Dienstag, 4.40 Uhr. Die Rentnerin liegt in ihrem Bett, aufgrund der Hitze hat sie mehrere Fenster in der Wohnung angekippt – und genau das soll ihr im nächsten Moment zum Verhängnis werden. Denn plötzlich fängt ihr Schlafzimmer Feuer, vielleicht, weil sie eine Zigarette geraucht hat, vielleicht auch, weil sich ihre Heizdecke entzündet hat – die Polizei wird später am Tag noch über die Ursache spekulieren. Die Luftzufuhr sorgt dafür, dass sich das Feuer schnell in der Wohnung ausbreitet.

Kerstin Lorenz, eine Nachbarin, bemerkt den Rauchgeruch, sie schließt ihre Fenster, „und dann kommen schon die Feuerwehrleute, die uns bitten, in den Wohnungen zu bleiben“. In der ersten Etage des Plattengebäudes wohnt Monique Merkel. Sie wacht von einem lauten Klirren auf, zwei Stockwerke über ihr, in der Wohnung der Rentnerin. „Ein Schreck am frühen Morgen“, sagt sie am Vormittag, als sich die Rauchschwaden bereits verzogen haben. Über die ältere Dame, die mit Verbrennungen zweiten Grades im Carl-Thiem-Klinikum behandelt wird und nach Auskunft von Fachleuten in Lebensgefahr schwebt, urteilt Monique Merkel: „Eine nette, zuvorkommende Frau – es ist traurig, was ihr da zugestoßen ist.“ Bereits gegen 5 Uhr haben die Feuerwehrleute den Brand unter Kontrolle. „Doch die Wohnung ist völlig verrußt“, sagt Mitarbeiter Jürgen Arndt. „Dort wird sich so schnell niemand mehr aufhalten können.“ Die Einsatzkräfte lüften das Treppenhaus, sie bitten die Mieter, in ihren Wohnungen zu bleiben, und sie stellen einen Ventilator im Flur auf. Um 5.30 Uhr haben sie das Feuer gelöscht. Insgesamt vor Ort: 21 Feuerwehrleute, davon acht freiwillige Helfer aus Schmellwitz.

Florian Selling wohnt direkt unter der Rentnerin – doch seine vier Wände sind nicht vom Feuer betroffen. „Zunächst habe ich mir ja gar nichts gedacht, obwohl auch ich einen lauten Knall hörte“, sagt er, als er gegen 10.30 Uhr im Flur steht, die Schlüssel zu seiner Wohnung in der Hand. „Erst als ich die Feuerwehrsirenen hörte, wurde mir klar, dass es sich um eine ernste Sache handelt.“

Das Schlafzimmerfenster ist nach dem Feuerwehreinsatz mit Karton versiegelt, die Ermittler haben die Wohnungstür verschlossen, auf dem Rasen vor dem Haus liegen verbrannte Möbel. In der Nachbarschaft, selbst etliche Hauseingänge weiter, bleibt der Brand vom frühen Morgen das dominierende Gesprächsthema des Tages.

Den genauen Schadensumfang kann der Vermieter, die Gemeinnützige Wohnungsbaugenossenschaft (GWG), auch am Dienstagnachmittag noch nicht abschätzen. „Eine komplette Sanierung der Wohnung ist unausweichlich“, sagt der Kaufmännische Vorstand Uwe Emmerling. „Für solche Fälle können wir den betroffenen Mietern jedoch Havariewohnungen im Stadtgebiet bereitstellen.“ Er hat am Vormittag mit den Angehörigen der Rentnerin telefoniert: „Sie sagten mir, dass es um die Frau leider sehr schlecht steht.“

Auf der Intensivstation wird sie von den Ärzten vor allem wegen der schweren Rauchgasvergiftung behandelt, wie die Pressesprecherin des Carl-Thiem-Klinikums, Annegret Hofmann, mitteilt.