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| 15:45 Uhr

Cottbuser Rekord
Vor 20 Jahren radelten sich zwei Cottbuser ins Guinness-Buch

 Heinz Noack (r.) und Gerhard Stolz treffen sich nach 20 Jahren an der Stätte ihres 24-Stundenweltrekords.
Heinz Noack (r.) und Gerhard Stolz treffen sich nach 20 Jahren an der Stätte ihres 24-Stundenweltrekords. FOTO: Georg Zielonkowski
Cottbus. Auf den Tag genau heute vor 20 Jahren wurde Heinz Noack und Gerhard Stolz die Ehre zuteil, mit ihrer außergewöhnlichen Leistung ins „Guinnessbuch der Rekorde“ einzuziehen. Von Georg Zielonkowski

War es doch den damals 46- und 48-jährigen Mitgliedern des Cottbuser Veloteams gelungen, innerhalb von 24 Stunden 1950 Mal die Cottbuser Radrennbahn zu umrunden. Einschließlich der Zugabe von 233 Metern stellten sie damit einen 24-Stunden-Weltrekord von 650,233 gefahrenen Kilometern auf.

Letzte Woche kehrten die Ausdauerspezialisten nochmals an den Ort des Geschehens zurück.

„Bissel verrückt waren wir damals schon, aber die Herausforderung war einfach da“, erinnert sich Gerhard Stolz, in Radsportlerkreisen ausschließlich mit dem Namen „Möhrchen“ unterwegs. Um danach kurz auf das Reglement einzugehen. Dies sah vor, dass stets beide Fahrer auf der Bahn sein mussten, lediglich die Führungsposition durfte gewechselt werden. Deshalb wurden dem Duo auch einige Kilometer aberkannt, weil Heinz Noack während der notwendig gewordenen Rückenbehandlung „Möhrchens“ allein seine Runden drehte.

Vorbereitet in Sachen Ausdauer und Durchhaltevermögen hatten sich die beiden Bolzer monatelang zuvor, um möglichst beim Rekordversuch nicht schlappzumachen. „Ich habe tatsächlich mehrfach bis an die 250 Kilometer am Tag heruntergestrampelt. Was ja am Ende auch sinnvoll war, denn ich musste beim Rekordrennen in keiner Phase gegen das Aufgeben ankämpfen“, erinnert sich Heinz Noack.

Sein Partner dagegen war speziell in den Morgenstunden des zweiten Tages ziemlich müde. Forderte doch das eintönige Rundendrehen bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 27 km/h seinen Tribut. „Ich erinnere mich, dass ich, um wachzubleiben, die Stühle im Zuschauerbereich gezählt habe. Dabei habe ich mir eingeprägt, wie viele da in einer Reihe stehen oder welche Farben wie oft vorkommen. Mit all solch unwichtigem Quatsch habe ich mich Runde um Runde befasst. Ich habe nur gehofft, dass die Endzeit 15 Uhr doch bitte schnell näherrücken soll“, gibt Gerhard Stolz Einblick in sein damaliges Innenleben.

Als es dann endlich geschafft war, fielen sich beide in die Arme und genossen die Aufmerksamkeit der Cottbuser Radsportfamilie. In den Wochen danach waren Stolz und Noack beliebte Gäste bei Sport- und Volksfesten, um von ihrem Husarenritt am 16. August 1998 zu erzählen.

 Selbst 20 Jahre später wird „Möhrchen“ noch danach gefragt. Als pensionierter Fahrradmechaniker lebt er längere Phasen des Jahres auf Mallorca. Wo er mit seinem Wissen und den handwerklichen Fähigkeiten ein beliebter Helfer der Radler aller Leistungsklassen ist. „Ab und an trifft man dabei auch Sportler, die einen erkennen und mich auf unseren Rekord ansprechen“, sagt Gerhard Stolz. „Das ist zwar überraschend, aber auch schön.“