| 20:27 Uhr

Flüchtlingsdebatte
Jetzt wird in Cottbus geredet

Cottbus. Nach langem Zögern startet OB Holger Kelch eine Dialogreihe zur Flüchtlingsproblematik.

Von Andrea Hilscher

Seit Jahresbeginn wird Cottbus von Auseinandersetzungen zwischen Flüchtlingen und Einheimischen in Atem gehalten, Demonstrationen gegen Zuwanderung locken immer wieder Tausende Menschen auf die Straße. Nach der Rückkehr aus seiner mehrwöchigen Kur reagiert Oberbürgermeister Holger Kelch (CDU) auf die Forderungen nach einem offenen Diskussionsforum: Für den kommenden Samstag lädt er gemeinsam mit Stadtverordnetenvorsteher Reinhard Drogla (SPD) zu einer Sonderstadtverordnetenversammlung ins Stadthaus.

„Wir wollen die Diskussion von der Straße in den politischen Raum holen, an den Ort, an den sie gehört“, erklärt Drogla, der schon im Februar einen Vorstoß zu einer derartigen Sitzung unternommen hatte. „Vielleicht war ich damals vorschnell“, sagt er heute. Im Februar wäre es zeitlich schwierig geworden, alle Formalien einzuhalten, außerdem sei es vielleicht ganz gut, dass sich alle Beteiligten in der Zwischenzeit etwas beruhigt haben.

Die Versammlung im Stadthaus beginnt um 10 Uhr (Einlass ab 9 Uhr). Zunächst wird der OB eine halbe Stunde reden, dann kommen die Rathausparteien zu Wort. Reinhard Drogla: „Es ist unabdingbar, dass neben dem Oberbürgermeister auch die Fraktionen ihre Vorstellungen einbringen – nicht hinter verschlossen Türen, sondern öffentlich.“

Im Anschluss daran ist Zeit für Fragen, Statements und Problembeschreibungen. OB Holger Kelch: „Uns ist wichtig, dass Cottbuser über das reden, was uns in Cottbus bewegt.“ Sollten Gäste aus anderen Landkreisen anreisen, bekommen sie die Möglichkeit, der Veranstaltung von anderen Räumen aus zu folgen. Außerdem wird die Veranstaltung per Livestream im Internet übertragen. Holger Kelch: „Wichtig ist uns, dass die Gespräche in gegenseitigem Respekt geführt werden, sachlich und vernünftig.“ Das Ende der Veranstaltung ist offen. „Es dauert so lange wie es dauert“, sagt Reinhard Drogla achselzuckend. Er selbst werde sich jedenfalls auf einen langen Tag im Stadthaus einstellen.

Die Samstagsrunde soll Auftakt sein zu einer ganzen Reihe von weiteren Bürgergesprächen in den sechs größten Stadtteilen. Auch dort werden neben dem OB und dem Stadtverordnetenvorsteher Vertreter der Fraktionen anwesend sein. „Wir können uns auch vorstellen, dass wir in kleineren Gruppen an konkreten Problemen arbeiten“, so Holger Kelch. Bereits am Samstag will er zwei Mediatoren vorstellen, die die Stadtteilrunden moderieren und strukturieren sollen. „Sie kommen aus der Region, sind mit den hiesigen Problemen vertraut“, so der OB. Die Mediatoren sollen vor allem für eine fruchtbare Gesprächsatmosphäre sorgen.

Die Gespräche, die in der Stadtmitte, in Sachsendorf, Schmellwitz, Ströbitz, Sandow und der Spremberger Vorstadt stattfinden sollen, werden im Mai und Juni angeboten. Genaue Orte und Zeiten werden noch bekannt gegeben. Weitere Gesprächsformate sowohl zu bundespolitischen Aspekten als auch in den anderen Ortsteilen, in Ortsbeiräten, bei Vereinen, in Schulen, Institutionen, Gartensparten sollen nach Mitteilung der Stadtverwaltung folgen.

Holger Kelch: „Wir haben lange darüber nachgedacht, was das beste Rezept, die vernünftigste Methode ist, eine Dialogform zu finden, die der Situation gerecht wird.“ Jetzt, so hoffen er und Drogla, werde die Diskussion von der Straße weg in die richtigen Bahnen gelenkt. „Wir müssen aber schon jetzt sagen, dass wir nicht alle Probleme lösen können“, so Reinhard Drogla. „Wir sind die Letzten in einer langen Entscheidungskette.“

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