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| 02:33 Uhr

Cottbuser machen mehr Müll

FOTO: Inga Bresser Fotolia
Cottbus. Trotz leicht gestiegener Abfallmenge hat sich das städtische System in der Praxis bewährt. Biotonne und dritter Wertstoffhof sollen das Angebot abrunden. Andrea Hilscher

Sybille Schneider, Leiterin des Amtes für Abfallwirtschaft und Stadtreinigung, stellt den Cottbusern für 2016 ein solides Zeugnis in Sachen Müllverhalten aus. Zwar hat jeder Einwohner im Schnitt 431 Kilogramm Abfall, gerechnet auf das Gesamtabfallaufkommen, produziert - fünf Kilo mehr als noch 2015. Dennoch, so Schneider, sei in Cottbus ein hoher Stand der Abfallvermeidung und Stofftrennung erreicht.

Vergleicht man die Cottbuser Müllmengen mit dem Landesdurchschnitt, stockt dem Laien zunächst der Atem: Das Hausmüll-aufkommen, das in der schwarzen Tonne gesammelt wird, liegt mit 215 Kilo pro Einwohner deutlich über dem Landesdurchschnitt von 177 Kilo. "Grund dafür ist ein hoher Anteil an Geschäftsmüll und sonstigen gewerblichen Siedlungsabfällen, die in anderen Kommunen nicht in der Größenordnung anfallen", sagt Sybille Schneider. Weiterhin wird der Durchschnitt durch das Land anhand der mit Hauptwohnsitz gemeldeten Einwohner ermittelt, Einwohner mit Nebenwohnsitz werden nicht berücksichtigt.

Bei Sperrmüll liegt Cottbus mit 38 Kilo und bei der blauen Tonne mit 52 Kilo im Landesdurchschnitt. Das Wertstoffaufkommen hat sich mit 138 Kilo pro Einwohner gegenüber dem Vorjahr leicht erhöht - die Cottbuser haben fleißig Müll getrennt.

Geradezu vorbildlich verhalten sie sich beim Thema herrenloser Müll. Während im Landesdurchschnitt 2,4 Kilogramm wild entsorgter Müll eingesammelt werden mussten, waren es in Cottbus nur 1,1 Kilo. Sybille Schneider: "Das zeigt, dass unser System mit den Wertstoffhöfen, der Spermüllabholung am Grundstück und den Einsätzen des Schadstoffmobiles erfolgreich ist."

Deutlich übererfüllt haben die Cottbuser auch die gesetzlich vorgeschriebene Zielvorgabe zur Entsorgung von Elektroaltgeräten. Die Vorgabe liegt bei vier Kilo pro Einwohner, in Cottbus wurden durchschnittlich 6,1 Kilo von der Alba abgeholt oder von den Besitzern zu den Wertstoffhöfen gebracht.

Insgesamt, so Sybille Schneider, wurden im vergangenen Jahr 68 Prozent der Abfälle im Holsystem entsorgt, 32 Prozent haben die Einwohner selbst zu den Wertstoffhöfen oder Sammelcontainern gebracht. 77 Kilogramm pro Einwohner der"gebrachten" Abfälle waren im vergangenen Jahr kompostierbare Garten- und Parkabfälle - ein Wert, der im Landesdurchschnitt bei 57 Kilogramm liegt (einschließlich Biotonne).

Ein kleiner, dennoch bemerkenswerter Posten: In der Abfallbilanz des vergangenen Jahres tauchen mehr als fünf Tonnen "Abfälle aus tierischem Gewebe" auf - es handelt sich um die traurigen Reste einst stolzer Buchsbaumhecken, die der Buchsbaumzünsler 2016 zerfressen hatte. Um eine Ausbreitung des Schädlings zu verhindern, mussten die toten Buchsbäume samt Zünslern separat entsorgt werden.

In Cottbus, so sagt Sybille Schneider, ließe sich das Hausmüllaufkommen noch weiter reduzieren, wenn die Biotonne flächendeckend eingesetzt wird. Ziel ist dabei eine Sammelmenge von mindestens 30 Kilogramm Biogut pro Einwohner. "Im kommenden Jahr wollen wir eine Befragung starten, wo Bedarf an einer solchen Biotonne besteht, dann eventuell in einem Modellgebiet einen ersten Versuch starten", so die Abfall-Chefin. 2020 könnte die Biotonne dann flächendeckend im Stadtgebiet eingeführt werden - nach derzeitigem Konzept auf freiwilliger Basis.

Auch auf den dritten Wertstoffhof müssen die Cottbuser noch ein bisschen warten. "Nach derzeitiger Planung können die Arbeiten am Standort Hegelstraße wohl erst nach der ersten Jahreshälfte 2018 abgeschlossen sein", schätzt Sybille Schneider. "Wenn es schneller geht, freuen wir uns."