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Cottbuser Rumänienhilfe
Freude der Kinder war schönster Lohn

Die Rumänienhilfe war nur durch ehrenamtliches Engagement so erfolgreich: Vereinsmitglied Friedrich Claus beim Entladen von Hilfsgütern.
Die Rumänienhilfe war nur durch ehrenamtliches Engagement so erfolgreich: Vereinsmitglied Friedrich Claus beim Entladen von Hilfsgütern. FOTO: Rumänienhilfe Cottbus
Cottbus. Ein viertel Jahrhundert lang hat die Rumänienhilfe von Cottbus aus Not gelindert. Jetzt löst sich der Hilfsverein auf. Von Ulrike Elsner

Am Anfang stand die Aufklärung von grenzüberschreitenden Straftaten in der Nachwendezeit. Was darauf folgte, hat vielen Menschen das Leben leichter gemacht und Not gelindert. 1993 haben Cottbuser Polizisten die Rumänienhilfe initiiert und dabei schon bald in der evangelischen Kirchgemeinde Sankt Nikolai engagierte Unterstützer gefunden. Noch heute ist der Pfarrer im Ruhestand Dietrich Hallmann Vorsitzender des Trägervereins.



Jürgen Zech (l.) und Klaus Zacharias erinnern sich an Anfänge und Höhepunkte in der Arbeit des Hilfsvereins.
Jürgen Zech (l.) und Klaus Zacharias erinnern sich an Anfänge und Höhepunkte in der Arbeit des Hilfsvereins. FOTO: Elsner / LR

Rumänische Diebesbanden haben  Anfang der 90er-Jahre in der Lausitz ihr Unwesen getrieben. Dabei wurden große Mengen Diebesgut in Güterwagen außer Landes gebracht. „Es gab viele Tatorte und Fingerspuren, aber keine Täter“, erinnert sich der damalige leitende Polizei-Direktor Klaus Zacharias. Schnell wurde klar, dass die Aufklärung der Taten ohne Hilfe der rumänischen Kollegen nicht möglich war. Über Interpol wurden die Kontakte mit der örtlichen Polizei in Oradea geknüpft, der 200 000 Einwohner zählenden Hauptstadt des Bezirks Bihor im Westen Rumäniens.

Zu dieser Zeit wurde ein internationales Polizeitreffen vorbereitet, das in Cottbus stattfinden sollte. „Auch die rumänischen Partner wurden eingeladen“, erinnert sich Klaus Zacharias. „So sind sich die Beamten beider Länder nähergekommen. Und so hat die Cottbuser Polizeiführung auch Einzelheiten über die schwierigen Lebensbedingungen in Rumänien erfahren. “ Dabei ging es um grundlegende Dinge. Den  Polizisten fehlten Winterjacken, Helme und Körperschutzausrüstungen. „Es war die Zeit, als bei uns Schulen geschlossen wurden, in denen sich noch viel brauchbares Mobiliar befand“, erinnert sich der 73-Jährige. Im Jahr 2006 wurde auch die Polizeischule im brandenburgischen Basdorf aufgegeben: ein ganzer Komplex mit vollständig eingerichteten Zimmern, einer Mensa mit Geschirr und Besteck.

Die Position des Landes Brandenburg war klar. Verwendbares sollte gemeinnützigen Zwecken dienen. Einzige Bedingung: Kosten durften dabei nicht entstehen. Mehr als zehn Lkw, Vierzigtonner, haben Hilfsgüter aus Basdorf nach Rumänien transportiert. Ein Teil davon ging in den Westen des Landes, nach Oradea, der andere in den Osten, wo der Hilfsverein im Bezirk Suceava (Bukowina) zivile Partner gefunden hatte.

Klaus Zacharias und sein Mitstreiter Jürgen Zech, ehemals Techniker im Polizeipräsidium, erinnern sich an Begegnungen mit Menschen, die so arm waren, dass sie auf dem Fußboden schlafen mussten, und an Kindergärten, die den Anschein von Verwahranstalten erweckten. Dort hat die Rumänienhilfe mit ihrer Cottbuser Managementzentrale viel zur Linderung der Not beigetragen. Hilfsgüter gingen unter anderem an das Kreiskrankenhaus, ein Heim für geistig Behinderte und ein Altenheim im rumänischen Suceava (Suchava).

Doch die erste Tour unter der Regie des Vereins zur Unterstützung von in Not geratenen Personen, der später die griffigere Bezeichnung Rumänienhilfe erhielt, führte 1993 nach Lettland. Auch hier waren Polizeikontakte der Auslöser. Bei einem Polizeitreffen 1992 auf der Neißeaue in Forst hatten Beamte aus Deutschland, Polen und dem Baltikum einander kennengelernt.

Auch wenn viele Rumänen weiterhin Unterstützung bräuchten, haben sich die Lebensverhältnisse in dem  südosteuropäischen Land verbessert. Zudem war es für den Hilfsverein immer schwieriger geworden, die Transporte zu organisieren. Polizei-Lkw wie in den Anfangsjahren stehen für diesen Zweck schon lange nicht mehr zur Verfügung. Außerdem sind die Helfer der Anfangszeit in die Jahre gekommen. Deshalb steht der Termin für den letzten Transport fest: Im Mai wird die Rumänienhilfe zum letzten Mal Hilfsgüter auf den Weg bringen und sich danach auflösen.

Allerdings wünscht sich Klaus Zacharias eine Fortsetzung, dann aber mit staatlicher Unterstützung.  Denn ein Verein könne diese Aufgabe unter den gegenwärtigen Bedingungen nicht allein leisten.

Doch das ist ein neues Kapitel. Jetzt ziehen erst einmal die ehrenamtlichen Helfer ihr Fazit. Er habe sehr gern geholfen, sagt Jürgen Zech (67). „Und wenn man die leuchtenden Augen der Kinder gesehen hat, weiß man, warum man das gemacht hat“, ergänzt sein Mitstreiter Klaus Zacharias.

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