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| 18:11 Uhr

Verkehr
Radwegenetz bekommt Knoten

 Radwegnetz Cottbus
Radwegnetz Cottbus FOTO: LR / Elisabeth Wrobel
Cottbus. Fahren nach Zahlen wie in den Benelux-Ländern soll künftig auch in Cottbus möglich sein. Außerdem werden drei Radwege zum Ostsee ausgebaut. Von Peggy Kompalla

Die Stadt Cottbus will ihr Radwegenetz auf Vordermann bringen. Dafür verpasst sie ihm Knoten – nach einem erfolgreichen Modell in den Niederlanden. Damit ist künftig Fahren nach Zahlen möglich. Ein entsprechendes Konzept ist während der jüngsten Sitzung des Wirtschaftsausschusses vorgestellt worden. Es stieß bei den Abgeordneten auf großes Wohlwollen. Auch deshalb, weil Cottbus keine Insel bleibt. Das Prinzip wird in ganz Südbrandenburg umgesetzt. Der Landkreis Spree-Neiße arbeitet am selben System, in Elbe-Elster stehen bereits die ersten Schilder mit Knotennummern. Gleichzeitig werden in Cottbus drei Radwege in Richtung Ostsee ausgebaut.

Das Dresdner Planungsbüro ISUP hat für die Stadt Cottbus das 160 Kilometer umfassende Radwegnetz unter die Lupe genommen. Diplomingenieur Michael Haase ist Überzeugungstäter. Er konnte bei einem Familienurlaub das Rad-Knotenprinzip in den Niederlanden testen und zeigt sich begeistert. „Man kann sich ganz einfach individuelle Routen zusammenstellen“, berichtete er. Dabei sei das System so einfach, dass seine Kinder locker die Führung übernehmen konnten. „Ich habe ihnen einen Zettel mit den Zahlen gegeben und sie wussten immer, wo es langgeht.“ So kinderleicht soll das künftig in ganz Südbrandenburg funktionieren. Der Planer schwärmte vor den Abgeordneten: „Auf diese Weise erhalten Sie mit wenig Geld ganz viel Sicherheit und noch dazu ein gutes Marketinginstrument.“

Bei der Untersuchung haben die Planer demnach nicht nur die touristischen Radwege, sondern auch die Alltagsrouten der Cottbuser betrachtet. Sie ergeben ein großes Netz (siehe Grafik). An den wichtigsten Kreuzungen werden zweisprachige Hinweisschilder aufgestellt. Sie zeigen den Weg zu den nächsten größeren Orten, aber auch den Stadtteilen und besonderen Zielen wie dem Altmarkt oder dem Ostsee. Die Schilder selbst erhalten eine Knotenzahl. Gleichzeitig weisen sie in die Richtungen zu den nächsten Knotenpunkten (siehe Beispielschild unten). „Dazu werden zehn große Infotafeln an ausgesuchten Standorten aufgestellt. Die geben die Übersicht über die Punkte“, ergänzte Haase. Obligatorisch finden auch die Symbole der Radwanderrouten ihren Platz – wie der Fürst-Pückler-Radweg im Beispiel. Darüber hinaus habe das Planungsbüro eine Datenbank für das Rathaus mit rund 800 Seiten erstellt, die sowohl beim Bau als auch später bei der Pflege des Systems helfen soll. Die Kosten für die Umsetzung des Knotenleitsystems schätzen die Fachleute des Dresdner Büros auf rund 210 000 Euro. Die vorgelegte Planung ist demnach Grundlage für einen Förderantrag. Der Planer nahm aus dem Ausschuss den Hinweis mit, auf den Infotafeln auch QR-Codes aufzunehmen, um die Radreisenden auf diese Weise schnell und einfach zu den passenden Internetseiten zu leiten.

Das neue Knotennetz umfasst bislang noch nicht den Rundweg um den Ostsee. Das sei allerdings unproblematisch, urteilte Martin Kühne. Der grüne Stadtverordnete ist begeisterter Radfahrer und sitzt mit am Runden Tisch Radverkehr. „Uns hat das gut gefallen“, lobte er. „Es ist simpel, das System später um den Rundweg zu erweitern.“ Gunnar Kurth erklärte: „Das Projekt ist sehr gut, das möchten wir unterstützen.“

Das Cottbuser Radwegenetz wird darüber hinaus flott gemacht. Drei Trassen in Richtung Ostsee werden nach Auskunft des Rathauses ausgebaut. Dafür gibt es Fördergeld. In diesem Jahr sollen noch das 700 Meter lange Stück zwischen Nutzberg und Englischer Allee (in der Grafik Punkt 1) und die etwa einen Kilometer lange Kirschallee bis nach Dissenchen (Punkt 2) auf Vordermann gebracht werden. Letzterer Weg liegt im Außenbereich des Branitzer Parks und kreuzt Pücklers Kutschweg. Im nächsten Jahr ist der Ausbau des Radweges zwischen Skadow und Willmersdorf (Punkt 3) geplant.