sicher auch für Touristen eine wichtige Anlaufstätte.“

Ähnlich argumentiert auch Edgar Gruner, der sich mit seiner Frau die Fund-Baustelle in der Mühlenstraße angeschaut hat. „Der Investor hat für sein Projekt laut Bauschild auch Fördermittel bekommen. Da wäre es doch schön, wenn er der Stadt etwas zurückgeben könnte.“ Gruner sagt: „Wer in der Altstadt baut, so nahe an der Stadtmauer, der muss eigentlich damit rechnen, dass im Boden auch archäologisch wertvolle Funde gemacht werden.“

Julius Kerner, der ebenfalls in Cottbus zu Hause ist, ist reiselustig und kennt historische Baudenkmäler unter anderem aus vielen süddeutschen Städten. „Dort werden oft Glasplatten in den Boden eingelassen, um Gräber oder Mumien sichtbar zu machen. Es ist schade, dass sich Cottbus diese Chance vergibt.“ Zudem, so der Tenor vieler Leser, habe die Stadt durch Verfall und Bautätigkeit bereits zu viele Denkmäler verloren, die erhaltenswert gewesen wären.