| 20:20 Uhr

Werkstatt für Technik und Handwerk bei „Mia – Mädchen in Aktion“
Wo Handwerk Mädchensache ist

Handwerk ist nicht nur Männersache: Paula Stark (r.) und Julie Stein bauen eine Tischlampe. Fachmännische Ratschläge bekommen sie dabei von Tischler Robert Teuber.
Handwerk ist nicht nur Männersache: Paula Stark (r.) und Julie Stein bauen eine Tischlampe. Fachmännische Ratschläge bekommen sie dabei von Tischler Robert Teuber. FOTO: Ulrike Elsner / LR
Cottbus. In der Werkstatt des Mädchentreffs können junge Cottbuserinnen eigene Ideen und Projekte umsetzen.

Dienstags und donnerstags ist Werkstatt-Zeit im Mädchentreff des Cottbuser Frauenzentrums. Julie Stein und Paula Stark haben das milde Wetter am Donnerstagnachmittag genutzt, um den Holzfuß einer Tischlampe fertigzustellen. Die soll künftig im Mädchentreff in der „Lila Villa“ ihren Platz finden. Robert Teuber wirft einen fachmännischen Blick auf das Geschehen. Der Tischler ist ehrenamtlich in der Werkstatt für Technik und Handwerk von „Mia – Mädchen in Aktion“ tätig.

An der Arbeit der beiden jungen Frauen, die derzeit eine Ausbildung zur Erzieherin absolvieren, hat er allerdings absolut nichts auszusetzen. Franziska Reifenstein dokumentiert das Geschehen mit einer Videokamera. Sie ist pädagogische Mitarbeiterin im Mädchentreff und hält in der Offenen Werkstatt für Handwerk, Technik und Handarbeiten die Fäden in der Hand. Am Ende entsteht an diesem Nachmittag nicht nur eine originelle und schicke Lampe, sondern ein Videoclip, der auf Youtube andere Mädchen inspirieren soll, es den jungen Cottbuserinnen gleichzutun und selbst zu Bohrer und Säge zu greifen.  

„Der Umgang mit Holz und Metall ist keine reine Männersache“, ist sich Franziska Reifenstein sicher. Das beweisen nicht zuletzt die ersten Monate der seit Mai geöffneten Werkstatt. Hier können Mädchen und junge Frauen gemeinsam mit Gleichgesinnten eigene Ideen und Projekte umsetzen. Auch junge Familien sind willkommen.

„Fiene“ nennt sich das Projekt.  Und das steht  für „Freiraum für Individualität und Entwicklung neu erleben“.  In einem eigens dafür eingerichteten Werkstattraum stehen die verschiedensten Materialien von Glas über Metall bis zu Holz und Textilien bereit. Passendes Werkzeug steht ebenso in den Regalen wie Bücher mit vielfältigen Anregungen zum kreativen Gestalten. Auch im Internet kann recherchiert werden. In den Sommerferien gab es hier einen Palettenbaukurs. In den Herbstferien haben Mädchen Lampen gebaut.

Was das Wichtigste ist, damit junge Frauen die oftmals noch vorhandene Scheu vor dem Umgang mit Bohrer und Schleifmaschine überwinden? „Dass sie sich trauen“, sagt Franziska Reifenstein spontan. Als Lohn lockt die Erkenntnis: Ich kann das auch allein. Auf diese Weise würden Stereotype aufgebrochen, freut sich die junge Werkstattchefin.

Genutzt wird das Angebot von Schülerinnen, Azubis, Studentinnen und jungen Arbeitnehmerinnen. „Alle Schichten sind hier vertreten“, sagt Franziska Reifenstein. Wer es schon versucht hat, ist meist begeistert. „Mir gefällt, dass ich hier so viel ausprobieren kann“, sagt Paula Stark, „von der Bohrmaschine über das Schleifgerät bis zur Stichsäge“.

Wer Lust hat, selbst etwas herzustellen, kann dienstags oder donnerstags, jeweils zwischen 15 bis 18 Uhr, im Mädchentreff, Thiemstraße 55, vorbeischauen oder sich unter Telefon 0355 474635 anmelden.