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| 14:56 Uhr

Cottbuser Ostsee
Für Flutung muss Wasser reichen

 Hier am Einlaufbauwerk zum künftigen Cottbuser Ostsee unweit von Lakoma wurde im Januar dieses Jahres vor den Augen des Publikums schon einmal für einige Stunden die Flutung getestet und das „erste Ostseewasser“ eingelassen. Mitte April soll die Flutung dann richtig starten.
Hier am Einlaufbauwerk zum künftigen Cottbuser Ostsee unweit von Lakoma wurde im Januar dieses Jahres vor den Augen des Publikums schon einmal für einige Stunden die Flutung getestet und das „erste Ostseewasser“ eingelassen. Mitte April soll die Flutung dann richtig starten. FOTO: Frank Hilbert
Cottbus/Neuhausen. Wird es im April den Start für die Flutung des Cottbuser Ostsees nach dem Dürrejahr 2018 tatsächlich geben? Diese Frage versuchte der Referatsleiter im Landesamt für Umwelt, Jörg Walther, zu beantworten. Von Christian Taubert

Die Frage, ob der Flutungstermin für den Cottbuser Ostsee im April gehalten werden kann, geht am Dienstagabend an Dr. Jörg Walther. Der Referatsleiter im Landesamt für Umwelt (LfU) hatte die Mitgliedern des Aktionsbündnisses „Klare Spree“ gerade über Auswirkungen des Dürrejahres 2018 auf das künftige Wassermanagement in der Lausitz informiert.

Im Sitzungssaal der Gemeinde Neuhausen antwortete der Wasserwirtschaftsexperte ohne Umschweife. „Zurzeit sieht es gut aus, sodass im April geflutet werden kann.“ Walther ließ zugleich keinen Zweifel: Wenn es dafür kein Wasserdargebot in der Spree gebe, „dann gibt es auch kein Wasser für den Ostsee“.

Cottbuser Ostsee als Wasserspeicher?

Was das für den Flutungszeitraum bedeutet, kann – gerade nach einer Dürreperiode wie 2018 – niemand verbindlich sagen. Aber auf die Frage des Vetschauer Naturschützers Wilfried Böhmer nach einer möglichen Speicherfunktion des künftigen Ostsees, was vor Ort umstritten ist, macht Jörg Walther deutlich, dass es zurzeit keine Notwendigkeit für einen Wasserspeicher Ostsee gebe.

Auch werde es gegenwärtig abgelehnt, nach dem Ende der Braunkohleförderung die Brunnen an den Tagebauen weiter zu betreiben. Vielmehr solle das Grundwasser wieder schrittweise angehoben werden, um letztlich zu einem sich selbst regulierenden Wasserhaushalt zurückzukehren, erläuterte Walther.

Das Sümpfungswasser aus den Tagebauen des Bergbauunternehmens Leag habe unterdessen einen erheblichen Teil dazu beigetragen, dass die Auswirkungen der Dürreperiode 2018 in Grenzen gehalten werden konnten.

Angespannte Wassersituation in der Lausitz

Jörg Walther, der seit drei Jahren das Referat in der Cottbuser Außenstelle des LfU leitet, verdeutlicht vor dem Aktionsbündnis die angespannte Wassersituation in der Lausitz. Schon im Februar 2018 habe es ein Wasserdefizit gegeben. Ab Juni begann die Trockenperiode, die bis in den Herbst andauerte.

Es sei trockener als in den Dürrejahren 2015 und 2006 gewesen. So seien am Messpunkt Doberlug-Kirchhain in der Elbe-Elster-Region nur 65 Prozent des üblichen Niederschlags gefallen. Trotz der zusätzlich wirkenden hohen Verdunstung im Spreewald konnte die Fließgeschwindigkeit am Ausgang des Biosphärenreservates in Leibsch noch bei 2,5 Kubikmeter pro Sekunde gehalten werden.

Das Wasserdefizit in der Schwarzen Elster, so Walther, konnte durch das Speicherbecken Niemtsch (Senftenberger See) ausgeglichen werden. Allerdings nur bis zur Rutschung an der Insel im Senftenberger See am 13. September 2018. Danach wurde die Wasserentnahme eingestellt und die Wasserzufuhr aus der Grubenwasser-Reinungsanlage Rainitza erhöht.

Der Wassernachschub für die Spree sei mit 20 Millionen Kubikmetern aus den sächsischen Talsperren Quitzdorf und Bautzen sowie mit 13 Millionen Kubikmetern aus dem Speicherbecken Spremberg gekommen. Ende August seien die Reserven aus Sachsen nahezu erschöpft gewesen.

Einschränkungen für Lausitzer Wasserwirtschaft

Der Experte verdeutliche zudem, dass sich die Koordination mithilfe der länderübergreifenden Ad-hoc-Arbeitssgruppe bewährt habe. Aufgrund des Speicherwassers für Schwarzer Elster und Spree seien die Folgen für die Sulfatbelastung begrenzt worden.

Walther: „Es hat keine Auswirkungen auf die Wassergüte und die Wasserversorgung gegeben.“ Unterdessen sei man für 2019 bereits gut gerüstet. Die Talsperre Spremberg sei voll. In Sachsen werde das Stauziel in Kürze erreicht. Aufgrund der Sanierung an der Insel im Senftenberger See gebe es hier Einschränkungen für die Wasserwirtschaft.

Auf Nachfrage des Vorsitzenden des Aktionsbündnisses Dieter Perko, Bürgermeister von Neuhausen, tritt Jörg Walther letztlich Spekulationen entgegen, dass Sachsen künftig den „Wasserhahn“ drosseln wolle. Laut Staatsvertrag würden weiterhin 20 Millionen Kubikmeter aus den sächsischen Talsperren in Notsituationen wie dem Dürrejahr 2018 zur Verfügung stehen, sagte Walther.