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| 11:42 Uhr

Trotz anhaltender Trockenheit
Projekt Ostsee läuft weiter

 Blick vom Merzdorfer Aussichtsturm auf das künftige Cottbuser Hafenquartier. Im Hintergrund wird noch an den Böschungen des künftigen Ostseeufers gearbeitet. Kleines Foto: Der Einlauf in den Cottbuser Ostsee bei Lakoma. In der Rinne steht ein wenig Wasser vom jüngsten Regenguss.
Blick vom Merzdorfer Aussichtsturm auf das künftige Cottbuser Hafenquartier. Im Hintergrund wird noch an den Böschungen des künftigen Ostseeufers gearbeitet. Kleines Foto: Der Einlauf in den Cottbuser Ostsee bei Lakoma. In der Rinne steht ein wenig Wasser vom jüngsten Regenguss. FOTO: Peggy Kompalla
Cottbus. Seit mehreren Wochen ist der Wasserhahn wegen der anhaltenden Trockenheit in der Region abgedreht. Trotzdem hält der Energiekonzern Leag am Flutungsziel fest. Von Peggy Kompalla

Seit Monaten ist der Hahn für den Cottbuser Ostsee abgedreht. Wegen der anhaltenden Trockenheit darf kein Wasser aus der Spree abgezweigt werden. Angesichts der ausbleibenden Niederschläge im zweiten Jahr in Folge wachsen die Zweifel am Projekt Ostsee. Nicht so bei den Experten des Energieunternehmens Leag, das für die Flutung von Deutschlands größtem künstlichen See die Verantwortung trägt.

Die Sonne macht ganze Arbeit, leuchtet jeden Winkel aus. Schatten gibt es nur unter den Schirmmützen der Freizeitradler. Die machen neugierig Halt am Ufer des künftigen Ostsees. In der Rinne des Einlaufs bei Lakoma steht eine Pfütze Wasser. Ein Mann scherzt in Richtung der Gruppe: „80 Prozent sollen aus der Spree kommen? Wenn das so weiter plätschert, wird der Ostsee mit dem BER fertig.“ Denn an dessen Eröffnung im kommenden Jahr glaubt auch kaum noch jemand. Die Wasserfachleute des Energiekonzerns Leag sind da anderer Meinung. Trotz der anhaltenden Trockenheit halten sie an dem Flutungsziel Mitte der 2020er-Jahre fest.

Dr. Stephan Fisch ist der Leiter Tagebauentwässerung bei der Leag. Er versichert: „In unseren Prognosen haben wir lang anhaltende Trockenphasen eingeplant. Insofern gehen wir weiterhin davon aus, dass der See in einem Zeitraum von fünf bis sechs Jahren sein Flutungsziel erreicht haben wird.“ Die Fachleute haben demnach bei den Planungen verschiedene Wettersituationen für den Zeitraum von 2018 bis fast 2030 berechnet. „Die Berechnungen berücksichtigen optimistische und auch pessimistische Szenarien“, erklärt der Wasserfachmann.

Knapp 100 Szenarien mit unterschiedlichen Niederschlagsmengen seien dabei berechnet. Ergebnis: „Im besten Fall ist die Flutung des Cottbuser Ostsees bereits in vier Jahren voll abgeschlossen. Im schlechtesten Fall dauert es sechs Jahre.“ Die Tendenz geht derzeit wohl eher in Richtung letztere Variante. Damit wäre der Ostsee 2025 oder 2026 voll.

 Der Einlauf in den Cottbuser Ostsee bei Lakoma. In der Rinne steht ein wenig Wasser vom jüngsten Regenguss.
Der Einlauf in den Cottbuser Ostsee bei Lakoma. In der Rinne steht ein wenig Wasser vom jüngsten Regenguss. FOTO: Peggy Kompalla

Vor gut 15 Wochen ist der Wasserhahn für den Ostsee abgedreht worden, trotzdem steht in der Rinne des Einlaufs Wasser. Auch dafür hat Stephan Fisch eine Erklärung: „Bis auf vereinzelte technische Wartungsarbeiten, bei denen nur über wenige Minuten Wasser durch das Einlaufbauwerk fließt, gibt es keine Wasserentnahme für den See. Allerdings können auch geringste Mengen Spaltwasser durch derartige Bauwerke fließen.“ Dabei handele es sich um weniger als einen Liter je Sekunde. Darüber hinaus folge die Rinne einem zum Land gerichteten Gefälle. „Dadurch bleibt auch immer Niederschlagswasser in der Rinne stehen. Dies war bereits nach Fertigstellung des Bauwerkes vor dem Flutungsbeginn zu beobachten.“

Am 26. April – gerade einmal zwei Wochen nach Flutungsbeginn – ist der Schieber am Einlauf bei Lakoma geschlossen worden. Auch nach fast dreieinhalb Monaten ist nicht absehbar, wann wieder Wasser aus der Spree in den Ostsee fließt. Allerdings kann Stephan Fisch ziemlich genau sagen, wie viel Spree-Wasser bereits im See gelandet ist. „Aktuell beträgt der Füllstand des Ostsees acht Prozent“, sagt der Wasserfachmann. „Der Anteil des Spree-Wassers beläuft sich dabei auf 728 656 Kubikmeter.“

Auch wenn derzeit kein Wasser in den See fließt, bekommt die „Badewanne“ noch ihren letzten Schliff. Die Arbeiten am östlichen Ufer sind gut vom Merzdorfer Aussichtsturm aus zu beobachten. Der Leag zufolge erhalten die Böschungen in dem Bereich ihr endgültiges Profil. Dafür sind Verdichtungen und Erdbau-Arbeiten notwendig.