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| 18:52 Uhr

Sulfatwerte
Frankfurt will gegen Ostsee klagen

 Hunderte Menschen zog es bei der Erprobung der Flutungsanlagen für den Ostsee an den Rand des einstigen Tagebaus Cottbus-Nord. Während die Cottbuser es kaum erwarten können, dass endlich Wasser fließt, ist der Wasserversorger Frankfurt (Oder) besorgt um die Folgen für sein Trinkwasser.
Hunderte Menschen zog es bei der Erprobung der Flutungsanlagen für den Ostsee an den Rand des einstigen Tagebaus Cottbus-Nord. Während die Cottbuser es kaum erwarten können, dass endlich Wasser fließt, ist der Wasserversorger Frankfurt (Oder) besorgt um die Folgen für sein Trinkwasser. FOTO: Frank Hilbert
Frankfurt (Oder)/Cottbus. Der Wasserversorger FWA muss aufgrund steigender Sulfat-Werte Millionen investieren. Deshalb kündigt er Gegenwehr zur Flutung des einstigen Tagebaus Cottbus-Nord an. Von Peggy Kompalla

Während die Cottbuser kaum abwarten können, dass endlich Wasser in den Ostsee läuft, wird das Großprojekt in Frankfurt (Oder) mit großer Skepsis verfolgt. Mehr noch: Die FWA Frankfurter Wasser- und Abwassergesellschaft mbH kündigt an, gegen eine Genehmigung der Flutung Einspruch zu erheben.

Steigert Cottbuser Ostsee Sulfatgehalt in der Spree?

Für die Frankfurter steht fest, dass durch den Ostsee die Sulfatwerte in der Spree steigen werden. Deshalb müsse das Unternehmen zehn Millionen Euro in ihre Anlagen investieren, um die Trinkwasserversorgung der Frankfurter auch in Zukunft abzusichern.Die Kosten will die Gesellschaft nicht allein auf ihre Kunden umlegen und fordert eine „verursachergerechte Finanzierung“.

Das Bergbauunternehmen Leag bestreitet, dass die Sulfatwerte in der Spree durch den Ostsee dramatisch steigen werden. Dies sei durch ein geschicktes Flutungsmanagement zu vermeiden. So argumentierte die Leag während des wasserrechtlichen Planfeststellungsverfahrens. Noch liegt kein Beschluss dazu und damit eine Genehmigung für die Flutung des einstigen Tagebaus Cottbus-Nord vor. Sie wird aber in den nächsten Wochen erwartet.

Frankfurter Trinkwassergewinnung vor Paradigmenwechsel

Die Frankfurter stehen vor einem Paradigmenwechsel. Bislang haben sie ihr Trinkwasser zu 75 Prozent aus der Spree gewonnen. Davon müssen sie sich nun Schritt für Schritt verabschieden. Die steigenden Sulfatgehalte in dem Fluss machen dieses Verfahren immer unrentabler.

Für Trinkwasser gilt ein Grenzwert von 250 Milligramm je Liter. Im Wasserwerk Briesen, wo die FWA das Trinkwasser über Uferfiltrat gewinnt, beträgt der Sulfatwert derzeit 280 Milligramm je Liter. Im Sommer werde der Wert sogar zwischen 50 und 70 Milligramm überschritten. Deshalb wird das Uferfiltrat mit Grundwasser verdünnt. Das ist ein gängiges Verfahren. Das allerdings seine Grenzen hat.

Cottbuser Ostsee weitere Quelle für steigenden Sulfatgehalt

Die FWA erwartet weiter steigende Sulfatwerte durch den Klimawandel. Das Dürre-Jahr 2018 belege das symptomatisch. Der Frankfurter Wasserbetrieb spricht von einer „dramatischen Entwicklung der Sulfatbelastung durch die anhaltende Trockenheit“ im vergangenen Jahr. Hauptverursacher für den Sulfateintrag in das Grund- und Oberflächenwasser sei der mehr als 100 Jahre andauernde Braunkohleabbau in der Lausitz.

FWA-Sprecherin Anne Silchmüller erklärt: „Durch die Flutung des Ostsees entsteht noch ein zusätzlicher Sulfatemittent.“ Sprich: Eine weitere Quelle für einen steigenden Sulfatgehalt.

FKW fordert von Leag Beteilung an Finanzierung

FWA-Geschäftsführer Gerd Weber betont deshalb: „Wir können nicht warten bis der gesetzliche Grenzwert für Sulfat im Trinkwasser gerissen wird und beginnen mit dem Ausbau des Wasserwerkes Müllrose.“ Dies geschehe auch auf die Gefahr hin, dass letztlich der Tarifkunde die Mehrkosten tragen müsse.

Die Geschäftsführung habe gegenüber dem Bergbauunternehmen Leag und dem Bergbausanierer LMBV eine Beteiligung an der Finanzierung gefordert. „Beide Unternehmen haben eine Verpflichtung zur Mitfinanzierung, als auch Verhandlungen darüber ausdrücklich abgelehnt“, ergänzt FWA-Sprecherin Silchmüller.

Ohne Kostenbeteiligung rechnet der Wasserbetrieb mit einer Preissteigerung für Trinkwasser von 20 Cent je Kubikmeter. Für eine vierköpfige Familie bedeute dies eine Erhöhung von 40 Euro im Jahr.

Gutachten zur Sulfatkonzentration im Cottbuser Ostsee

Die FWA hat im wasserrechtlichen Planfeststellungsverfahren ihre Sorgen vorgetragen. Hauptkritikpunkt: Die Antragsunterlagen beinhalten keine Untersuchung auf die Auswirkungen der Flutung auf die Trinkwasserversorgung im Unterlauf der Spree. Dabei heißt es in einem Gutachten, dass der Ostsee eine mittlere Sulfatkonzentration von 500 Milligramm und im ungünstigsten Fall von maximal 600 Milligramm je Liter aufweisen werde.

Diese Werte bestätigt Leag-Chefgeologe Ingolf Arnold. Er versicherte während der öffentlichen Anhörung im Planfeststellungsverfahren jedoch, dass der Sulfateintrag in die Spree durch eine kluge Steuerung deutlich verringert werde. Aus diesem Grund beteilige sich die Leag an der Flutungszentrale Lausitz.