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| 01:25 Uhr

Cottbuser Oberförster warnt vor Ende der Lieberoser Heide

Der Cottbuser Oberförster Arne Barkhausen lässt seinen Blick über die Lieberoser Heide schweifen: „So ein Naturschutzgebiet bekommen wir hier kein zweites Mal.“
Der Cottbuser Oberförster Arne Barkhausen lässt seinen Blick über die Lieberoser Heide schweifen: „So ein Naturschutzgebiet bekommen wir hier kein zweites Mal.“ FOTO: René Wappler
Der Cottbuser Oberförster Arne Bark hausen plädiert dafür, jetzt behutsam in die Natur der Lieberoser Heide einzugreifen. Denn nach seinen Worten könnte das Gebiet schon bald von einem Wald überwuchert werden – und dann sei es nahezu unmöglich, Munitionsreste in der Heide zu beseitigen. Von rené wappler

Bläulich schimmern die kniehohen Pflanzen im Sand links und rechts des Weges. Oberförster Arne Barkhausen deutet über die weite Fläche. „Man muss nicht erst in die Lüneburger Heide fahren. An diesem Ort finden wir die gleiche Landschaft.“ Allerdings handelt es sich um eine Landschaft voller Lasten. „Gefährdungsgebiet!“ , warnen Schilder am Pfad, „Betreten und Befahren verboten!“
Der Grund für die Ausrufezeichen: Viele Jahrzehnte hatte das Militär die Fläche als Truppenübungsplatz genutzt. Zunächst, in den 40er-Jahren, die Nationalsozialisten, später erweiterten nach Auskunft des Oberförsters die Russen das Gelände, bis es sich mit allen Sicherheitszonen auf 27 000 Hektar erstreckte. „Nach ihrem Abrücken haben die Soldaten verseuchtes Gebiet hinterlassen“ , berichtet Barkhausen. „Kein Wunder, schließlich durfte bis dahin niemand außer ihnen die Lieberoser Heide betreten, weil sie mit Raketen schossen und Bomben abwarfen.“ Nach dem Abzug des Militärs verwandelte sich die Lieberoser Heide in ein Naturschutzgebiet. Das schimmernde Heidekraut sei besonders schnell auf dem Sand gewachsen, erzählt Arne Bark hausen. „Es siedelt sich eben gern auf solch kargem Boden an.“
Doch nun drohe ein Problem. Der Boden nehme allmählich mehr und mehr Nährstoffe auf. Die Folge sei, dass sich Kiefern und Birken das Gebiet zurückerobern - „und hier sehe ich eine Gefahr“ , sagt der Oberförster. „Seit 15 Jahren liegt die Heide ruhig, in 20 Jahren wäre von ihrem ursprünglichen Zustand nichts mehr zu sehen, wenn der Mensch nicht eingreift.“ Dabei dränge die Zeit: Denn im Moment sei dieses Eingreifen noch mit Lebensgefahr verbunden, weil zu viel Munition in der Erde lagere - und wenn zu viel Jahre verstrichen seien, wandele sich das Bild der Lieberoser Heide hin zu einem ganz gewöhnlichen Wald, aus dem kein Mensch mehr die Munitionsreste entfernen könne. „Es sieht also so aus, als wäre die Heide ein kostbares Biotop für eine Übergangsfrist“ , urteilt Barkhausen. Oder anders ausgedrückt: „Ein Kunstprodukt, geschaffen vom Militär, das manche Leute auch Klein Sibirien nennen“ , erzählt Barkhausen.
Für Insekten und Kriechtiere bietet sich dieses künstliche Biotop an, der Seeadler kreist bereits über der Landschaft, weil ihm die Thermik behagt. Kleine Moorgebiete sorgen ebenfalls dafür, dass die Fläche mit dem schimmernden Heidekraut in der Lausitz als einzigartig gilt. Auch Wölfe seien bereits gesichtet worden. „Es gab auch mal Pläne, Wisente und Pferde in der Lieberoser Heide anzusiedeln“ , erinnert sich der Oberförster. „Aber das hat nicht geklappt, auch wegen des Flächenzuschnittes und mangelnden Fördergeldes.“

Hintergrund Streit um die Heide
 Der Peitzer Amtsausschuss will eigene Regeln für die Lieberoser Heide erlassen. „Ich stimme keiner Regelung zu, welche die Bürger ausgrenzt“ , sagt Fritz Woitow, Bürgermeister von Drachhausen. Sein Vorschlag: Für alle Bereiche soll in Zukunft „Betreten auf eigene Gefahr“ gelten. Von der ungefähr 27 000 Hektar großen Fläche sind nach Angaben von Fachleuten 80 Prozent stark munitionsbelastet .