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| 15:38 Uhr

Aus dem Gericht
Cottbuser Maskenmänner entschuldigen sich bei Zeugin

Cottbus. Am zweiten Prozesstag sagt überfallene Pizzabotin aus. Von Josephine Japke

„Ich will nicht auf einer Treppe in Cottbus beim Pizzaausliefern enden“, schildert die Zeugin ihre Gedanken, die sie während des Raubüberfalls hatte. Im Oktober 2017 wurde sie von Christian W. und Ralf H mit einer Waffe bedroht und ausgeraubt. Am zweiten Verhandlungstag im „Maskenmann-Prozess“ schildert die 20-Jährige ihre Erlebnisse am Mittwoch vor dem Cottbuser Landgericht.

Am Abend des Überfalls arbeitete sie einen neuen Kollegen ein und lieferte gemeinsam mit ihm die Pizza aus. Plötzlich hörte sie, wie jemand hinter ihr rannte, sie drehte sich um und da standen sie: Zwei maskierte Männer in dunkler Kleidung und mit gezogener Waffe. „Wenn ihr nicht schreit, passiert euch nichts“, sollen sie gerufen haben, nahmen die Pizzatasche samt Geldbörsen an sich und rannten davon. Nach kurzer Schockstarre rief die Zeugin die Polizei. Direkt nach der Tat kündigte sie ihren Job: „Ich hätte dort eh nur noch drei Wochen gearbeitet, aber meine Eltern sagten, dass ich da nicht mehr hingehen soll.“ Widersprüchlich wird es erst, als die Zeugin die Summe nennt, die ihr gestohlen wurde. „Etwa 400 Euro“, sagt sie vor Gericht aus. Christian W. und Ralf H. schütteln ungläubig und abwertend den Kopf. Auch der Richter zeigt sich verwundert: „Bei der Polizei sagten Sie aus, dass es etwa 200 Euro Tageseinnahmen plus eigenes Geld gewesen sei?“ Ja, dann wird das stimmen. So genau könne sie sich nicht mehr erinnern. Schlussendlich geht es an diesem Tag nicht um die genaue Summe, die gestohlen wurde. Die Anklage lautet schwere räuberische Erpressung und versuchte gefährliche Körperverletzung. „Wie geht es Ihnen heute damit?“, fragt deshalb die Staatsanwältin. Die Zeugin antwortet, dass sie überrascht sei, wie gut sie die Tat verarbeitet habe. Nur wenn sie nachts Schritte hinter sich hört, fühle sie sich unwohl. Als sie den Zeugenstand verlässt, melden sich Christian W. und Ralf H. zum einzigen Mal zu Wort. „Es tut uns leid“, sagen beide. „Aha, ok“, antwortet die Zeugin und geht.

Schon zwei Tage vor dem Überfall auf die Pizzaboten überfielen Ralf H. und Christian W. einen Asia-Imbiss und erbeuteten etwa 300 bis 400 Euro und Mobiltelefone. Christian W. wurde dafür bereits zu drei Jahren und sechs Monaten Freiheitsstrafe verurteilt.