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Cottbuser Menschenrechtszentrum setzt Hilfe im Nordirak fort

Verteilung von Weihnachtspaketen an christliche Familien im kurdischen Nordirak.
Verteilung von Weihnachtspaketen an christliche Familien im kurdischen Nordirak. FOTO: Sylvia Wähling
Cottbus. Die Idee klingt kühn. In der Osterwoche will Sylvia Wähling mit möglichst vielen Mitstreitern im kurdischen Nordirak zu Fuß von Erbil nach Alqosh laufen. Simone Wendler

Einen "Friedens- und Versöhnungsmarsch" nennt die Geschäftsführende Vorsitzende des Menschenrechtszentrums in Cottbus die geplante Aktion, die am Ostermontag zu Ende gehen soll. Etwa 120 Kilometer sollen zurückgelegt werden.

"Wir wollen damit unsere Solidarität mit den Menschen in der Region zeigen und für ein friedliches Zusammenleben werben", so Wähling. Im autonomen Kurdengebiet im Irak leben neben Moslems auch Christen und Jesiden. Alle leiden unter der Terrormiliz des IS. Tausende Menschen in der Region sind durch sie zu Binnenflüchtlingen geworden.

Das Menschenrechtszentrum in Cottbus unterstützt seit Oktober 2015 zusammen mit der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte diese Menschen. Drei Hilfstransporte, verbunden mit ärztlicher Hilfe vor Ort gingen in die Region.

Vor knapp einem Monat war Sylvia Wähling erneut mit freiwilligen Helfern und 1000 Weihnachtspaketen für christliche Familien in der Kurdenregion. Unterstützt von Bundeswehrsoldaten und mit finanzieller Hilfe der katholischen Militärseelsorge bekam jede Familie einen Karton mit Lebensmitteln, Decken und etwas Spielzeug.

Erfolg hat inzwischen auch das Engagement des Cottbuser Menschenrechtszentrums zusammen mit den Fraktionen von CDU und Bündnis 90/Grüne im Brandenburger Landtag für die besonders verfolgten Jesiden. Die religiöse Minderheit im Nordirak gilt den islamistischen Fanatikern des IS als "ungläubig". Sie töteten unzählige Bewohner jesidischer Dörfer, die sie eroberten. Jesidische Frauen wurden verschleppt, systematisch vergewaltigt und weiterverkauft.

Kurz vor Weihnachten beschloss der Brandenburger Landtag einen gemeinsamen Antrag von SPD, CDU, Bündnis 90/Grüne und der Linken. Darin sprach sich das Parlament dafür aus, eine begrenzte Zahl von Jesidinnen und Jesiden außerhalb des regulären Asylverfahrens im Land aufzunehmen.

Außerdem wurde die Landesregierung gebeten, sich auf Bundesebene dafür einzusetzen, dass insbesondere für schwer traumatisierte alleinstehende Frauen mit Kindern und unbegleitete Minderjährige aus dem Irak und Syrien bis zum Sommer ein spezielles Aufnahmekontingent geschaffen werden soll.

Brandenburg orientiert sich dabei an Baden-Württemberg, das eintausend jesidische Frauen und Kinder aufgenommen hat, um dieser besonders verfolgten Gruppe zu helfen.

Sylvia Wähling, Geschäftsführende Vorsitzende des Cottbuser Menschenrechtszentrums räumt ein, dass nicht alle Mitglieder im Trägerverein von dem Engagement in Kurdistan begeistert seien. Der Verein besteht überwiegend aus ehemaligen politischen Häftlingen, die in der DDR-Zeit in Cottbus inhaftiert waren.

Das Zentrum sei jedoch weit mehr als ein DDR-Opfer-Verein, so Wähling, sondern schaue bewusst auf aktuelle Menschenrechtsverletzungen, auf Krieg, Flucht und Vertreibung.

Außerdem, so die Vereinschefin, könne die Vermittlung der Erfahrungen mit Muslimen und ihrem Zusammenleben mit Christen und Jesiden helfen, um Verständnis zu wecken für die Muslime, die inzwischen als Flüchtlinge in der Lausitz lebten.

Am Donnerstag um 18 Uhr berichtet sie in einem Vortrag in der Gedenkstätte Zuchthaus Cottbus über ihren jüngsten Besuch im Kurdengebiet.