ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 15:50 Uhr

Zukunftsvisionen
Der Traum vom Armleuchter-Algenpark im Ostsee

Cottbus. Mit dem Cottbuser Ostsee entsteht Deutschlands größtes künstliches Gewässer. Eine Wissenschaftlerin sieht für die Bepflanzung vor allem Armleuchteralgen geeignet. Ein Problem könnte jedoch beim Fischbestand entstehen.

Der Cottbuser Ostsee hat das Potenzial „der interessanteste und schönste See der Region“ zu werden. Diese optimistische Zukunftsvision beschwört Prof. Brigitte Nixdorf, die an der Brandenburgischen Technischen Universität (BTU) den Lehrstuhl Gewässerschutz innehat. Anlass ist eine offene Vorlesung anlässlich der diesjährigen Cottbuser Umweltwoche. Ihre persönliche Wunschvorstellung ist ein Armleuchter-Algenpark, in dem man auch wunderbar schnorcheln könne.

Prognosen zur Wasserqualität und dem Nährstoffangebot für verschiedenste Organismen (Trophie) im Vorfeld zu treffen, sei nicht einfach, räumt die Expertin ein. Fest steht schon heute, dass der Cottbuser Ostsee einzigartig ist.

Im Gegensatz zu natürlichen Gewässern ist der Tagebausee mit durchschnittlich zwei Metern Tiefe in der Mitte sehr flach, dafür in den Randbereichen tief. In der Natur ist der umgekehrte Fall die Regel.

Unterwasserfauna des Cottbuser Ostsees

Trotzdem geht Brigitte Nixdorf davon aus, dass der Ostsee mit seinem ganz erheblichen Wasservolumen von 89 Millionen Kubikmetern, von denen 74 Prozent lichtdurchflutet sind, kein planktongetrübter See, sondern klar sein wird. Voraussetzung sei eine Unterwasserfauna, die auf die Bedingungen vor Ort angepasst ist und fortlaufend überwacht werden müsse, um notfalls einschreiten zu können.

Armleuchteralgen scheinen der Expertin als potenzielle Ostseebepflanzung ganz besonders gut geeignet. Diese beim Schnorcheln oder Tauchen zu beobachten, sei ein „großes Vergnügen“, schwärmt Nixdorf.

„Der Fischbestand kann allerdings zum Problem werden“, sagt sie. Eindringlich warnt sie davor, dass Angler Fische ohne Absprache einsetzen. So hätten beispielsweise Karpfen das ökologische Gleichgewicht in anderen Gewässern bereits zum Kippen gebracht.

Für die Flutung des Ostsees wird mit einem Zeitraum von fünf bis sechs Jahren gerechnet. Das Wasser stammt zu 80 Prozent aus der Spree. Geflutet wird nur, wenn ausreichend Wasser zur Verfügung steht.

Grüne kritisieren Sulfat-Ausleitwert des Cottbuser Ostsees

Den hohen Sulfat-Ausleitwert des Ostsees kritisiert unterdessen die Landtagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen in einer Stellungnahme am Donnerstag. Laut Planfeststellungsbeschluss vom 12. April ist eine maximal zulässige Jahresfracht von 9900 Tonnen an Sulfat angegeben. Der Bergbaubetreiber Leag soll noch einen Tag zuvor in einem Blogbeitrag auf seiner eigenen Internetseite einen Wert von maximal 6000 Tonnen angegeben haben.

Leag-Pressesprecherin Kathi Gerstner spricht von einem Fehler, der mittlerweile korrigiert wurde. Grundsätzlich rechnet das Unternehmen eigenen Angaben zufolge mit jährlich 6000 Tonnen Sulfat, die aus dem See in die Spree abgegeben werden. Das seien rund 4000 Tonnen weniger als in den vergangenen Jahren. Bei der im Planfeststellungsverfahren angegebenen Maximalfracht von 9900 Tonnen handele es sich hingegen um den allerschlechtesten Fall, so Gerstner.

„Es ist nicht nachvollziehbar, warum das Landesbergamt einen so drastisch höheren Sulfat-Ausleitwert festlegt als vom Bergbaubetreiber avisiert“, moniert Heide Schinowksy von der Landtagsfraktion. Hohe Sulfateinträge werden als eine direkte Folge des Braunkohlebergbaus in der Lausitz gesehen, die die Trinkwasserqualität in den Städten beeinträchtigen können. Der kommunale Wasserversorger in Frankfurt (Oder) hat beispielsweise unlängst Klage gegen die Genehmigung der Ostsee-Flutung eingereicht.

Die Stadt Cottbus gewinnt ihr Trinkwasser aus Grundwasser in 60 Meter Tiefe und nicht aus der Spree.

(sha)