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| 17:43 Uhr

Freizeit
„Ohne Hobby ist das Leben nicht schön“

 Modelleisenbahner Gerhard Hirschmann lässt die Züge am Bahnhof ein- und ausfahren.
Modelleisenbahner Gerhard Hirschmann lässt die Züge am Bahnhof ein- und ausfahren. FOTO: LR / Nils Ohl
Cottbus. Cottbuser Modelleisenbahner begeistern sich für Details und suchen Nachwuchs. Von Nils Ohl

In der Luft liegt der typische Geruch von Lötfett, und das eifrige Gewusel erinnert eine wenig an den früheren Werkunterricht. Aber die hier mit kindlicher Begeisterung in einem Keller des RAW kleben und löten, sind keine Schüler, sondern gestandene Senioren. Sie verbindet das Hobby Modelleisenbahn.

„Unser Lausitzer Modellbahnclub hat 15 Mitglieder“, erklärt Siegfried Gründer. Seine erste Modellbahn hat der rüstige Rentner mit fünf Jahren gehabt. Clubmitglied Manfred Dörfer ruft von hinten: „Modellbau ist wie ein Virus. Es gibt keine Impfung dagegen.“

Allerdings scheint der Virus kaum noch ansteckend zu sein. Von den 15 Mitgliedern, alles Männer, sind nur vier noch nicht im Rentenalter. Sie alle bedauern sehr, dass sie ihr Hobby kaum weitergeben können. Man habe es natürlich mit Kinder- und Jugendgruppen versucht. Aber spätestens mit Beginn der Lehrzeit war es vorbei. „Dazu kommen noch die Preise. Das ist kein billiges Hobby“, so die übereinstimmende Meinung. Die Clubmitglieder schätzen die Investitionen für eine gute Anlage auf den Wert eines Kleinwagens.

Doch wer sich erst einmal ernsthaft mit dem Modellbau-Virus infiziert hat, kommt offenbar nicht mehr los. Klaus Dieter Gärtner zeigt stolz seinen eigenhändigen Nachbau der „Graf Armin“, der ältesten Dampflok der Cottbuser Parkeisenbahn, in Spurweite Z – kaum größer als eine Euro-Münze. „Jeder von uns hat sein Spezialgebiet“, erklärt er. Der eine steht auf historische Loks aus dem 19. Jahrhundert, der nächste auf moderne Triebwagen. Der eine mag Miniaturmodelle, der andere baut in größerem Maßstab. Auch beim Bau der Anlagen sind vom Holzbau über Elektrotechnik bis zur Metallverarbeitung unterschiedliche Fähigkeiten gefragt. Jedes Clubmitglied hat seine eigenen Stärken – ob beim Verlegen der Gleise, beim Basteln der Modellfahrzeuge und bei der Elektronik.

 Die Dampflok Graf Armin der Cottbuser Parkeisenbahn hat Klaus Dieter Gärtner als fahrtüchtiges in Modell Spurweite Z  im Miniformat nachgebaut.
Die Dampflok Graf Armin der Cottbuser Parkeisenbahn hat Klaus Dieter Gärtner als fahrtüchtiges in Modell Spurweite Z  im Miniformat nachgebaut. FOTO: LR / Nils Ohl

„Früher wurden die Loks mit Gleichstrom angetrieben und analog gesteuert. Heute liegt Wechselstrom auf dem Gleis. Darauf sind Signale moduliert, die jede Lok einzeln ansprechen. Dafür ist sie mit einem Decoder mit jeweils eigener Adresse ausgestattet. So werden heute Anfahren, Stoppen, Licht oder auch Geräusche digital gesteuert“, erklärt Gerhard Hirschmann. Wobei ein einzelner Decoder 100 bis 120 Euro kostet.

Gerhard Hirschmann hat mit elf Jahren mit dem Modellbau-Hobby angefangen und als Triebwagenschlosser auch sein Berufsleben der Bahn gewidmet. Innerhalb von 60 Jahren hat er privat zwei komplette Eisenbahnanlagen gebaut. „Aber mein erste Anlage habe ich für einen Kasten Bier weggegeben. Leider wird so etwas nicht mehr nachgefragt“, berichtet er.

Auf die Frage, wie lange der Bau eines Zugmodells benötigt, können die Hobby-Eisenbahner keine exakte Antwort geben. Am längsten dauere die Planung, lautet die gemeinsame Antwort. Einig sind sie sich auch, dass das Fahren auf der Anlage die geringste Zeit in Anspruch nimmt. „Wir sind aus dem Alter raus, wo wir nur spielen“, meint Gerhard Hirschmann.  Neben dem Basteln an den Anlagen und den Fahrzeugen nehme die Pflege viel Zeit in Anspruch. Der größte Feind des Modellbauers ist der Staub. Für die reibungslose Stromübertragung müssten Gleise und Räder ständig blitzblank gehalten werden.

In ihrem Clubkeller haben die Männer zwei fertige Anlagen, eine weitere ist im Bau. Das gibt genug Betätigungsfelder für alle. Sie unternehmen auch regelmäßig gemeinsame Ausflüge zu „Bahnzielen“. Und wenn die kleinen  Züge über die Gleise rattern, vorbei am original nachgebauten Bahnhof von Drebkau, wird die besondere Faszination deutlich, die  das Kind im Manne wach hält. Oder wie es Klaus Dieter Gärtner sagt: „Ohne Hobby ist das Leben nicht schön.“