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Cottbuser Martin Serner fliegt mit dem Gleitschirm 256 Kilometer an die Ostsee

Martin Serner beim Gleitschirmflug auf dem Weg nach Usedom. Vorige Woche wurde er Zweiter bei der Landesmeisterschaft Nord-Ost.
Martin Serner beim Gleitschirmflug auf dem Weg nach Usedom. Vorige Woche wurde er Zweiter bei der Landesmeisterschaft Nord-Ost. FOTO: Serner
Cottbus. Der 29-jährige Gleitschirm-Pilot Martin Serner hat sich einen Traum erfüllt. Von Cottbus bis nach Usedom an die Ostsee. 7,5 Stunden, 256 Kilometer, in rund 2000 Metern Höhe. Rüdiger Hofmann

Hervorragende Sicht, richtige Thermik, hohe Wolken, Südwind. An diesem Montag scheint das Wetter perfekt, um in luftiger Höhe mit einem Gleitschirm weite Distanzen zu überwinden: "Normalerweise befinden sich die Wolken in 1000 bis 1500 Metern Höhe. Anfang der Woche waren sie bei 2000 Metern, wodurch man weiter gleiten kann", sagt Martin Serner.

Grundsätzlich gleiten die Piloten während des Fluges, solange das Wetter und die Thermik mitspielen. "Es ist die zweitlängste Distanz, die bisher von Cottbus mit einem Gleitschirm zurückgelegt wurde", so Serner.

Die "Community" - wie er die Flieger-Gemeinschaft und den Internet-Blog für den Erfahrungsaustausch mit anderen Piloten nennt - sei begeistert gewesen nach der Meldung über den weiten Flug. Aber vor allem er selbst. "Jeder weiß, dass man den Zielpunkt einer geplanten Tour immer irgendwie maßlos weit wegsetzt. Aber als ich in der Luft realisierte, dass ich es schaffen könnte, sind mir die Freudentränen gekommen."

Doch bevor Piloten wie Martin Serner starten können, bedarf es einiger Helfer. Sei es der Windenfahrer für das Hochschleppen, der Startleiter und jemand, der die Seile mit dem Auto zum Startpunkt bringt. Hinzu kommt eine umfangreiche Ausrüstung: Gleitschirm, Anzug, Helm, Handschuhe, Reservefallschirm, GPS-Gerät zum Aufzeichnen der Flugroute und ein Handy, um sich - wo immer man auch landet - abholen zu lassen.

Die Flugroute führt Serner dann an Frankfurt (Oder) und Schwedt vorbei Richtung Stettiner Haff und Ueckermünde bis nach Usedom. Von Wolke zu Wolke, auf Augenhöhe mit den Vögeln, nach deren Flugbahn sich Serner richtet. "Ich bin über eine Insel geflogen, das muss man sich mal geben", sagt er begeistert. Unterwegs trifft er auch auf andere Piloten, ein Stück fliegen sie gemeinsam, kommuniziert wird über Funk. Nahe dem Zeltplatz muss er dann runtergehen. Nach einer Verschnaufpause packt der Pilot alle Utensilien in einen großen Rucksack und nimmt noch vor Mitternacht einen Zug zurück in die Heimat.

Martin Serner fliegt nun bereits seit zehn Jahren. "Auf dem Flugplatz bin ich groß geworden", sagt er. Durch den Vater und erste Testflüge habe er an der speziellen Art des Fliegens schnell Gefallen gefunden und war von dieser Freizeitgestaltung nicht mehr abzubringen. Inzwischen hat er rund 500 Flugstunden und 9500 Kilometer zurückgelegt. "Der Sport soll aber Hobby bleiben", sagt Serner, der beruflich andere Ziele verfolgt. So hat er nach dem Abitur in Cottbus eine Ausbildung zum Augenoptiker absolviert und ist inzwischen im Bereich Projektmanagement in Berlin tätig. "Ich will mir das Gleitschirmfliegen immer in meiner Freizeit bewahren, aber nie täglich acht Stunden. Damit es nicht langweilig wird", so der Pilot.

Den aktuellen Entfernungsrekord hält übrigens ein Berliner über 300 Kilometer, doch Serner will ihn nach Cottbus holen. Für sich und seinen Verein, den 1. Cottbuser Drachen- und Gleitschirmfliegerclub e.V., der von seinem Vater zur Wendezeit gegründet wurde. Neue Flugrouten hat Martin Serner bereits im Visier. "In den Harz Richtung Brocken oder auf die tschechische Seite rüber bis hinter Prag", sagt er. Sollten die Flüge klappen, würde er die 300-Kilometer-Marke knacken.