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| 17:43 Uhr

Cottbus
Leckere Lausitz-Connection

 Ölmüller René Schulze (l.) versorgt die Bäckerei Heimat & Herz in Cottbus mit dem wertvollen Leinmehl, das bei der Herstellung von Leinöl entsteht. Die beiden Bäckermeister Oliver Rosengart und Andreas Matschke (r.) machen daraus das Leinige.
Ölmüller René Schulze (l.) versorgt die Bäckerei Heimat & Herz in Cottbus mit dem wertvollen Leinmehl, das bei der Herstellung von Leinöl entsteht. Die beiden Bäckermeister Oliver Rosengart und Andreas Matschke (r.) machen daraus das Leinige. FOTO: Heimat & Herz
Cottbus. Cottbuser Ölmühle liefert Leinmehl für neue Brot-Kreation bei Heimat & Herz. Von Peggy Kompalla

Ölmüller René Schulze gehört zu den Stammgästen des Cafés Heimat & Herz. Mit Inhaberin Doreen Zeumke ist er nicht nur gut befreundet. Beide sind auch Geschäftspartner. Schließlich werden über das Geschäft in der Sprem die Ölfreund-Produkte vertrieben. Doch der Müller hatte noch eine weitergehende Idee. Eines Tages machte er seine Ankündigungen wahr und wuchtete einen Sack Leinmehl in den Laden. Schließlich weiß er, dass das junge Bäckerei-Team experimentierfreudig ist. Das Ergebnis der neuen Cottbuser Kooperation liegt nun in der Auslage – das Leinige.

Die Chefin gibt unumwunden zu, dass sie diesen Anstoß brauchte. Sie ist glücklich darüber und über das Ergebnis, das nun duftend und aufgeschnitten vor ihr liegt. Sie stippt ein Stück Leinbrot in goldenes Leinöl. Die Kruste kracht, eine feine Süße breitet sich auf ihrer Zunge aus. „Das schmeckt nach zu Hause und nach Kindheit“, sagt Doreen Zeumke. Sie strahlt dabei. Das hören ihren beiden Bäckermeister gern. Schließlich haben sie monatelang an der neuen Kreation getüftelt. Andreas Matschke erklärt: „Die Schwierigkeit bestand darin, die Rohstoffe so zu kombinieren, dass sie passen für den Geschmack, aber auch für das Aussehen des Brotes.“ Er und sein Bäckerkollege Oliver Rosengart haben es zunächst mit Vollkorn probiert. Aber das funktionierte nicht. Letztendlich kamen sie auf eine Kombination von Lein- und Weizenmehl. „Leinöl kommt auch mit rein“, verrät er. Genauer will er dann aber doch nicht werden.

Das Leinmehl entsteht bei der Herstellung von Leinöl, erklärt Ölmüller Schulze. „Beim Pressen von 25 Kilogramm Leinsaat bleiben 16 Kilogramm Leinpellets übrig. Die vermahlen wir zu Mehl.“ Dann kommt er ins Schwärmen über die Vorzüge der Leinsaat, die Lignane enthält, die als gesundheitsfördernd erachtet werden, allerdings erst durch die Verarbeitung vom Körper aufgenommen werden können.

In der Lausitz ist eine solche Überzeugungsarbeit im Grunde unnötig. Die Menschen wissen, was sie am Leinöl haben. René Schulze sagt: „Die Kunden fragen immer öfter nach unseren Spezialmehlen. Das hat rasant zugenommen.“ Die Ölmühle am Schmellwitzer Anger vertreibt neben Leinmehl auch Hanf-,
Kokos-, Kürbiskern-, Mandel-, Mohn-, Sesam- oder Sonnenblumenmehl – alles Produkte der Ölherstellung. Die verkauft er in ganz Deutschland. Warum also sollte es nicht auch in Cottbus verarbeitet werden?

Doreen Zeumke liebt regionale Produkte und Handwerk. Der Name Heimat & Herz ist Programm seit der Eröffnung im Januar 2016. Deshalb landete René Schulzes Idee genau in den richtigen Händen. „Leinöl schmeckt nicht immer gleich. Jeder Jahrgang ist anders, auch jedes Anbaugebiet“, sagt er. „Beim Wein akzeptiert das jeder.“ Bei den meisten anderen Naturprodukten müssten die Menschen das erst wieder lernen. Doreen Zeumke ergänzt: „Das ist natürlich auch eine Herausforderung für unsere Bäcker. Aber dafür haben sie die Erfahrung, denn Zusatzstoffe wie Stabilisatoren gibt es bei uns nicht.“ Weniger ist mehr. Das gilt auch für das Angebot. Mit dem Leinigen liegen acht Brotsorten im Regal.

„Unsere Kunden fragen oft nach, ob wir das Brot selbst backen“, erzählt Doreen Zeumke. Dann zeigt sie einfach nach hinten im Laden, wo jeder den Bäckern bei der Handarbeit zusehen kann. Dort wird es allerdings eng. „Wir brauchen mehr Platz für die Produktion“, sagt die Chefin. Deshalb erweitert sie ihr Geschäft. Neue Produktionsräume entstehen gerade in der benachbarten Mühlenstraße. „Aber das Aufmachen findet weiter hier im Laden statt“, betont sie. Dabei können die Kunden unter anderem zusehen, wie die Bäcker mit geschickten Handbewegungen die Teiglinge des Leinigen anritzen. Beim Backen entsteht dann ein Muster – eine stilisierte Flachspflanze. Das Erkennungszeichen für das neue Brot.