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Cottbuser Malerin mit starkem Gefühl für die Region

Bernd Bisse mit Sohn Maik vor dem Bild seiner Großmutter Alwine Bisse, einem Gemälde der Cottbuser Malerin Elisabeth Wolf.
Bernd Bisse mit Sohn Maik vor dem Bild seiner Großmutter Alwine Bisse, einem Gemälde der Cottbuser Malerin Elisabeth Wolf. FOTO: Elsner
Sie gilt als die bedeutendste Cottbuser Malerin und sie hat sich, wie Christina Kliem, Kuratorin des Wendischen Museums, betont, besonders das dörfliche Leben in der Region zum Thema gemacht: Elisabeth Wolf (1873 – 1964). 1952 schuf sie eines der schönsten Werke im Fundus des Wendischen Museums: das „Porträt einer Wendin“ . Das großformatige Ölgemälde ist das Bild des Monats Juli in der gleichnamigen Museums-Reihe. Von Ulrike Elsner

„Es ist, als ob meine Tante vor mir sitzt“ , zeigt sich Bernd Bisse von Neuem überrascht über die Ähnlichkeit von Mutter und Tochter. Das Porträt zeigt Alwine Bisse aus Jänsch walde, geboren am 11. Oktober 1904 in Klein Lieskow, Bernd Bisses Großmutter. 1926 habe Alwine Nowka den Bäckermeister Wilhelm Bisse geheiratet und sei zwei Jahre später mit ihm nach Jänschwalde gezogen, erzählt der Enkel. Wilhelm und mehr noch dessen Bruder Martin Bisse seien sehr kunstbegeistert gewesen. 1945 hätten die Bisses die Malerin Elisabeth Wolf kennengelernt und in einer Zeit, da Kunst kaum verkäuflich gewesen sei, einige Bilder erworben. Bernd Bisse: „Es hat sich eine Freundschaft entwickelt. Man hat sich zu Geburtstagen, Silvester und Weihnachten besucht.“ Das große Porträt hätten seine Großeltern für immerhin 3500 DDR-Mark gekauft.
Seit 1992 ist es Eigentum des Wendischen Museum. „Wir wissen, dass es hier in guten Händen ist“ , sagt der Dachdecker. Die Museums-Leute wiederum seien froh gewesen, „das Bild einer so bedeutenden Cottbuser Malerin aufzunehmen, die sich die dörfliche Umgebung zum Thema gemacht hat“ , betont Christina Kliem.
Das Bild einer älteren Wendin in festlicher Ausgangstracht, wie sie in den 50er-Jahren getragen wurde, sei „ein wunderbares Angebot“ gewesen. Zweimal schon war es in Sonderausstellungen zu sehen. Christina Kliem: „Vielleicht übernehmen wir es auch in die ständige Ausstellung.“ Vorerst solle die Präsentation des Gemäldes in der Reihe „Bild des Monats“ auf den Schatz im Fundus des Wendischen Museums aufmerksam machen.
Bernd Bisse, der 1961 geboren wurde, hat zwar keine Erinnerung mehr an Elisabeth Wolf, wohl aber an deren Lebensgefährten, den ägyptischen Maler George Khoury, der die Familie auch nach Elisabeth Wolfs Tod 1964 weiter besucht hat. Großmutter Alwine Bisse starb 1972. „Sie hat täglich die wendische Tracht getragen“ , erzählt ihr Enkel. Um Modell zu sitzen, sei sie in der Festtagstracht mit dem Zug nach Cottbus gefahren zum Atelier des Künstler-Paares in der Webschulallee.
„Elisabeth Wolf war die erste Malerin in Cottbus, die ausschließlich von ihrer Kunst leben konnte“ , sagt Christina Kliem. Interessant seien auch die familiären Wurzeln der Großnichte von Ludwig Leichhardt und Tochter des Porträtmalers Friedrich August Schmalfuß. Vor allem habe Elisabeth Wolf „ein starkes Gefühl für die Region“ gehabt.

Service Öffnungszeiten
Das Wendische Museum in der Cottbuser Mühlenstraße 12 ist dienstags bis freitags von 8.30 Uhr bis 18 Uhr geöffnet, samstags und sonntags sowie an Feiertagen von 14 bis 18 Uhr.
Weitere Informationen unter www. wendisches -museum.de .